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12.08.2003 20:11 Uhr | x gelesen
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Freies Schussfeld für das Militär ließ einen großen Bürgerpark entstehen


Bild: Freies Schussfeld für das Militär ließ einen großen Bürgerpark entstehen.  Ingolstadt (DK) Für einen Spaziergang oder eine Wanderung im Stadtgebiet von Ingolstadt bietet sich das so genannte Glacis geradezu an. Dieser Grüngürtel um die Altstadt entstand im Zuge des Ausbaus der Stadt als bayerische Landesfestung im 19. Jahrhundert. Der Platz vor den Festungswällen, Wasserläufen, Kavalieren und Reduits sollte freigehalten werden, um ungehindertes Schussfeld zu haben.

Ingolstadt (DK) Für einen Spaziergang oder eine Wanderung im Stadtgebiet von Ingolstadt bietet sich das so genannte Glacis geradezu an. Dieser Grüngürtel um die Altstadt entstand im Zuge des Ausbaus der Stadt als bayerische Landesfestung im 19. Jahrhundert. Der Platz vor den Festungswällen, Wasserläufen, Kavalieren und Reduits sollte freigehalten werden, um ungehindertes Schussfeld zu haben.


In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts änderte sich jedoch die Verteidigungstechnik. Bäume und Büsche wurden gezielt angepflanzt, um die Geschütze zu verbergen. Das Glacis konnte schließlich auch von der Bevölkerung betreten werden und gewann zunehmende Bedeutung für die Naherholung der Stadtbewohner.

Wir beginnen unsere kleine Wanderung am Reduit Tilly, das ebenso wie der Turm Triva im Zuge der Landesgartenschau 1992 wieder hergerichtet wurde. Das Reduit, ein klassizistischer Festungsbau Leo von Klenzes, dient heute dem Bayerischen Armeemuseum als Ausstellungsraum. Wir schlendern entlang der Infanteriemauer und der Donau über den Klenzepark, bis wir auf den Turm Triva stoßen. Der schmale Weg zwischen dem historischen Festungsbauwerk und den Eisenbahnschienen vermittelt einen guten Eindruck davon, wie das Gelände noch vor 20 Jahren ausgesehen hat. In einem Rundbogen geht es weitläufig um den Turm Triva herum. Unser Weg verläuft zwischen Reithalle und Exerzierhaus, von wo aus wir zur Donau marschieren.

Auf dem Donausteg überqueren wir den Fluss, wandern ein kurzes Stück entlang der Donau Richtung Westen, bis wir uns nach der kleinen Fußgängerunterführung vor dem Stadttheater befinden. Es geht die Schutterstraße und ein kurzes Stück der Mauthstraße entlang, bevor wir nach rechts in die Hallstraße einbiegen. Rechter Hand erblicken wir den Herzogskasten, der heute die Stadtbücherei beherbergt, und links die ehemalige Kurfürstliche Reitschule, in der sich heute die Volkshochschule befindet. Ein kurzes Stück noch geradeaus durch die Reiterkasernstraße, und schon sind wir am Paradeplatz, an dem sich der Eingang zum Schloss befindet, worin das Bayerische Armeemuseum untergebracht ist.

Unser Weg führt uns noch ein kurzes Stück geradeaus, ehe wir an der Esplanade links abbiegen. An der Fachhochschule und am Alf-Lechner-Museum vorbei, halten wir uns rechts und gelangen so auf die Heydeckstraße. Wir durchqueren das gleichnamige Kavalier und stoßen kurz vor der Östlichen Ringstraße linker Hand auf einen Gehweg, der uns mitten durch die Grünanlagen führt. Hier beginnt der eigentliche Weg durch das Glacis.

Durch Bäume und Büsche vom hektischen Verkehr auf den Ringstraßen abgeschirmt, erlebt der Wanderer und Spaziergänger praktisch mitten in der Stadt ein Stück Natur. Wir überqueren die Rechbergstraße, schauen uns aus einiger Entfernung das Kavalier Elbracht an, gehen über die viel befahrene Harderstraße und gelangen so zum so genannten Hetschenweiher, wo sich auch ein Spielplatz befindet. Die nächste Station ist das Kavalier Hepp, ein weiterer Teil des ehemaligen Festungsrings um Ingolstadt, wo heute Stadtmuseum und Archiv untergebracht sind. Unser weiterer Weg führt uns über die Von-der-Tann-Straße weiter durch das Glacis entlang der Bezirkssportanlage Mitte.

Wenn wir die Friedhofstraße überquert haben, was wir nicht tun sollten, ohne einen Blick auf Kreuztor und Münster zu werfen, beginnt der schönste Teil unserer Wanderung durch den bis zu 300 Meter breiten Grüngürtel rund um Ingolstadt. Schon nach kurzer Zeit sehen wir die Schutter, die den Künettegraben speist. Dieses stille Gewässer bildete einen Teil der Festungsanlagen und ist heute eine Oase für die Stadtbewohner.

Am Ende des Künettegrabens stehen wir vor der Glacisbrücke, die wir auf den manchmal etwas schwankenden Geh- und Radwegen überqueren. Wir befinden uns wieder auf der Südseite der Donau im Luitpoldpark, einem weiteren zentral gelegenen Naherholungsgebiet. Wem es nach dem etwa sieben Kilometer langen Weg schon reicht, der sollte sich donauabwärts auf der Parkstraße halten, bis er wieder auf das Reduit Tilly stößt.

Der Rundkurs durch das Glacis bietet einige reizvolle Aspekte. Da sind zum einen die Festungsbauten, die den Weg des Wanderers säumen, oder die Museen, die direkt an der Strecke liegen. Erwähnt wurden schon das Armeemuseum, das Alf-Lechner-Museum oder das Stadtmuseum. Das Museum für Konkrete Kunst an der Tränktorstraße ist ebenfalls einen Besuch wert. Wer kunstgeschichtlich interessiert ist, sollte einen Abstecher in die Altstadt machen: Münster oder Asamkirche lohnen immer einen Besuch.

Auf dem Weg durch das Glacis wird der Wanderer auf mehrere Kunstwerke stoßen. Vor allem der Skulpturengarten des Museums für Konkrete Kunst bietet einige Möglichkeiten, sich mit dieser Kunstform auseinander zu setzen. Doch auch im Klenzepark sowie im Skulpturengarten im westlichen Teil der Glacis findet man eine ganze Anzahl von Kunstwerken in freier Natur.

Schließlich ist der Rundkurs um die Altstadt auch von naturkundlichem Interesse. Der Obstgarten am Schloss, Schilf und Röhricht am Hetschenweiher, der Magerrasen an der Bahnlinie, die spezifische Flora und Fauna der alten Festungsbauten oder auch die kultivierten Parklandschaften bilden jeweils ganz unterschiedliche Lebensräume. Über weite Strecken folgen wir übrigens bei unserer Wanderung dem ausgeschilderten Biotoperlebnispfad der Stadt Ingolstadt, der · neben vielen anderen Karten und Führern · beim Fremdenverkehrsamt der Stadt Ingolstadt im Alten Rathaus (Rathausplatz) erhältlich ist.

Von unserem Redaktionsmitglied Bernhard Pehl


Donaukurier

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