Ingolstadt

Wiedersehen ohne Freude

Leipzigs Trainer Hasenhüttl wird von seinem Ex-Team als Tabellenführer entthront

11.12.2016 | Stand 02.12.2020, 18:56 Uhr

Ingolstadt (DK) So hatte sich Ralph Hasenhüttl seine Rückkehr nach Ingolstadt sicher nicht vorgestellt. Der ehemalige FCI-Trainer kam als strahlender Tabellenführer mit RB Leipzig in den Audi-Sportpark und verließ ihn nach der 0:1-Niederlage gegen sein Ex-Team enttäuscht und trotzig.

"Es war klar, dass so ein Spiel irgendwann kommen würde, doch das wirft uns nicht um", meinte Hasenhüttl nach der Partie und wollte von einem "ausgerechnet in" oder "gerade gegen" Ingolstadt nichts wissen. "Niederlagen tun immer weh, egal gegen wen", sagte der Österreicher und empfahl, gefragt nach möglichen Auswirkungen der ersten Saisonpleite auf sein Team: "Sie können sich nächsten Samstag angucken, wie die Reaktion sein wird." Keine Frage, der 49-Jährige war richtig angefressen. Schon beim Einmarsch der Gladiatoren ins Stadion, als der RB-Trainer nach seinen Spielern in den Innenraum trat und umgeben von einer Schar Fotografen schnurstracks den Weg zur Leipziger Spielerbank einschlug, sah man ihm an, dass er sich in seiner Haut nicht wohlfühlte. In der kleinen Arena, in der er mit dem FC Ingolstadt seine bis dahin größten sportlichen Erfolge gefeiert hatte, vermied er weitgehend den Blick auf die Ränge, blies immer wieder die Backen auf und schnaufte tief durch. Auch während der Partie wirkte der Österreicher irgendwie befangen und nicht so engagiert bei der Sache wie sonst. Ruhig in der Coachingzone, oftmals auch auf seinem Platz sitzend, verfolgte er das Geschehen und regte sich allenfalls über Entscheidungen des Unparteiischen auf und protestierte regelmäßig beim vierten Offiziellen.

Lediglich nach dem 0:1 schielte Hasenhüttl kurz zur Ingolstädter Bank. Ansonsten wahrte der Erfolgscoach, der von den Ingolstädter Fans weder mit Applaus noch Pfiffen begrüßt wurde, Distanz. Vor dem Gang ins Stadion klatschte er kurz seine ehemaligen Spieler im Kabinentrakt ab, nach der Partie widmete er sich ganz der Leipziger Fankurve und seinem Team. Lediglich Pascal Groß ging auf dem Spielfeld noch kurz auf seinen einstigen Förderer zu, und auch FCI-Mannschaftsarzt Dr. Florian Pfab lief Hasenhüttl hinterher. Vereinspräsident Peter Jackwerth hatte bereits vor Spielbeginn einige Worte mit dem ehemaligen FCI-Erfolgstrainer gewechselt und nahm später auch die Glückwünsche zum Sieg entgegen.

Ganz offenbar hatten RB Leipzig der Rummel um die Schwalbe von Timo Werner und Hasenhüttls Rückkehr nach Ingolstadt etwas aus dem Tritt gebracht. "Wir haben es nicht geschafft, unser Spiel auf den Platz zu bringen. Ganz im Gegenteil: Der Gegner hat uns sein Spiel aufgezwungen", gestand Hasenhüttl. "Es war das erste Mal, dass wir keine Lösungen gefunden und kein Tor erzielt haben", meinte der RB-Coach.

Das lag auch an der weitgehenden Wirkungslosigkeit der beiden Sturmspitzen Yussuf Poulsen und Timo Werner. "Timo war nicht so frei", sagte Hasenhüttl. "Er hatte es schwer, stand groß im Fokus, ist schön bearbeitet worden. Aber das ist eine Situation, in der er nicht darauf warten kann, dass er geschützt wird", sagte sein Trainer weiter. Der 21-Jährige, der immer wieder ausgepfiffen wurde und sich einige Schmähgesänge anhören musste, muss sich nun also durchkämpfen - so wie das ganze RB-Team, bis es am 21. Dezember zum Gipfeltreffen bei Bayern München kommt.