Hofstetten

"Wir sind fertig"

Die Familie Leuschner feiert den Abschluss der über 30-jährigen Sanierung ihres Schlosses

24.04.2013 | Stand 03.12.2020, 0:13 Uhr

Brot und Salz gab es von der stellvertretenden Landrätin Tanja Schorer-Dremel für Schlossherrn Peter Leuschner - Foto: hr

Hofstetten (EK) Über 30 Jahre Sanierungsarbeit hat jetzt ihren Abschluss gefunden. Mit einer kleinen Feier hat die Familie Leuschner die Fertigstellung des Schlossstadels und damit den Abschluss der Renovierung ihres Schlosses in Hofstetten gefeiert.

Immerhin zehn Jahre liegen zurück, seit Peter Leuschner und seine Familie die Gesamtinstandsetzung des Burg-Schlosses begonnen hatten. Dabei waren mehrere Sanierungsabschnitte dieser letzten Generalsanierung bereits vorausgegangen.

Bei der Feier im frisch renovierten Stadel betonte Peter Leuschner denn auch, dass Schloss und Umfeld jetzt in einem „vorzüglichen Zustand“ seien – „vermutlich dem besten seit 1694, als der Eichstätter Hofbaumeister Jacob Engel seinem Auftraggeber, Fürstbischof Euchar Schenk von Castell, den Abschluss des barocken Umbaus untertänigst angezeigt haben wird“. Und: „Das Schloss lebt und ist nicht zur musealen Einrichtung geworden.“

Leuschner erinnerte daran, dass die erste Generalsanierung im Jahr 1987, vier Jahre nach Erwerb des Anwesens durch ihn und seine Frau Helga, durchgeführt worden sei, bei der allerdings Probleme wie Feuchtigkeit in den Mauern und unter den Fußböden nicht in den Griff zu bekommen gewesen seien. Deshalb sei eine erneute, 2003 gestartete Generalsanierung notwendig geworden – die jetzt habe beendet werden können.

Leuschners damalige Instandsetzungsbemühungen unterschieden sich gegenüber den jetzt abgeschlossenen grundlegend. „Bei der ersten waren wir total unerfahren, aber noch voller Elan, bei der zweiten hatten wir zwar reichlich Erfahrung, aber der Elan war schon etwas dahin.“ Sie seien bei der ersten Phase, so zitierte Peter Leuschner den früher für Denkmalpflege im Ministerium zuständigen Ministerialrat Professor Werner Schiedermair, einfach „zu früh dran“ gewesen.

Heute sei vieles Standard, was damals noch unbekannt oder unausgereift gewesen sein. Zudem habe es damals nur wenige wirklich denkmalerfahrene Architekten, Statiker, Restauratoren gegeben und vor allem keine Maurerfirmen, die Erfahrung mit Kalkmörtel und alten Putzen gehabt hätten. Immerhin, so gab Leuschner zu bedenken, hätten er und seine Frau das Schloss erworben, als das Bayerische Denkmalschutzgesetz, das heuer vor 40 Jahren erlassen worden war, gerade mal ein Jahr alt gewesen sei.

Bei der zweiten Phase der Instandsetzung, in die auch die Sanierung des Schlossstadels fiel, konnten die Leuschners schließlich auf bereits bewährte Fachleute und Handwerker zurückgreifen. In der Zwischenzeit war viel passiert: Alte Handwerkstechniken waren ausgegraben und neu belebt worden, alte und auch neue Materialien zum Einsatz gekommen.

Deshalb sprach Bernd Vollmar, Landeskonservator am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, davon, dass Denkmalschutz nicht nur ein behördlicherseits gefordertes Engagement sei, sondern durch Menschen, die sich den Erhalt und die Sanierung eines Denkmalhauses zur Aufgabe gemacht hätten, gelebt werde. Zum Denkmalschutz, so Volmar, gehören immer mindestens zwei Akteure. Dass es zwischen den Behördenvertretern – immerhin hätten es die Leuschners während ihrer „Leidensgeschichte“ mit zwei Generalkonservatoren, sechs Gebietsreferenten und zwei Abteilungsleitern zu tun gehabt – und den privaten Denkmalschützern dann und wann „menschelt“, sei ganz normal. Wichtig aber sei der gemeinsame Respekt vor der Sache.

Ein Gebäude vor Ort zu erhalten, wenn eine entsprechende sinnvolle Nutzung gewährleistet sei, sei sicherlich der beste Denkmalschutz, erklärte der neue Leiter des Freilandmuseums Bad Windsheim, Herbert May. Dennoch sei auch eine Einrichtung wie die seine notwendig. Das Freilandmuseum dürfe allerdings nicht zu einer „Auffangstation für bedrohte Häuser“ werden, sondern habe auch einen pädagogischen Anspruch vor allem gegenüber Kindern und Jugendlichen. Dass Bad Windsheim diesen erfülle, davon habe sich inzwischen auch Leuschner, ehemals ein Gegner von Freilandmuseen, überzeugen lassen.

Treffend brachte die stellvertretende Landrätin Tanja Schorer-Dremel die Leistung von Peter Leuschner und seiner Familie auf den Punkt: Durch seinen eigenhändigen wie vorbildlichen Einsatz habe Peter Leuschner dem Jurahaus Aufmerksamkeit verschafft und dessen Wertschätzung wieder ins Bewusstsein gerufen. Das Schloss Hofstetten sei in diesem jahrelangen Eintreten für den Denkmalschutz zum „Aushängeschild“ geworden für den Landkreis und die gesamte Region. Während sie selbst als angehende Lehrerin ihre Staatsexamensarbeit den Jurahäusern gewidmet und für deren Erhalt geschrieben habe, habe Peter Leuschner die Theorie „mit Haut und Haaren in die Tat umgesetzt. „Manchmal“, so Schorer-Dremel, „braucht es einen wie Peter Leuschner, der mit dem Kopf durch die Wand geht.“