Hilpoltstein

"Wir zeigen der CSU, was Genossen alles können"

SPD zieht mit Marcel Schneider für den Landtag und Sven Ehrhardt für den Bezirk in den Wahlkampf

08.12.2017 | Stand 02.12.2020, 17:06 Uhr
Dem Landkreis einen neuen Schnitt verpassen wollen Landrat Herbert Eckstein und die Kandidaten Sven Ehrhardt, Marcel Schneider und Andreas Schermeyer sowie der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ben Schwarz (von links). −Foto: Messingschlager

Hilpoltstein (HK) Große Einigkeit bei der Sozialdemokratie im Kreis: Alle drei Kandidaten für Land und Bezirk sind am Donnerstagabend bei der Stimmkreiskonferenz in Rednitzhembach mit weit über 90 Prozent der Stimmen nominiert worden.

Einfach so weitermachen ist für die SPD im Landkreis keine Option. Das macht der stellvertretende Kreisvorsitzende Ben Schwarz gleich zu Beginn im voll besetzten Gemeindesaal klar. "Wir brauchen einen Politikwechsel." Möglich ist das allerdings nur, wenn die SPD in Landtag und Bezirkstag vertreten ist, was aktuell nicht der Fall ist. Mit Blick auf die jüngsten Kampfkandidaturen bei der CSU wünscht sich Schwarz für den Donnerstagabend eine "langweilige Stimmkreiskonferenz und einen spannenden Wahlkampf". Der Wunsch wird teilweise erfüllt, denn in Sachen Kandidaten gibt es nicht die geringste Überraschung. Langweilig ist es trotzdem nicht, zum einen weil mit Dreierlei plus eins eine hervorragende Band die Konferenz unterhält und zum anderen, weil die Reden der Kandidaten durchaus unterhaltsam sind.

Langeweile steht nicht auf Marcel Schneiders Agenda. Wer den charitygestählten Friseurmeister kennt, der stellt allerdings fest, dass er am Donnerstagabend durchaus nervös und höchst angespannt ist. Seinen Schwung bremst dies nicht. "Mit Tatkraft voraus" ist sein Credo und dabei "immer positiv durchs Leben". Er sei bereits für seine neue Aufgabe und freue sich darauf.

In seinen 20 Jahren als Friseur sei er immer nahe am Menschen gewesen, habe viele kennengelernt, sagt Schneider. Auch viele mit Problemen. So hat er auch zahlreiche junge Menschen ausgebildet, die eigentlich von der Gesellschaft schon aussortiert waren. Einige davon sind heute selbstständig. "Für mich wird auch in Zukunft das soziale Engagement immer an erster Stelle stehen." Menschen, die nicht auf der Sonnenseite stünden, bräuchten Unterstützung. "Da tragen wir ehrenamtliche Verantwortung." Und die ist nach seinen Worten nicht nur materiell, sprich die 400 000 Euro, die er bisher bei seinen Benefizveranstaltungen eingesammelt hat, "es ist auch das Zwischenmenschliche".

Als Direktkandidat für den Bayerischen Landtag wolle er zusammen mit Sven Ehrhardt einen "starken, ungewöhnlichen Wahlkampf" bieten. "Wir zeigen der CSU, was Genossen alles können." Dazu wisse er, dass er auch liefern muss. Auch wenn es beim politischen Teil seiner Rede um Landwirtschaft, Integration oder Rente geht, sind seine Schwerpunkte Bildung und Chancengleichheit: "Es kann nicht sein, dass der Geldbeutel der Eltern den Weg eines Kindes beeinflusst", sagt er. Deshalb werde er sich für eine Kostenfreiheit der Bildung von der Kita über die allgemeinen Schulen bis Meisterprüfung und Studium einsetzen. In diesem Zusammenhang fordert er auch eine "Gleichstellung von dualer Ausbildung mit Abitur/Studium". Das Handwerk - das in der Gesellschaft seiner Meinung nach ein Prestigeproblem hat - müsse gestärkt werden. Es schade allen, wenn 5000 Lehrstellen alleine in der Baubranche unbesetzt bleiben.

Vor fünf Jahren hat noch Sven Ehrhardt für den Landtag kandidiert und dabei ein respektables Ergebnis erzielt. Nicht wenige hat es überrascht, dass er jetzt nicht nachlegt und stattdessen für den Bezirk antritt. Ehrhardt erklärt diese mit vielen Veränderungen, die seither eingetreten sind: Studium beendet, geheiratet, einen Beruf bei der Arbeiterwohlfahrt ergriffen, der ihn erfüllt, Sitz im Stadtrat und Mitglied im Kreistag. Seine Koordinaten haben sich verschoben, das politische Engagement blieb aber, nur geht es nun nicht mehr Richtung Berufspolitik, sondern Richtung Sozialpolitik mit regionaler Ausprägung. Der Bezirk sei für viele so weit weg, sagt Ehrhardt, bei der Arbeiterwohlfahrt sei er als Hauptkostenträger täglich präsent.

Von den 950 Millionen Euro im Bezirkshaushalt stehen alleine 400 Millionen Euro für Eingliederungshilfen bereit. Und in diesem Bereich wird sich laut Ehrhardt mit dem neuen Teilhabegesetz nahezu alles ändern: ambulant vor stationär. Das gehe so weit, dass manche sogar das Ende von stationären Einrichtungen befürchten. "Das ist eine Herkulesaufgabe für den Bezirk, und die will ich mitgestalten."

Für den Bezirk ist Ehrhardt vorerst der einzige Kandidat, der am Donnerstag gekürt wird, mit 42 von 44 Stimmen. Marcel Schneider wird mit 40 von 44 Stimmen als Landtagsdirektkandidat gekürt. Mit dem 24-jährigen Eysöldener Architekturstudenten Andreas Schermeyer gibt es für den Landtag auch einen Listenkandidaten, er erhält 41 von 44 Stimmen und gibt sich gleich kämpferisch: "Wir müssen klar Kante zeigen und die Menschen von der Sozialdemokratie überzeugen."

Beobachter der Kür ist Landrat Herbert Eckstein und angetan von den Kandidaten. Gut gemacht hätten sie es, sehr authentisch, anders, mit Lebensfreude. "Bleibt so, denn die, die nur Floskeln erzählten, kann man in der Pfeife rauchen." Die, die sich für die SPD zur Wahl stellen, hätten hohe Kompetenz. "Wir brauchen Selbstvertrauen, denn wir sind besser als andere über uns reden."