Hamburg
Zum Gedenken: Angehender Pastor stellt Corona-Tote auf Instagram vor

"Mehr als nur eine Zahl" zeigt die Schicksale von Verstorbenen

25.01.2021 | Stand 23.09.2023, 16:36 Uhr

−Foto: Pixabay

Jeden Tag teilt das Robert-Koch-Institut die Zahlen rund um die Corona-Pandemie mit. Die Zahl der Genesenen, die Zahl der Neuinfektionen und die Zahl der Corona-Toten. Doch über die Schicksale erfährt man meist wenig. Doch hinter jeder dieser Zahlen stehen Familien und Freunde. Darauf möchte der Hamburger Vikar - also ein Pastor in Ausbildung - Jakob Pape nun aufmerksam machen.

Der Theologe der evangelischen Kirchengemeinde St. Andreas in Hamburg hat den Instagram-Account "mehr_als_nur_eine_zahl" erstellt, auf dem er seit Dezember der Corona-Toten gedenkt. Emotional, pietätvoll und geeignet für Menschen jeder Konfession.

Der angehende Pastor legt großen Wert auf die Anonymität der Verstorbenen, dennoch bekommt jeder Instagram-User durch seine Posts eine Vorstellung des Menschen, um den die Angehörigen trauern.  Jeder, der einer Person öffentlich gedenken möchte, kann ihm schreiben. Die Nachrichten, so Pape, würden natürlich vertraulich behandelt.

"Jeden Tag begegnen uns die neusten Todeszahlen durch Covid-19. Dieser Account soll dabei helfen, dass wir nicht vergessen, dass hinter jeder dieser Zahlen Menschen und Angehörige stehen." Pape möchte zeigen, was für würdevolle Menschen man durch Covid-19 verloren hat. Das erklärt der Vikar auf seinem Account.

Bewegende Zeilen des Abschieds

Seine Posts ähneln aber keineswegs einer Todesanzeige: Vielmehr zeigen sie Geschichten, Sprüche, Weisheiten oder Eigenschaften der Verstorbenen. Begleitet werden die bewegenden Zeilen des Abschieds mit zwei Motiven, die im Stil von Polaroids gehalten sind. Wer möchte, kann auch selbst ein Foto mitschicken. Allerdings mit einer Bedingung: Aus datenschutzrechtlichen Gründen darf die Person nicht zu identifizieren sein.

Mehr als 30 Menschen haben dem Theologen bereits geschrieben und lassen die Welt an dem Schicksal ihrer verstorbenen Liebsten teilhaben.

Ein Post lautet zum Beispiel: "Wir erinnern an Theresas Oma, bei der immer alle Enkel*innen willkommen waren und bestens versorgt wurden." Die Großmutter wurde 1942 geboren und verstarb im Januar des vergangenen Jahres. Zu sehen ist ein Bild von einem liebevoll angerichteten Essen.

Unter den Verstorbenen ist auch Steffis Papa, die ihn als "herzensguten Menschen und Freund" bezeichnet. Er war ihr Held, wie sie erklärt. Auch von dem Busfahrer Dieter möchte jemand Abschied nehmen. Er habe immer alle unterstützt. Getrauert wird ebenso um Dietlind, der die Gesundheit der Anderen immer am wichtigsten war.

Es sind viele Namen, viele Schicksale, derer der Vikar so würdevoll gedenkt. Pape bietet einen Moment des Innehaltens, des Trauerns - für alle öffentlich zugänglich. In gewisser Weise hat er dadurch auch eine Form der digitalen Seelsorge entwickelt.

 

Anna Hausmann