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05.08.2003 19:00 Uhr | x gelesen
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Radeln auf den Spuren von Sisi


Bild: Radeln auf den Spuren von Sisi.  Aichach (DK) Wer auf den Spuren der österreichischen Kaiserin Sisi wandeln will, muss nach Wien. Falsch! Herzog Max in Bayern, Sisis Vater, besaß in der Gegend um Aichach mehrere Herrenhäuser, in denen er seine Sommerfrische verbrachte. Mit dabei war, man kann es erraten, Sisi, seine Tochter, damals noch keine zwölf Lenze jung. Unsere gemütliche Radtour über 20 Kilometer führt rund um Aichach an lauschige Plätze, an denen Herzog Max und seine Familie die warme Jahreszeit genossen.

Aichach (DK) Wer auf den Spuren der österreichischen Kaiserin Sisi wandeln will, muss nach Wien. Falsch! Herzog Max in Bayern, Sisis Vater, besaß in der Gegend um Aichach mehrere Herrenhäuser, in denen er seine Sommerfrische verbrachte. Mit dabei war, man kann es erraten, Sisi, seine Tochter, damals noch keine zwölf Lenze jung. Unsere gemütliche Radtour über 20 Kilometer führt rund um Aichach an lauschige Plätze, an denen Herzog Max und seine Familie die warme Jahreszeit genossen.


Nicht erst der volkstümliche Maxl entdeckte die idyllischen Fleckerl für sich. Schon die Vorfahren der Wittelsbacher, die Grafen von Scheyern, siedelten im Stadtbereich Aichachs. Damit kann man die Kreisstadt quasi als "Wiege Bayerns" bezeichnen, regierten die Wittelsbacher doch 738 Jahre lang Bayern als Herzöge, Kurfürsten und Könige.

Die wichtigste Sehenswürdigkeit unserer Radltour ist das Wasserschlösschen Unterwittelsbach. Es liegt ganz idyllisch von einem Weiher umgeben im Schlosspark, hinter Bäumen versteckt. 1838 erstand Herzog Max das prächtige Herrenhaus in den Stilen der Gotik und Renaissance und ließ es erweitern und renovieren. Die Orientsäule vor dem Eingang erinnert an die Reiselust des Herzogs. Direkt neben dem Schlösschen befindet sich eine Kapelle, die mit Fenstern von Heinrich von Mayer und Bildern von Schwanthaler verziert ist. In Unterwittelsbach soll Max im Dorfwirtshaus für die Bauern Zither gespielt haben, während die kleine Sisi mit dem Hut Geld einsammelte. Doch Unterwittelsbach steht auch für dunkle Stunden im Leben seines Besitzers: 1888 fiel bei der Abendtafel ein Freund des Herzogs vom Schlag getroffen tot zu Boden. Am nächsten Tag reiste Max ab. Er kam nie wieder zurück.

Vom Aichacher Bahnhof sind es nur vier Kilometer bis zum Unterwittelsbacher Schloss: An der BayWa vorbei geht es rechts in die Donauwörther Straße, nach 400 Metern links in die Flurstraße. Nach 1,9 Kilometern führt die Straße rechts über die Brücke nach Unterwittelsbach. Links abbiegen, dann führt nach 100 Metern rechts der Klausenweg direkt zum Schloss. Dort ist eine Ausstellung mit dem Thema "Kaiserin Elisabeth: Stationen eines ruhelosen Lebens" zu sehen. Vom Wasserschlösschen geht es dann nach Oberwittelsbach. Gut beschildert ist der Weg zum Wittelsbacher Burgberg mit Sühnekirche und Nationaldenkmal. 1133 ließ Graf Otto IV. von Scheyern dort eine Festung errichten, in der auch Kaiser Barbarossa genächtigt haben soll. Da aber ein späterer Besitzer der Burg einen Königsmord beging, wurde sie im Hochmittelalter geschleift. Der Sage nach wurde die Sühnekirche aus den Steinen der zerstörten Festung errichtet.

Sollten die kleinen Radfahrer der Kultur nun überdrüssig sein, können sie sich auf dem Kinderspielplatz am Maibaum austoben, bevor es aufgeht zur nächsten Etappe: Rapperzell. Dort steht das Jagdschlösschen von Herzog Max, in dem er seine Abende mit der geliebten Männerrunde bei Bier und Gesang verbrachte. Von der Sühnekirche geradeaus führt 50 Meter nach der Kreuzung links die teilweise befestigte Wöresbacher Straße durch Wiesen und Wald bergab nach Rapperzell. An einem von Bäumen beschatteten Rastplatz am Weg kann man gemütlich seine mitgebrachte Brotzeit verspeisen.

Im Ort gabelt sich die Straße. Die Markusstraße (rechts) verläuft in Kurven durch das verschlafene Dörfchen, vorbei an einem Gasthof, bis kurz vor dem Ortsausgang die Schlossstraße links zum Jagdschloss von Sisis Vater führt. Es liegt nach 300 Metern auf der linken Seite, von hohen Bäumen fast verdeckt. Das Schloss ist heute im Privatbesitz der Familie von Beck-Peccoz und kann nicht von innen besichtigt werden. Zurück an der Hauptstraße, folgt man ihr rechts, am Feuerwehrhaus vorbei, bergauf nach Kühbach. Dort der Vorfahrtsstraße nach und links in die Schrobenhausener Straße immer geradeaus, dann taucht 100 Meter nach dem kleinen Dorfplatz auf der rechten Seite das größte der Schlösser, das Kühbacher, auf. 1839 erwarb Herzog Max das ehemalige Benediktinerinnenkloster und verkaufte es 23 Jahre später an den Freiherrn von Beck-Peccoz, dessen Familie heute noch Eigentümerin des Anwesens ist. Die beiden bronzenen Steinböcke, die das imposante Eingangsportal zieren, erinnern an das Wappentier dieses Adelsgeschlechts aus dem Aostatal. Zum Schloss gehört auch eine Brauerei, zu der Herzog Max 1842 den Grundstein legte. Probiert werden kann das Kühbacher Bier im schattigen Biergarten im Schlosspark. Um zurück nach Aichach zu kommen, braucht man nun nur noch der Straße geradeaus folgen. Parallel zur B 300 verläuft dann ein Radweg nach Aichach. Wer müde ist, fährt ab dem Kreisverkehr der Schrobenhausener Straße nach, an der Ampel links in die Donauwörther Straße und vor dem Bahnübergang links zum Bahnhof. Übrigens: Es lohnt sich ein Besuch des Wittelsbacher-Museums in Aichach, das direkt im historischen Stadtkern liegt.

Susanne Klaiber

 


Donaukurier

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