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24.03.2003 20:30 Uhr | x gelesen
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"Musik ist die Luft zum Atmen"


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In Liana Issakadzes Welt haben die Dinge noch ihre alte Ordnung: Die geistigen Werte zählen, das Geld gilt nicht viel, Pflichtbewusstsein und Disziplin tragen ihre wohlverdienten Früchte. Das Umfeld, aus dem sie stammt, ist längst untergegangen, sie selbst scheint sich nie verändert zu haben.


Liana Issakadze
Bis 1995 hat sie das Georgische Kammerorchester Ingolstadt geleitet: Die Geigerin Liana Issakadze. Jetzt gastiert sie im Neuburger Kongregationssaal.
Foto: Michael Schmatloch

Liana Issakadze stammt aus Georgien, ihre zweite Heimat, ihr künstlerischer Nährboden war die Sowjetunion. Schon als Dreijährige komponierte sie am Klavier kleine Stückchen, und als sie mit Sieben den ersten Geigenunterricht bekam, wurde klar: Dieses Mädchen ist ein Wunderkind.

Mit Zehn gab sie in der ganzen Sowjetunion Konzerte, begeisterte Fans schrieben ihr aus Sibirien, dass sie ihre Kinder nach ihr benennen wollten. Der weltberühmte Geiger David Oistrach brachte sie nach Moskau und ermöglichte der Vierzehnjährigen mit einer Ausnahmegenehmigung die Teilnahme am wichtigsten Violinwettbewerb des Landes. Liana siegte, und sie fuhr fort, weltweit zu siegen.

Sie gewann zahllose Preise, Auszeichnungen, wurde Solistin, Kammermusikerin, Dirigentin, sogar Abgeordnete, bekam den Georgischen Staatspreis und gründete zahlreiche Musikfestivals, unter ihnen "Musiker scherzen" in Moskau, "Nachtserenaden" am Schwarzen Meer und "Fest der Kunst" in Borzhomi. "Ich kann für die Musik leben" sagt sie, "nur für die Musik, das reicht mir!" 1981 bekommt die begeisterte Virtuosin ein eigenes Orchester in Tiflis, das sie mit der ihr eigenen Hingabe ins Herz schließt.

Doch die Lage in Georgien verändert sich, Issakadze fürchtet sogar den Bürgerkrieg. Da sie im Ausland gute Beziehungen hat, besonders zu den Kulturmanagern bei Audi, schafft sie es nach langen Verhandlungen, das gesamte Georgische Kammerorchester nach Ingolstadt überzusiedeln.

Seit 1990 trägt sie als dessen Leiterin, Managerin und Arbeitgeberin die ganze Sorge für das Orchester - dafür verlangt sie Disziplin und Professionalität. Aber der Westen, der Wohlstand, die Freiheit verändern die Ansprüche der Musiker, die Meinungen gehen bald auseinander. Es gibt Streit, Ressentiments und nach sieben Jahren trennen sich Orchester und Leiterin. Das hat sie bis heute noch nicht ganz verwunden. "Ich habe viele Fehler gemacht" gesteht sie, "habe mich nie um mich selbst gekümmert, immer nur um das Orchester!".

Mittlerweile hat man ihr in Georgien ein neues, junges Kammerorchester zusammengestellt, mit dem sie jährlich zwei- bis drei Tourneen in Europa unternimmt. Im letzten Jahr war es eine große Pilgerreise durch die europäischen Städte der frühen Christenheit, bis hin nach Jerusalem. Ihre Konzerte führten sie durch England und Frankreich, durch Japan und Italien, Holland und Israel - in Süddeutschland ist sie fast unbekannt.

Früher trat sie zwar auch oft in München auf, doch das ist lange vorbei. Warum? "Ich habe keinen Impressario in Bayern. Schade!" Denn gerade hier habe sie ihre "dritte Heimat" gefunden, fühlt sich wohl und nicht mehr fremd. Umso mehr freut es sie, dass sie jetzt, nach sechs Jahren, wieder einen Auftritt bei den Sommerkonzerten zwischen Donau und Altmühl hat.

Liana Issakadzes Terminkalender ist prallvoll, Konzerte in Russland und Georgien, eine Deutschlandtournee, Festivals in Estland und Frankreich und ein internationaler Violinwettbewerb auf ihren Namen, der die 300-Jahresfeier von St. Petersburg begleiten wird. "Mein Gott, wie kann ich das schaffen", stöhnt sie, winkt aber dann ab und lacht.

Als tief religiöser Mensch dankt sie Gott für das Geschenk ihres Talentes und ihres Erfolgs. "Die Musik, das ist für mich die Luft zum Atmen!"

Liana Issakadze, Geige, und Edoardo Maria Strabbioli, Klavier. Werke von Prokofieff, Franck und Schumann/Kreisler. Kongregationssaal Neuburg, 25. Juni, 20 Uhr. 


Katalin Fischer

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