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15.07.2003 17:52 Uhr | x gelesen
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Vom "grünen Kloster" in den "Urwald von morgen"


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Biberbach (DK) Was ist nun so "grün" am Kloster Plankstetten? Die Mauern sind es nicht, die leuchten bei Sonnenschein in klösterlichem Beige weit übers Sulztal hinaus. Aber rund herum um die Mauern, da laden grüne Landschaften, blühende Wiesen und reiche Wälder ein in das wohl naturnahste Kloster vielleicht im ganzen deutschsprachigen Raum. Ökologie spielt auch innerhalb der dicken Klostermauern eine wichtige Rolle. Den bewussten Umgang mit der Natur haben sich die Patres und Fratres auf ihre Fahnen geschrieben. Autark versorgen sie sich mit den Produkten, die die Natur ihnen in unmittelbarer Nähe bietet, alles in direkter Nachfolge des Heiligen Benedikt. Die Abtei ist weltoffen.


Das Getreide, das Frater Richard in der klostereigenen Bäckerei zu schmackhaften Broten verarbeitet, stammt von den umliegenden Feldern, in der Metzgerei werden Rinder und Schweine vom Klostergut Staudenhof geschlachtet. Sauerkrautbrot und Brennnesselbaguette, frisches Lamm und saftige Tomaten · alles strengen Ökokontrollen unterzogen · lassen das Kloster auch für Feinschmecker zu einem lukullischen Paradies werden. So mancher schwärmt noch lange von einer Brotzeit in der Klosterschenke oder im Biergarten. Besonders nach einer Klosterführung munden die Gerichte der regionalen Speisekarte. Denn wer sich für die Geschichte des Klosters interessiert, der sollte gut zu Fuß sein. Es ist nicht immer leicht, Pater Benedikt, der im Wechsel mit anderen Patres die Führungen durchführt, bei seinem dreiviertelstündigen Rundgang über die Klosteranlage auf den Fersen zu bleiben. Der agile, bereits über 80-jährige Pater kennt "sein" Kloster wie kaum ein anderer. Bereitwillig lässt er Besucher teilhaben an seinem Wissen über die Geschichte des 1129 gegründeten Klosters.

Vor einem anschließenden Spaziergang kann man sich mit Proviant aus dem Klosterhofladen eindecken. Auf 140 Quadratmetern bietet der Laden ein einmaliges Angebot an Lebensmitteln, die auf biologischer Basis erzeugt wurden.

Beim Kloster Plankstetten befindet sich ein großer Parkplatz, auf dem das Auto kostenlos abgestellt werden kann. Von dort aus bieten sich zwei "Rundgänge" an: ins erst kürzlich ausgewiesene Naturschutzreservat Mittelberg bei Biberbach und ins "Krutzerloch" mit Abstecher nach Eglasmühle und Rückmarsch am Main-Donau Kanal entlang.

Der Weg zum Naturwaldreservat: Auf der wenig befahrenen Ortsverbindungsstraße lässt sich die etwa einen Kilometer lange Strecke von Plankstetten nach Biberbach bequem zu Fuß zurücklegen. Von besonderem Interesse in dem kleinen Beilngrieser Ortsteil ist die Wehrkirche St. Michael aus dem 15. Jahrhundert, deren Friedhof mit einer etwa vier Meter hohen Ringmauer umgeben ist. Fast gegenüber der Kirche führt ein Weg in südwestlicher Richtung in den Achstertalgraben. Folgt man dabei dem Wanderweg Nr. 37 etwa einen Kilometer, gelangt man zum Naturwaldreservat Mittelberg im Staatswald, das erst Mitte Mai dieses Jahres ausgewiesen wurde. Konnten die Besucher im Kloster ein Leben aus den Ursprüngen genießen, so geht es auch im Naturwaldreservat Mittelberg zurück zu den Wurzeln der Natur. Über Stock und Stein, quer liegendes Totholz und Geäst müssen die Besucher steigen, wenn sie den "Urwald von morgen" hautnah erleben wollen. Denn mit dem 154. bayerischen Naturwaldreservat wurde ein Gebiet ausgewiesen, in dem jeder die Entwicklung der Natur ohne Einwirkung des Menschen beobachten kann. Und zu sehen gibt es genug in diesem 140 Hektar umfassenden Stück unberührter Natur. Mit etwas Glück lassen sich Tiere wie der Feuersalamander, ein Grauspecht oder eine Eisenhuthöckereule beobachten. Die Pflanzenwelt reicht vom Neunblättrigen Zahnwurz über die Zweifarbige Brombeere bis zur Herkuleskeule. Nicht zu vergessen sind die bis zu 140 Jahre alten "Baum-Methusalems". In dieser Landschaft, vielfältiger wie ein Abenteuerspielplatz, sorgt die Natur selbst für das Animationsprogramm. Klettern, Käfer beobachten und Vogelstimmen lauschen · wo ist das besser möglich als in der Einsamkeit des Waldes? Ein optimales Ausflugsziel auch für Kinder, wennn sie nicht gerade ihre Sonntagskleidung tragen. Denn hier können sie vieles in der Natur und von der Natur lernen. Warum ist ein Totholz eigentlich gar nicht tot? Was ist ein Naturwaldreservat? Interessantes rund um die Tier- und Pflanzenwelt bieten Informationstafeln auf dem Areal. So wie hier muss es wohl vor Hunderten von Jahren ausgesehen haben, als es noch keine forstwirtschaftliche Nutzung des Waldes gab, als vom Sturm geknickte Bäume nicht sofort zu Brennholz verarbeitet wurden, sondern Lebensgrundlage bildeten für viele Tierarten. Auf einem 4,1 Kilometer langen Rundwanderweg um den Waldkomplex können Besucher das Reservat gemütlich umwandern. Jedoch sollte man dabei auf ein ausreichendes Profil achten, denn der ausgebaute Forstweg wechselt zwischen unebenem Schotterweg und Waldboden, der besonders nach Regentagen etwas morastig sein kann.

Nach dieser "urigen" Exkursion kehrt man zum Parkplatz bei der Abtei zurück. Die zweite Wanderroute beginnt am Kloster. Man marschiert den "Eglasmühler Weg" (Wanderweg Nr. 3) rund 250 Meter in Richtung Eglasmühle, noch in der Ortschaft Plankstetten biegt der Wanderweg bei einer kleinen Wegkapelle nach links ab (Richtung historisches Berching). Auf einer Schotterstraße erreicht der Wanderer nach weiteren zirka 500 Metern das "Krutzerloch", eine mit einer Feuerstätte versehene Höhle. Sie verdankt ihre Entstehung Grabungen während der Regierung des Fürstbischofs Johann Anton I. (1705·1725), da man nach edlen Metallen suchte, aber statt Silber nur Schwefelkies fand. Laut Aufzeichnungen im Diözesanarchiv geht der Stollen 45 Schritte in den Berg hinein. Man sagt, es soll dort in alten Zeiten ein Klausner gehaust haben. Die Mitnahme einer Taschenlampe ist zu empfehlen. Der Wanderweg Nr. 3, der in einen geschotterten, später mit Betonsteinen befestigten Weg mündet, führt weiter in die reizvolle Ortschaft Eglasmühle. Markanter Punkt ist dort die moderne Kanalbrücke, vor der man rechts in den Geh- und Radweg einbiegt und entlang dem Main-Donau-Kanal wunderbar zurück nach Plankstetten marschieren kann. Nach dem Aufstieg zur Plankstettener Brücke ist der Weg zum Parkplatz, wo der fahrbare Untersatz wartet, nicht mehr weit.

Luzia Riedhammer

Die komplette Serie "Sommerausflüge" finden Sie im Internet unter www.donaukurier.de


Donaukurier

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