Sonntag, 16. Dezember 2018
 

 

11.06.2003 18:00 Uhr | x gelesen
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Malerische Strecke an der Altmühl


Bild: Malerische Strecke an der Altmühl .  Der einigermaßen ambitionierte Radler, der seine Scheuklappen aufgesetzt hat, schafft die 38 Kilometer in eineinhalb Stunden. Derjenige aber, der den Blick schweifen und seine Seele baumeln lässt, der nicht zuletzt auch leiblichen Genüssen aufgeschlossen gegenüber steht, der kann auf dem Radlweg von Eichstätt nach Pappenheim (oder umgekehrt) einen ganzen Tag verbummeln. Die malerische Strecke entlang der Altmühl strotzt von kleinen und größeren Attraktionen - fast von einem Überangebot könnte die Rede sein.

Der einigermaßen ambitionierte Radler, der seine Scheuklappen aufgesetzt hat, schafft die 38 Kilometer in eineinhalb Stunden. Derjenige aber, der den Blick schweifen und seine Seele baumeln lässt, der nicht zuletzt auch leiblichen Genüssen aufgeschlossen gegenüber steht, der kann auf dem Radlweg von Eichstätt nach Pappenheim (oder umgekehrt) einen ganzen Tag verbummeln. Die malerische Strecke entlang der Altmühl strotzt von kleinen und größeren Attraktionen - fast von einem Überangebot könnte die Rede sein.


Ausgangspunkt ist der Eichstätter Bahnhof. Wichtig: Zuerst die Streckenfahrpläne der Bahn studieren, um für die Rückfahrt planen zu können. Takte und Anbindungen sind sehr gut. Noch wichtiger: In "Eichstätt-Bahnhof" umsteigen, um mit dem Bummelzug nach "Eichstätt-Stadt" zu kommen. In der Domstadt selbst führt der Weg dann gleich an die Altmühl (neben BayWa) auf die Radstrecke nach Solnhofen und Pappenheim. Wer noch keine rechte Lust aufs Strampeln hat, kann seinen Drahtesel auch im Fahrradverleih in der Herzoggasse stehen lassen (ausgeschildert) und zuerst die wunderschöne Altstadt mit ihren Sehenswürdigkeiten und ihrer Gastronomie genießen. Auch ein Abstecher auf die Willibaldsburg mit Jura-Museum oder zum Fossiliensteinbruch am Blumenberg lohnt. Erste Anlaufstellen sollten in diesem Fall die Tourist-Information am Domplatz oder das Informationszentrum Naturpark Altmühltal in der Notre-Dame sein.

Endlich auf dem Radweg, führt die Strecke entlang am Bootsverleih, dem Freibad auf der anderen Flussseite und dem Übungsplatz des Schäferhundvereins. Fünf Mal gilt es, Altmühl und Nebenarme zu queren, bis Eichstätt langsam aus dem Blickwinkel verschwindet. Achtung: Die Enten, die am Wegesrand vor sich hin schlummern oder über den Asphalt watscheln, denken gar nicht daran, der vorbei rauschenden Radlermeute auszuweichen - die Federviecher sind hier eindeutig die Herren im Haus. Generell kann es zu Stoßzeiten schon mal eng werden auf dem Weg, aber keine Angst, spätestens ab Wasserzell entzerrt sich das Ganze.

Nachdem die Bischofsstadt zurückgelassen worden ist, lockt entweder schon der erste Biergarten (in Wasserzell), oder es geht über Feld und Flur nach Obereichstätt. Wer die riesigen rostigen und geometrischen Objekte dort in der Ortsmitte für Alteisen hält, liegt falsch: Vor kurzem hat sich der bekannte Bildhauer Alf Lechner hier angesiedelt und die längst stillgelegte Eisenhütte zu seinem Refugium und gleichzeitig zu einem Kunstmekka gemacht.

Idyllische Badeanstalt

Immer den Schildern folgend, führt der Weg dann Richtung Breitenfurt: Nach zwei kurzen, gut asphaltierten Kilometern treffen Radler und Bootswanderer an der nächsten Gabelung aufeinander. Den Reiz dieses Fleckens hat schon vor Jahren ein findiger Gastronom erkannt und einen Brotzeitwagen dort etabliert. Entsprechend versorgt, lässt es sich hier im Schatten gut aushalten. Fast so flach wie die bisherigen verlaufen auch die nächsten Kilometer nach Breitenfurt. (Achtung: Immer den Schildern folgen, sonst landet man auf der Straße!). Lediglich kurz vor Ortsanfang warten zwei "Hügel", die es aber durchaus in sich haben. In Breitenfurt selbst residiert das älteste Freibad im Landkreis Eichstätt - was aber keineswegs gegen eine Erfrischung in dieser idyllischen "Badeanstalt" spricht.

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Die Altmühl begleitete die Radler auf ihrem knapp 40 Kilometer langen Weg - wie hier zwischen Obereichstätt und Breitenfurt.

Wieder die Bade- gegen die Radlerhose gewechselt, darf wenige hundert Meter abermals abgestiegen werden - am Burgsteinfelsen, bis vor kurzem ein Eldorado für Kletterer. Seit jeher war es ein "Ah und Oh"-Erlebnis, die Seilschaften in dem riesigen Jurafelsen hängen zu sehen. Leider vorbei - vor wenigen Tagen wurde ein Kletterverbot wegen Steinschlags verhängt. Danach ist Dollnstein schon in Schlagdistanz, und dort gibt es neben einigen liebevoll renovierten Bauten einen der größten "Bootsbahnhöfe" im Altmühltal: Hier ist auch ein einziges Mal an der Strecke so etwas wie "Massen-Tourismus" zu sehen - es wimmelt meist von kunterbunt bewandeten Radlern und in knallorange Rettungswesten gehüllten Paddlern. Von Dollnstein aus führt ein Radweg ins Urdonautal über Rennertshofen nach Ingolstadt (50 Kilometer), wir aber fahren den Altmühltal-Radweg weiter Richtung Hagenacker und Altendorf.

"Reißender Fluss"

An der Hammermühle wird die ansonsten so beschauliche Altmühl zum "reißenden Fluss" - für die Bootswanderer gilt es, ein Gefälle in einer Fahrrinne zu überwinden, was meist mit reichlich "Hallo" vom Ufer aus verfolgt wird. Um danach den Anschluss nach Pappenheim herzustellen, muss einige hundert Meter auf der Straße gefahren werden - in Altendorf geht's gleich rechts weiter nach Solnhofen. Kurz nach Eßlingen sollte der Blick nach oben gerichtet werden: Mit den "Zwölf Aposteln" prangt dort die bekannteste Felsformation im Altmühltal. In Solnhofen selbst ist das Bürgermeister-Müller-Museum erste Adresse: Hier wartet der (gerichtlich erstrittene) Urvogel Archäopteryx auf Bewunderer.

Nur noch fünf Kilometer sind es dann bis zum Ziel unserer Radwanderung: Pappenheim. Schon von Weitem ist das Wahrzeichen des mittelfränkischen Luftkurortes zu erkennen - die mittelalterliche Burg nämlich. Selbige muss aber zuerst erklommen werden. Für diese Anstrengung belohnen eine gruselige Folterkammer, ein Naturkunde- und Jagdmuseum und ein botanischer Garten. Von Pappenheim aus kann schließlich die Rückreise mit dem Zug angetreten werden.

Lesen Sie hierzu auch den Artikel "Tipps rund um den Radwanderweg"


Jürgen Knopp

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