Pfaffenhofen

Zu Asylbewerbern kommt jetzt die Caritas

Landratsamt hat Beratung von Flüchtlingen abgeben – Zwei Sozialpädagoginnen arbeiten sich gerade ein

10.07.2014 | Stand 02.12.2020, 22:29 Uhr

Tauschen sich kurz aus: Die zwei Asyl-Beraterinnen der Caritas Michaela Greguletz (links) und Gabriele Pulm-Muhr. Für eine gemütliche Teerunde bleibt keine Zeit, beide haben Außentermine. - Foto: Romlewski

Pfaffenhofen (PK) Asylbewerber im Landkreis haben zwei neue Ansprechpartnerinnen. Denn die Caritas hat die Beratung der Flüchtlinge vom Landratsamt übernommen – und dafür zwei Sozialpädagoginnen eingestellt. Diese touren zurzeit durch den Landkreis und machen sich bekannt.

Gabriele Pulm-Muhr schaut kurz auf die Uhr. Sie ist spät dran, hat gerade eine Schulung hinter sich und gleich den nächsten Außentermin. Gestresst wirkt sie dennoch nicht, die 49-Jährige ist die Ruhe selbst. Die Sozialpädagogin aus Eichstätt fährt zurzeit durch den nördlichen Landkreis und stellt sich in den Asylunterkünften vor. „Ich war schon in Hohenwart und Reichertshofen.“ Vorher arbeitete sie für die Diakonie Ingolstadt. Für Pfaffenhofen und den südlichen Landkreis ist ihre Kollegin Michaela Greguletz (48) aus Reichertshofen zuständig. Beide Frauen sind neu bei der Caritas. Sie kümmern sich seit 1. Juli um die Belange der Asylbewerber – das Landratsamt hat diese Aufgabe abgegeben. Nichts Ungewöhnliches, in den meisten Landkreisen werden Flüchtlinge inzwischen von freien Trägern beraten, der Caritas, der Diakonie oder einer Ausländerhilfsorganisation etwa. Denn nur dann gibt es Fördergelder vom Staat. Zudem wird den Landratsämtern die Betreuung der Flüchtlinge zu viel. Auch die Beratungsstelle in Pfaffenhofen galt als überlaufen, die zwei zuständigen Mitarbeiter klagten über Überlastung. 30 Wochenstunden für immer mehr Beratungsgespräche reichten einfach nicht mehr aus.

Die zwei neuen Beraterinnen der Caritas haben deutlich mehr Zeit für die Asylbewerber – zusammen 70 Wochenstunden. Außerdem stehen ihnen noch Migrationsberaterin Christel Schmitt-Motzkus und Caritas-Bereichsleiterin Gabriele Störkle zur Seite, sowie viele Ehrenamtliche. „Wir haben jetzt einen großen Schritt zur Verbesserung der Situation der Asylbewerber im Landkreis gemacht“, meint Landrat Martin Wolf (CSU).

Die Caritas hat bereits jahrzehntelange Erfahrung mit Flüchtlingen. Schmitt-Motzkus etwa arbeitete bereits vor mehr als 20 Jahren mit Asylbewerben zusammen. Sie übernimmt heute die Beratung, sobald Asylbewerber ein Bleiberecht erhalten und aus den Asylunterkünften ausgezogen sind. Genau das ist aber das Problem: Die Wohnungsnot hat auch Pulm-Muhr bei ihren ersten Hausbesuchen schon bemerkt. „Die Leute leiden unter der Beengtheit und den hygienischen Verhältnissen. Das ist schon sehr grenzwertig.“ Ihre Kollegin Greguletz hat sich vorgenommen, das Thema Wohnsituation bei ihren Besuchen immer gleich direkt anzusprechen. „Ich werde den Leuten erklären, dass das kein Zeichen von fehlender Wertschätzung ihnen gegenüber ist“, erklärt die Reichertshofenerin. Es sei einfach schwierig, angemessene Unterkünfte zu finden.

Die beiden Sozialpädagoginnen sind gerade noch dabei, sich einzuarbeiten. Die Caritas habe einen etwas anderen Auftrag als das Landratsamt, sei nicht für Unterkunft und Ausstattung zuständig. Auch bei rechtlichen Dingen müssen die Frauen vorsichtig sein. „Ich darf keinen Widerspruch gegen einen abgelehnten Asylantrag selbst schreiben“, sagt Pulm-Muhr. Einen Flüchtling zum Anwalt vermitteln, das darf sie aber schon. Sie hilft bei Anträgen, bei der Suche nach einem Deutschkurs, einer Wohnung oder der richtigen Schule für die Kinder. Und wie macht man das, wenn die Flüchtlinge kein oder kaum Deutsch sprechen? Der Staat bezahlt keine Dolmetscher. „Das hatte ich mir schwieriger vorgestellt“, sagt Pulm-Muhr. Oft komme man mit Englisch oder Französisch weiter. Oder andere Asylbewerber, die schon länger da sind, übersetzen. „Die Vertraulichkeit fällt dann leider weg“, gibt Bereichsleiterin Störkle zu. Migrationsberaterin Schmitt-Motzkus hat festgestellt, dass die Bevölkerung offener für Asylbewerber geworden sei, und auch ehemalige Asylbewerber würden ihre Hilfe anbieten. „Es gibt eine große Gruppe von Altflüchtlingen, die gut integriert sind, und jetzt anderen helfen“, sagt Schmitt-Motzkus.

Gerade haben 85 Syrer im Landkreis für zwei Jahre eine Aufenthaltserlaubnis erhalten. Für die Caritas bedeutet das jetzt viel Arbeit. Denn alle müssen nun schnell bis August beim Jobcenter Hartz IV beantragen. „Das ist nicht nur für uns, sondern auch für das Jobcenter eine Herausforderung“, sagt Störkle.