Ingolstadt

Zurück in die Dreißiger Jahre

Kevin und Toby Schmutzler realisieren auf der Schanz einen Marieluise Fleißer-Film

20.10.2019 | Stand 02.12.2020, 12:48 Uhr
Sabine Kaczynski
Bei der historischen Kulisse für ihren Filmdreh mussten Toby (unten links, von links) und Kevin Schmutzler etwas nachhelfen. Sie organisierten unter anderem Oldtimer, eine Drehorgel (unten rechts) und viele andere Gegenstände sowie Kostüme. −Foto: Kaczynski, Schmutzler

Ingolstadt (DK) Die Verkehrsschilder in der Anatomiestraße vor dem Ingolstädter Taschenturm sind schon alle abmontiert, die Straßensperre wird gerade errichtet.

Lieferwagen bringen allerlei Utensilien wie alte Fahrräder, einen antiken Kinderwagen, einen Leiterwagen, einen Leierkasten oder Holz- und Korbwaren herbei und stellen sie auf den Gehweg. Schmucke Oldtimer und ein Traktor aus vergangener Zeit parken am Straßenrand. Vor dem Taschenturm steht jede Menge technisches Equipment bereit, zwei junge Männer laufen geschäftig hin und her, geben per Funk Anweisungen. Was ist hier los? Die Schmutzler-Brüder Kevin und Toby sind mal wieder in der Stadt, haben den Taschenturm mit der Anatomiestraße zum Drehort für ihren neuesten Film gemacht und verwandeln ihn in eine Szenerie im Jahre 1930. "Über die deutsche Frau" heißt das aktuelle Projekt der beiden Regisseure und handelt von der berühmten Ingolstädter Schriftstellerin Marieluise Fleißer. "Auf Initiative der Marieluise-Fleißer-Gesellschaft ist die Idee entstanden, für die Neueröffnung des Museums im renovierten Fleißerhaus einen Film zu realisieren. Herausgekommen ist eine reale Geschichte mit surrealen Elementen. Das Drehbuch erzählt eine Mixtur aus Fleißers Lebensgeschichte und den Anfängen ihres Romans über die Mehlverkäuferin Frieda Geier", erzählt Kevin Schmutzler. "Sie verkörperte das Frauenbild, das Marie selbst gerne gewesen wäre: selbstbewusst, autark, ohne sich von der Männerwelt unterbuttern zu lassen. Marie dagegen wird von den Männern, die sie umgeben, in die Schranken verwiesen. Um diesen inneren Kampf geht es - aber vielleicht kann sie sich im Laufe unseres Films auch daraus befreien. " Die beiden Schmutzler-Brüder, die schon einige Filme gedreht haben, betreten mit der Thematik Neuland, waren aber sofort fasziniert von dem Gedanken, einen Streifen über die bekannte Ingolstädter Künstlerin zu produzieren: "Generell ist es immer schön, wenn man zu Hause drehen kann. Zudem hat uns das Thema auch an unsere Schulzeit erinnert, als wir in der achten Klasse das Fleißerhaus besucht haben. Nicht zuletzt ist Marieluise Fleißer eines der bedeutendsten Stadtkinder und es gibt noch kein bewegtes Bildmaterial über sie. Besonders reizvoll und spannend für uns war auch, dass es ein historischer Film wird - so etwas haben wir noch nie gemacht", erzählt Kevin und beschreibt die damit verbundenen Herausforderungen: "Nehmen wir nur die Kostüme: Sie müssen zum Charakter und ins Farbkonzept, aber zusätzlich zu einer etwa fünfjährigen Zeitspanne passen. Es ist wahnsinnig schwer, solche Sachen aufzutreiben. Wir haben dafür Ingolstädter und Münchner Theaterfundi geplündert, auch das Bavaria-Filmgelände hat ausgeholfen. "

Für die Unterstützung in ihrer Heimatstadt sind die beiden Brüder besonders dankbar: "Jeder ist bereit, bei dem Vorhaben mitzuhelfen. Ob bei der Stadt Ingolstadt, der Weinhandlung Ars vivendi, die zum Bäckerei-Drehort wurde, dem Schreiner, der für uns Objekte angefertigt hat, oder den Menschen, die ihre Oldtimer zur Verfügung gestellt haben - man merkt, dass die Ingolstädter Lust auf solche Projekte haben. "

Eine Woche lang dauern die Dreharbeiten in Ingolstadt und im Juramuseum in Hofstetten, die am Samstag begonnen haben. Rund 20 Leute gehören zur Crew, noch einmal so viele Komparsen sind vor Ort. Herauskommen dabei vier Minuten Film pro Drehtag. "Das ist sportlich, aber machbar", sagt Kevin Schmutzler optimistisch. Die fertige Produktion wird dann etwa eine halbe Stunde lang und zur Museumseröffnung als Premiere und anschließend bei verschiedenen Filmfestivals weltweit zu sehen sein.

Sabine Kaczynski