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26.08.2003 20:21 Uhr | x gelesen
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Im Stammland der Wittelsbacher


Tausende von Gläubigen werden am 14. September wieder im Innenhof des Benediktinerklosters in Scheyern zusammenströmen, um das Fest der Kreuzerhöhung zu feiern. Das Kloster Scheyern beherbergt die größte Kreuzreliquie auf deutschem Boden: Die sechs Holzteile, die einer Urkunde zufolge vom Kreuz Jesu stammen, gelangten im Jahr 1180 als Geschenk in das Kloster und werden heute in einer kostbar geschmückten Monstranz aufbewahrt und zwei Mal im Jahr an den Kreuztagen am 1. Sonntag im Mai sowie am Sonntag vor oder nach dem 14. September von zahlreichen Wallfahren verehrt. Doch nicht nur das Kloster ist einen Besuch wert. Auch der naheliegende Forst mit seinen abwechslungsreichen Mischwäldern zieht Tag für Tag Spaziergänger, Jogger und Radfahrer an.


Wer hier entlanggeht, bewegt sich auf geschichtsträchtigem Boden: "Scheyern: Das ist altbaierisches Wittelsbacher Kernland, terra benedictina unter weißblauem Himmel", schreibt Werner Vitzthum in seiner historischen Abhandlung über "Scheyern - Benediktinisches Land im Schutze des Heiligen Kreuzes". Die Wittelsbacher, die über 700 Jahre die Geschichte Bayerns mitbestimmten, sind Nachkommen des Grafen von Scheyern. Anfang des 12. Jahrhunderts zogen sie von Scheyern in die nahe bei Aichach gelegene Burg Wittelsbach und nahmen deren Namen an. Mit dem Umzug schenkte die fürstliche Familie ihre Stammburg in Scheyern dem Benediktinerorden.

Wenn man Kloster und Forst erkunden möchte, bietet es sich an, auf den Parkplätzen gegenüber der Klosteranlage zu parken. Von hier geht es an der Klosterschänke vorbei die Straße leicht bergab. Nach wenigen Metern taucht das imposante Gebäude der ehemaligen Klosterbrauerei auf. Ein nüchternes, weißes Metallschild mit der Aufschrift "Klosterbrauerei Scheyern seit 1119" erinnert an die jahrhundertelange Bierbrautradition der Mönche. Zur Rechten führt ein Torgang durch den Südflügel der Klosteranlage in den Innenhof. In den umliegenden Gebäuden sind heute Forstverwaltung und Berufsoberschule untergebracht. Noch vor über hundert Jahren war die damals freistehende Klosteranlage auf der Anhöhe von weither zu sehen. Heute ist das Kloster eingewachsen, nur der wuchtige Kirchturm, bauliches Wahrzeichen von Scheyern, überragt die Baumwipfel. Lässt der Wanderer das Kloster zur Rechten liegen und überquert die Straße (dem Schild Tennisplatz folgend), kann er nach wenigen Metern den bewaldeten Hang auf einem Schotterweg unter zahlreichen hochgewachsenen Linden, Buchen und Kastanien hinabgehen. Unten am Waldsaum lädt eine Holzbank zum Verweilen ein: Der Blick schweift über die schon vor Jahrhunderten angelegten Fischweiher, gegenüber blickt zwischen Obstbäumen die Vierseitenanlage des Klostergutes Prielhof (errichtet im 18. und 19. Jahrhundert) hervor. Geht man auf das Gut zu, bietet sich nach dem ersten Weiher ein kleiner Abstecher nach links an, wo in einem der Weiher die seltene Wassernuss gerade in der Herbstzeit ein farbenprächtiges Bild liefert: Die Blätter der bis vor ein paar Jahren ganz aus Bayern verschwundenen Wasserpflanze verfärben sich ab September in eine sattes Weinrot. Nachdem in Scheyern gezielte Schutz- und Pflegemaßnahmen durchgeführt wurden, hat sich diese empfindliche Teichpflanze wieder angesiedelt und bedeckt heuer schon fast die gesamte Wasseroberfläche. Zurück Richtung Klostergut, informieren mehrere Schautafeln über den Forschungsverbund Agrarökosysteme München (FAM), der seit 13 Jahren einen Teil der landwirtschaftlichen Flächen nutzt. Bis 1990 hatten die Mönche die Landwirtschaft noch selber betrieben: Zuletzt gaben sie die Schweinehaltung und den Hopfenanbau auf. Derzeit stehen die barocken, denkmalgeschützten Stallgewölbe leer. Folgt man dem Weg geradeaus den Hügel hoch, sieht man zur Rechten eine moderne Art der Viehhaltung - bayerisches Fleckvieh und Pinzgauer werden hier in offenen Ställen mit Außenfütterung gehalten. Weiter geht es den sanft geschwungen Weg auf die Anhöhe hinauf. Am Wegesrand erinnern Informationstafeln und Messstationen an die Forschungsarbeitet des FAM-Institutes. Aber auch für das Auge des Wanderers hat der Weg einiges zu bieten: Schlehen und Holunder säumen den Weg auf der einen Seite, hochgewachsene Pappeln bilden auf der anderen Seite eine markante Linie. Für die ganz kleinen Wanderer gibt es hier am Wegesrand einiges zu entdecken - vor allem am frühen Abend, wenn sich Fasane und Hasen auf den Wiesen und Feldern tummeln. Bevor der Weg nach rund 1,5 Kilometern im Wald verschwindet, lohnt sich ein Blick zurück nach Scheyern und auf die angrenzenden Wiesenhänge, die mit ihren Mulden und sanften Hügeln so charakteristisch sind für die in der Eiszeit gestalteten Landschaft. Das gesamte Gelände gehört zum Wuchsgebiet des tertiären oberbayerischen Hügellandes. Nach rund 200 Metern durch den Wald führt der Weg am Waldrand weiter. Zur Rechten geben die Felder nun den Blick auf die naheliegende Ortschaft Winden frei. Wer einen freien Blick vorzieht, kann noch rund einen Kilometer auf dem Hügelrücken weiter geradeaus gehen, wer dem hier vorgeschlagenen - etwa acht Kilometer langen - Rundweg folgen will, biegt nach rund 300 Metern (links steht eine Bank) scharf nach links ab. Der Weg führt nun durch lichten Mischwald und nach einigen Schritten zeigt sich, dass die Gegend auch vor den Grafen von Scheyern besiedelt war: Zwei keltische Hügelgräber liegen links im Halbschatten des Waldes. Nächstes Ziel soll deshalb auch die im Forst versteckt liegende Keltenschanze sein. Der Weg dorthin führt weiter geradeaus bis zur nächsten Kreuzung. Links geht es hier direkt zu den Klosterweihern zurück, der Weg zur Keltenschanze führt nach rechts - den Hang hinab.

Der Scheyerer Forst ist durchfurcht von zahlreichen Talmulden. Werner Vitzthum weiß zu berichten, dass der dichte, unwegsame Forst vor allem während des 30-jährigen Krieges, Mensch und Vieh Schutz bot. Und auch heute noch macht es der Forst mit seinen kurvigen Wegen und vielen Mulden dem Wanderer nicht leicht, die Orientierung zu behalten. Vorbei an einigen monotonen Fichtenschlägen geht es dann auch in einer langgezogenen Linkskurve in einen sumpfigen Taleinschnitt. Nach einer scharfen Rechtskurve geht es den ersten Weg links, einige hundert Meter weiter am Querweg wieder rechts. Wo heute der Forstweg verläuft, befand sich früher die Jetzendorfer Straße - der Verbindungsweg zwischen Scheyern und Jetzendorf. Nun ist es nicht mehr weit bis zur Keltenschanze. Links vom Weg informiert eine Schautafel über die historische Anlage, von der sich heute noch die rechteckigen Randwälle erahnen lassen. Zurück geht es wieder den gleichen Weg - immer geradeaus. Nach rund einem Kilometer führt die alte Jetzendorfer Straße aus dem Wald hinaus Richtung Fernhag. Hier laden eine Holzbank und ein Tisch unter einem Feldkreuz zur Rast ein. Von Fernhag geht es auf dem Höhenrücken den Fuß- und Radweg zurück nach Scheyern. Lohnend ist ein kurzer Zwischenstopp: Rechts ist der Kirchturm der Immünsterer Basilika zu sehen, zur Linken liegen Klostergut und Weiher im Tal. In Scheyern geht es an der Hauptstraße nach links zum Kloster zurück. Elisabeth Arndt




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