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21.03.2003 17:30 Uhr | x gelesen
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"Ich konnte in dieser Geschichte keinen Mann brauchen"


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Ingolstadt (DK) Mit einer solch zwiespältig-launigen Begrüßung der zahlreich erschienenen Zuhörer war die bekannte Autorin bislang wohl kaum eingeleitet worden: "Ich freue mich, dass Sie sich von dem etwas kitschigen Buch-Titel nicht haben abschrecken lassen!", meinte Literaturtage-Planer Harald Kneitz bei der Vorstellung von Mirjam Pressler in der Marieluise-Fleißer-Bücherei. "Mir gefällt er aber, ich halte ihn für passend", entgegnete die Autorin. Ohne weitere Vorrede las sie aus "Für Isabel war es Liebe".


Mirjam Pressler
Mirjam Pressler las in der Marieluise-Fleißer-Bücherei.
Rössle

Mirjam Pressler ist nicht nur eine der bekanntesten Schöpferinnen deutscher Kinder- und Jugendbuchliteratur, sondern auch als Übersetzerin immens fleißig: Über 150 Titel hat sie bereits aus dem Englischen, dem Niederländischen, dem Afrikaans und dem Hebräischen ins Deutsche gebracht, unter anderem Zeruya Shalevs Roman "Mann und Frau". Dass ihre eigenen Bücher keine "leichte Kost" für ihr junges Publikum darstellen, erklärt sich aus Presslers Biografie: Sie wurde 1940 als uneheliches Kind in Darmstadt geboren und wuchs bei Pflegeeltern auf; ihre jüdischen Eltern lernte sie nie kennen. In ihrer eigenen Lebensbeschreibung weist sie darauf hin, dass sie geschieden ist und drei Töchter alleine groß gezogen hat.

Dass sie sechs Semester an der Akademie für Bildende Künste in Frankfurt am Main studiert hatte, spiegelt sich in ihrem jüngsten Roman, denn die Ich-Erzählerin interessiert sich für "Michelangelo, Raffael und Boticelli und so weiter"; als Kollegiation hatte sie sich mit 17 Jahren für den Leistungskurs Kunst entschieden. Die Handlung des Romans spielt sich fünf Jahre später ab: Während einer Autofahrt von Hamburg nach München zur Geburtstagsfeier der Mutter erzählt Isabel ihrer Freundin Conny aus ihrem Leben: von der Krebserkrankung der Mutter, von ihrer ersten Liebe zu einem Mädchen.

Die Themen Krankheit und Liebe sind dabei kunstvoll miteinander verknüpft. Eine Rahmengeschichte dient dazu, aufgrund zeitlicher Distanz Spannung aus der Geschichte zu nehmen · "die Leser sollen sich nicht pausenlos fragen, ob die Mutter stirbt oder nicht". Ohne Scheu erzählt Mirjam Pressler von Intimitäten zwischen den jungen Frauen unter der Bettdecke · und wenige Sätze später von den dunklen Fantasien, die sich Isabel vom Schicksal der kranken Mutter macht.

"Darf man Jugendlichen so etwas zumuten, muss man es vielleicht sogar?" lautete die erste Frage in der Diskussion. Pressler hat damit keine Probleme: "Jugendliche mit 13, 14, 15 Jahren haben dieselben Gefühle wie Erwachsene". Und es musste eben um Liebe unter Frauen gehen, da die sensibler seien: "Ich konnte in dieser Geschichte einfach keinen Mann brauchen". Das Etikett "Problembücher" mag sie nicht · "das geht mir auf die Nerven". Ein "Sendungsbewusstsein" hat die Autorin nicht: "Ich schreibe die Bücher, die ich selber gerne lesen würde". Der Verkaufserfolg gibt ihr Recht.


Walter Buckl

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