Donnerstag, 17. Januar 2019
 

 

19.08.2003 20:00 Uhr | x gelesen
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Pedaltreten für Körper, Geist und Seele


Bild: Pedaltreten für Körper, Geist und Seele .  Riedenburg (DK) Radfreaks mögen über die sportlichen Herausforderungen der Altmühlregion indigniert die Nase rümpfen. In Bezug auf die herrlichen Landschaftsbilder jedoch ist die Tälertour kaum zu schlagen.

Riedenburg (DK) Radfreaks mögen über die sportlichen Herausforderungen der Altmühlregion indigniert die Nase rümpfen. In Bezug auf die herrlichen Landschaftsbilder jedoch ist die Tälertour kaum zu schlagen.


Riedenburg 01
Schussfahrt ohne Kraftanstrengung: Auf der Sommerrodelbahn im Riedenburger Stadtteil Haidhof stehen Spaß und Erholung im Mittelpunkt.
Fotos: Erl

Weite Strecken verlaufen in den schönsten Abschnitten des Schambach- und des Altmühltals mit seinen zahlreichen Schlössern, Burgen und Ruinen. Eckpunkte der gemütlichen Halbtagsstrecke sind Riedenburg, Altmannstein und Deising, dazu die notwendige Querverbindung über die Jurahöhen.

Wir stellen den Altmühleingang an den Beginn unserer Tour und wählen den Einstieg in den Rundweg von Deising ab. Der Weg führt vorbei an Altmühlmünster und durch schattige Waldhänge etwa 105 Höhenmeter gemächlich auf einen Kilometer bergan zum einstigen Templerritter-Gutshof nach Laubhof.

Halbwegs trainierte Pedalritter schaffen den Anstieg am Stück, der Juraanstieg ist die einzig nennenswerte Steigung der Rundtour. Gut neun Kilometer führt die Strecke weiter durch Thann, an Schafshill vorbei und wieder hinunter ins Schambachtal nach Neuenhinzenhausen.

Die Strecke über die Hochebene ist wellig bis hügelig und verlangt zuweilen etwas Durchhaltewillen. Endlose Felder und dunkelschattige Walddurchfahrten prägen die Landschaft. Unbequem ist nur, dass sich Radfahrer und Autolenker die spärlich befahrene Teerstraße teilen müssen. Die Talfahrt hinunter ins Schambachtal sollte gemächlich angegangen werden; weniger aus Angst vor dem Gefälle als vielmehr wegen der unübersichtlichen Kurvenführung.

In Neuenhinzenhausen verläuft schon wieder der sichere Radweg, und nur ein paar Pedaltritte weiter führt der Weg deutlich ausgeschildert durch Altmannstein. Das Freibad mit netter Kinderrutsche und großzügiger Liegewiese liegt keine 200 Meter vom Streckenverlauf entfernt, und selbst die alte Burgruine über dem Ort ist ohne große Umwege erreichbar. Die engen Gassen des historischen Marktes werden vom Radweg ausgespart, dafür führt er gut ausgeschildert an den Hinterhöfen vorbei.

Bald nach den letzten Häusern wechselt der Radlpfad auf den umfunktionierten Bahndamm der einstigen Zugverbindung von Ingolstadt nach Riedenburg. Einige Meter Bahngleise sind davon noch übrig geblieben. Auf dem brettebenen Bahndamm laufen die Räder bis Riedenburg fast von alleine. Zeit genug, um die steilen Felswände, Trockenrasenhänge und Hopfengärten beidseits der mäandrierenden Schambach in sich aufzusaugen.

Die nächste Rast sollte in Hexenagger eingeplant werden: Ein Hinweisschild weist zur historischen Hammerschmiede. Voranmeldung ist nicht notwendig, der Schmied hört auf die "Schmiedeglocke" an der Hauswand und steht zu fast allen Tageszeiten als kundiger Führer bereit. Vor den Augen der Besucher setzt er das alte Wasserrad in Bewegung und schmiedet in der frisch entfachten Glut der Esse einen "Glücksnagel". "Wer den gewinnt, braucht nie wieder zur Schule gehen und hat immer sechs Richtige beim Lottospiel", verbürgt er sich.

Riedenburg 02
Funken sprühen in der historischen Hammerschmiede in Hexenagger (Gemeinde Altmannstein).

Nach weiteren fünf Kilometern erreichen die Drahteselreiter Riedenburg. Zur Erfrischung empfiehlt sich ein Barfußrundgang in der Wassertretanlage, bevor hundert Meter weiter der Radlertreff "Fuchsgarten" zur ausgiebigen Rast lockt. Besondere Kinderattraktionen sind der großzügige Spielplatz und etliche Streicheltiere wie Ziegen, Esel, Pony und Schweinchen.

Nach Überquerung der Ortszufahrt (Vorsicht, reger Verkehr!) führt der Radweg am Stadtweiher entlang und dem Ufer des Main-Donau-Kanals folgend - unter den Fenstern der DK-Lokalredaktion vorbei - ins Altmühltal. Einige Treppen im Uferbereich führen zu den "Schokoladenseiten" Riedenburgs in die Uferzeile und zu wunderbaren frostigen Eisschleckereien.

Die Strecke führt weiter zur Schleuse Haidhof mit seinen gigantischen Schiffshebungen. Leider weist dort das Radwege-Hinweisschild nach rechts auf die gegenüberliegende Uferstrecke. Diese Hinweistafel sollte man missachten und am Schleusengebäude vorbei auf der bisherigen Uferseite geradeaus weiterfahren. Nur so gelangt man zum herrlich gelegenen Badesee St. Agatha und kann die Chance nutzen, zumindest die Füße im Wasser baumeln zu lassen.

Hinter einem kleinen Wäldchen versteckt wurde zudem erst vor wenigen Jahren eine Sommerrodelbahn in Betrieb genommen, die während der ganzen Sommer- und Herbstsaison in Betrieb ist. Für Kinder bietet die Anlage wenige Kilometer vor dem Ende des Rundkurses eine wunderbare Gelegenheit, sich für die bisherigen Anstrengungen "belohnen" zu lassen. Gut sieben Kilometer sind von hier aus in einem der schönsten Streckenabschnitte des Altmühltals noch zu schaffen, bis der Ausgangspunkt des Rundweges in Deising wieder erreicht ist.

Wer allerdings eine Schiffsfahrt ab Riedenburg auf dem Main-Donau-Kanal der Fahrradstrecke bis nach Untereggersberg vorzieht, kann sein Fahrrad auf eines der Linienschiffe der "Weißen Flotte" mitnehmen. Die Schiffslände befindet sich bei der Stabbogenbrücke, der Radweg führt unmittelbar daran vorbei. In Untereggersberg sollte man allerdings von Bord gehen und sich die wenigen Kilometer bis Deising kanalaufwärts abermals in den Fahrradsattel schwingen, da der Kapitän die nächste Haltestelle erst wieder in Dietfurt anläuft. 


Lorenz Erl

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