Ingolstadt

"Wir haben keinen Druck"

FCI-Sportchef Henke geht entspannt in die letzte Transferwoche - Regensburger Verteidiger Volkmer ist ein Kandidat

26.08.2019 | Stand 02.12.2020, 13:12 Uhr
  −Foto: Stefan Bösl

Ingolstadt (DK) Michael Henke, der Sportchef des FC Ingolstadt, ist in der Woche vor dem Ende der Wechselfrist ziemlich entspannt. "Wir haben eine relativ gute Position und keinen Druck. Aber wir schauen, was wir noch machen können", sagt der 62-Jährige.

Druck gibt es eher auf Seiten der beiden wechselwilligen Spieler Benedikt Gimber und Konstantin Kerschbaumer, deren Berater nur noch bis zum 2. September Zeit haben, sich mit ihren Schützlingen, den neuen potenziellen Arbeitgebern und dem FCI zu einigen. "Es gibt keine Unruhe. Wir gehen respektvoll miteinander um", sagt Kerschbaumer jedoch, und Trainer Jeff Saibene, der zuletzt beide Spieler gegen Rostock ins Aufgebot berufen hatte, bestätigt das. "Die Spieler verhalten sich im Training tadellos, sonst hätte ich sie nicht nominiert", sagt Saibene. Dennoch steht eine Kehrtwende nicht im Raum. Beide Profis werden die Schanzer wohl verlassen.

Für Henke, Kaderplaner Florian Zehe und das Trainerteam heißt das, die Augen weiter offen zu halten. "Wir sind immer offen für Qualität. Es ist ein normaler Verdrängungswettbewerb. Wir können keinem Spieler seine Position sichern. Wenn wir das Gefühl haben, da kriegen wir eine Verbesserung hin, dann machen wir das auch", sagt Henke.

Während Henke im Mittelfeld auch ohne Kerschbaumer genügend Alternativen sieht, haben die Schanzer auf der linken Innenverteidigerposition Bedarf. "Wenn uns Gimber verlässt, würden wir nachdenken", sagt Henke und bestätigt, dass der Regensburger Dominic Volkmer ein Kandidat ist. "Er ist interessant und steht auf der Liste, wie einige andere auch. Wir sind vorbereitet."

Für die Ziele der Schanzer würde aber auch der jetzige Kader mit den vielen jungen Kräften reichen, meint Henke. "Wir wollen attraktiven Fußball und eine gute Rolle in der 3. Liga spielen. Das trauen wir den jungen Spielern zu. Und wir kalkulieren ein, dass die Wahrscheinlichkeit einer Leistungsdelle bei den Jungen größer ist", sagt Henke und erklärt: "Sie bekommen Zeit zur Entwicklung. Das ist unser Konzept. Sie sollen in einem Jahr weiter sein als heute. Aber wir bauen nicht so auf sie, dass sie uns in jedem Spiel alles retten müssen."

Von einer Überraschung will Henke bei den FCI-Talenten nicht reden, eher von einer angenehmen Entwicklung. "Aber nach sechs Spielen muss man vorsichtig mit einer Beurteilung sein. Dafür muss man 15, 20 Spiele abwarten", warnt Henke vor zu großen Vorschusslorbeeren. Dennoch ist der ehemalige Co-Trainer, der auf der Bank immer noch Kommandos auf den Platz ruft, mit dem Saisonstart zufrieden. "Wir haben noch kein Spiel verloren und sind oben mit dabei. Man hat aber gegen Rostock und auch gegen Uerdingen gesehen, dass noch Luft nach oben ist und wir uns verbessern müssen, weil noch nicht alles rund läuft. Aber der Start gibt mir das Gefühl, dass in der Saison noch einiges möglich ist." Am kommenden Samstag (14 Uhr) wartet beim Aufsteiger Viktoria Köln die nächste Bewährungsprobe.

Träsch: Hannover oder Eichstätt?


Christian Träsch kann dem Transferschluss am 2. September entspannt entgegen sehen. Da der einstige Profi des FC Ingolstadt vertragslos ist, kann er auch noch zu einem späteren Zeitpunkt zu einem neuen Verein wechseln. Allerdings setzt sich der 31-Jährige selbst ein zeitliches Limit. "Wenn unsere Tochter Tamina eingeschult wird, will ich klare Verhältnisse haben", sagt der zehnfache National- und 207-malige Bundesligaspieler. Das heißt, Träsch hat noch bis 10. September Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Kontakt gab es seit seinem Abschied von den Schanzern zu verschiedenen Vereinen.

Zuletzt zeigte der schwach gestartete Bundesliga-Absteiger Hannover 96 Interesse. Träsch liebäugelt aber auch mit einem Wechsel ins Ausland. "Einige Angebote scheiterten daran, dass es keine deutsche Schule gab", meint der Mittelfeldspieler, bei dem es schon irgendwie "kribbelt". "Aber es soll für uns alle passen. Die Familie hat Vorrang", sagt der in Ingolstadt heimische Träsch.

Sollte sich kein Profi-Engagment mehr ergeben, lockt noch Regionalligist VfB Eichstätt. "Der Verein ist sehr sympathisch. Ich hatte schon ein nettes Gespräch mit dem sportlichen Leiter Hans Benz. Und ich müsste nur noch dreimal die Woche trainieren", sagt Träsch mit einem Augenzwinkern.

Gottfried Sterner