Donnerstag, 17. Januar 2019
 

 

11.05.2003 21:00 Uhr | x gelesen
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"Die Atmosphäre ist wirklich klasse, das kommt an Berlin hin"


Ingolstadt (DK) Durchhalten, einfach nur durchhalten. Das galt beim 3. Ingolstädter Halbmarathon für Thomas Straßmair genauso wie für die 3940 anderen, die am frühen Samstag abend nach 21,1 Kilometern das Ziel vor Augen hatten. Auch wenn es für den späteren Sieger lediglich darum ging, John Beikong nicht davonziehen zu lassen. Bis 300 m vor dem Ziel hatte der Kenianer geführt, dann wagte Straßmair einen letzten Spurt, zog an dem Schwarzafrikaner vorbei und feierte in seinem ersten Halbmarathon für den MTV Ingolstadt in 1:10:12 Stunden einen völlig überraschenden Sieg.


Neuer Streckenrekord

"Er hat zwar noch einmal angezogen, aber es hat nicht gereicht. Ich bin so glücklich, dass ich gewonnen habe", sagte Straßmair, der am Ende sogar sechs Sekunden Vorsprung auf Beikong hatte. Mit dem neuen Streckenrekord von 1:20:57 Stunden gewann Kathrin Luxenhofer (TG Viktoria Augsburg) bei den Frauen, die ihre persönliche Bestzeit gleich um zwei Minuten verbesserte und sich dafür beim Ingolstädter Publikum bedankte: "Die Leute haben mich nach vorne getragen."

So sehr sich Straßmair auch freute, einen bitteren Beigeschmack hatte der Sieg aber doch. Der große Favorit Dirk Nürnberger stürzte nach einer Kollision mit einem Radfahrer und musste deshalb das Rennen beenden. Stinksauer trat der Deutsche Marathon-Meister, der sich neben einer Platzwunde eine leichte Gehirnerschütterung und eine Hüftprellung zuzog, die Heimreise an: "Der Radler ist ist nach einer Kurve plötzlich aufgetaucht, wir sind auf die gleiche Seite ausgewichen und dann hat er mich mit dem Lenker an der Hüfte erwischt."

Mit in der Spitzengruppe waren auch Straßmair und Beikong. "Wir sind zu Dritt gelaufen, aber bei Kilometer 13 kamen uns urplötzlich zwei Radler entgegen", schilderte Straßmair die Situation. "Ich habe es nicht genau gesehen, aber der Dirk ist dann gestürzt. Zuerst wollte ich stehenbleiben, aber als ich gesehen habe, dass Beikong die Situation nutzen wollte und angezogen hat, bin ich dann doch weitergelaufen." Auch am Sonntag nachmittag waren die genauen Umstände des Unfalls noch nicht geklärt. Sicher ist nur, dass zwei Radfahrer die Anweisungen der Sicherungskräfte missachteten und in die Strecke fuhren.

Volksfeststimmung"Wir waren schon ein bisschen niedergeschlagen nach dem Unfall", sagte Roland Muck. Der Mitorganisator des Halbmarathons war lediglich erleichtert, dass Nürnberger nicht ernsthaft verletzt wurde. Schuld treffe die Organisatoren keine: "Die Polizei hat uns bestätigt, dass wir nichts dafür können. Aber du hast bei so vielen Leuten nicht alle im Griff, das geht einfach nicht." Abgesehen von dem Unfall war der 3. Halbmarathon der stimmungsvollste und bestorganisierteste in der kurzen Geschichte der Ingolstädter Langstreckenläufe. Die Zuschauerzahl am Rand der Strecke war beeindruckend und im Klenzepark herrschte vor allem nach dem Lauf, als alle Anspannung längst abgefallen war, ausgelassene Volksfeststimmung.

"Da waren noch mehr Zuschauer an der Strecke als im letzten Jahr" war Straßmair beeindruckt. Auch Kathrin Luxenhofer, die das erste Mal in Ingolstadt startete, war begeistert. "Die Atmosphäre ist wirklich klasse. Ich bin auch schon in Berlin gelaufen, und das hier kommt da hin", meinte die Damensiegerin im Überschwang der Gefühle.

Auch die Organisatoren von Sport IN waren rundum zufrieden, selbst wenn die urspünglich angepeilten 4000 Halbmarathon-Läufer am Ende doch nicht erreicht wurden. "60 haben gefehlt", sagte Roland Muck ohne jedes Bedauern. Immerhin konnte er auf eine Veranstaltung zurückblicken, die an diesem Samstag insgesamt gut 5200 große und kleine Sportler in Ingolstadt zum Laufen gebracht hatte. Da fallen 60, die am Ende zur magischen 4000-er-Grenze noch fehlten, nicht sonderlich ins Gewicht.


Von unserem Redaktionsmitglied Gerhard von Kapff

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