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30.07.2003 20:10 Uhr | x gelesen
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Kompliment an Buben im Fußballcamp


Bild: Kompliment an Buben im Fußballcamp.  Hilpoltstein (reh) Man stelle sich vor, ein Bastian Schweinsteiger hätte beim FC Bayern München den Sprung aus den A-Junioren zu den Profis nicht probiert, weil er gerne im Alter von 19 Jahren Trainer werden wollte. Kaum zu glauben? So geschehen bei Fabrizio Fratini, dem Cheftrainer des Fußballjugendcamps, das der DONAUKURIER mit Lazio Rom in dieser Woche erstmals in Hilpoltstein veranstaltet. Der 37-Jährige hat seine Laufbahn als Spieler in der Jugend von Lazio begonnen und sie dort auch beendet. Ob er den Sprung in den Profikader sportlich geschafft hätte, ist zwar nicht bekannt, stand aber außer Frage: \

Hilpoltstein (reh) Man stelle sich vor, ein Bastian Schweinsteiger hätte beim FC Bayern München den Sprung aus den A-Junioren zu den Profis nicht probiert, weil er gerne im Alter von 19 Jahren Trainer werden wollte. Kaum zu glauben? So geschehen bei Fabrizio Fratini, dem Cheftrainer des Fußballjugendcamps, das der DONAUKURIER mit Lazio Rom in dieser Woche erstmals in Hilpoltstein veranstaltet. Der 37-Jährige hat seine Laufbahn als Spieler in der Jugend von Lazio begonnen und sie dort auch beendet. Ob er den Sprung in den Profikader sportlich geschafft hätte, ist zwar nicht bekannt, stand aber außer Frage: "Mein Traum war es schon immer, Trainer zu sein, auch als ich noch selbst aktiv war", sagte er unserer Zeitung.


Also zog es ihn weg vom zweifachen Italienischen Meister, um im ganzen Land Kinder zu trainieren. Doch ganz vergessen hatte man Fratini in Rom nicht. Sergio Vatta, einer der erfolgreichsten Jugendtrainer der Welt, holte ihn 1999 zurück zu Lazio, wo Fratini unter anderem die U 15 und U 18 betreut. "Das war eine ganz große Ehre für mich." Vatta hatte schon Spieler wie Christian Vieri, Diego Fuser oder Alessandro Nesta hervorgebracht · und das unter der großen Schuldenlast von über 192 Millionen €, die Lazio bis zum Beginn des Jahres durch Missmanagement angehäuft hatte. Kurzzeitig stand der Verein vor dem völligen Zusammenbruch. Monatelang sahen die Lazio-Profis keinen Cent. Auf den Jugendbereich hatte das nach Aussage von Fabrizio Fratini aber keinen Einfluss, alle Gehälter seien pünktlich gezahlt worden, und auch der Trainingsbetrieb lief völlig normal.

Der Verein musste aber seinen Kapitän, das Eigengewächs Alessandro Nesta, an den AC Mailand geradezu verscherbeln, um Geld in die Kassen zu spülen. Dass derart mit den Spielern verfahren wird, die über Jahre im Verein aufgebaut werden, frustriert Fratini aber nicht. "Als Jugendtrainer hat man eine andere Optik", sagt er. "Das Wichtigste ist es, den Nachwuchsspielern eine möglichst gute Ausbildung zu geben · der Verein kommt erst danach." 

Als Beispiel nennt er den 20-jährigen Valerio di Cesare, der beim FC Chelsea in der englischen Premier League spielt und durch Fratinis Schule ging. "Das ist für einen Trainer natürlich eine unglaubliche Befriedigung, einen jungen Mann so weit gebracht zu haben." Di Cesare hat die Trainingsphilosophie von Fratini erfolgreich aufgenommen. "Ich will, dass die Spieler Eigenverantwortung übernehmen und nicht blind irgendwelche Befehle ausführen."

Das bekommen während dem Training die Jugendlichen in Deutschland mit, aber auch die deutschen Kollegen von Fratini. Der gebürtige Römer gibt nur vor, was trainiert wird, die Übungen entwerfen seine Assistenten in Eigenregie. "Dieser Austausch ist eine tolle Erfahrung", sagt er, "da kann sogar ein Trainer wie ich noch einiges dazulernen."

Nicht nur deshalb verteilte er ausschließlich Lob für die Übungsleiter und alle anderen, die an der einen Woche DONAUKURIER-Trainingslager auf dem Gelände des TSV Meckenhausen beteiligt sind. Die 43 Jugendlichen hier seien viel lernwilliger und aufmerksamer als bei den Camps, die Lazio auch in Italien abhält. Dort sucht der Verein aber seinen Nachwuchs für die Jugendteams, in Deutschland geht es ausschließlich um das Image des Vereins. Dem Trainer imponiert, dass sich die deutschen Nachwuchskicker fussballerisch verbessern und nicht nur eine schöne Ferienwoche verbringen wollen. Am meisten beeindrucken ihn aber die Sportanlagen in Deutschland, besonders die in Meckenhausen. "Von so etwas träumen wir in Süditalien nur."

Nach 18 Jahren als Jugendtrainer zieht es Fabrizio Fratini inzwischen immer mehr in den Erwachsenenbereich. Ein Angebot, beim Stadtrivalen AS Rom die U 15 zu übernehmen, hat er deshalb vor wenigen Tagen ausgeschlagen. Stattdessen baut er sich neben seiner Arbeit bei Lazio ein zweites Trainerstandbein bei Foligno Calcio in Umbrien auf. Das hält ihn aber keinesfalls davon ab, auch im nächsten Jahr ein Jugendcamp in der Region zu leiten. "Ich komme jederzeit gerne wieder."

Seht hier nun die vielen und schönen Bilder vom Sportcamp


Christian Rehberger

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