Pfaffenhofen

Wie es um den Glasfaserausbau im Landkreis bestellt ist - ein Überblick

Kommunen sehen sich auf einem guten Weg

22.02.2022 | Stand 26.02.2022, 3:34 Uhr
In vielen kleinen Ortsteilen - wie hier in Kemmoden - ist der Glasfaserausbau im Landkreis Pfaffenhofen schon weit gediehen. Für weitere Projekte warten die Kommunen noch auf Fördermittel. −Foto: Straßer, Archiv

Pfaffenhofen - Für Bayerns Finanzminister Albert Füracker (CSU) ist eine digitale Infrastruktur der "Grundpfeiler für gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land". Gerade Corona hat laut Füracker das Tempo der Transformation gesteigert. Unsere Zeitung hat sich umgehört, wie die Kommunen im Landkreis Pfaffenhofen den Glasfaserausbau umsetzen.

• Die Stadt Pfaffenhofen hat sich bislang an jedem bayerischen Ausbauprogramm beteiligt: Aktuell läuft die Fertigstellung der dritten Stufe, also dem Ausbau der unterversorgten ländlichen Bereiche, in der Regel mit Glasfaser. Die Fertigstellung ist im Herbst dieses Jahres geplant. "Parallel dazu läuft aktuell die Ausschreibung für die Gigabit-Richtlinie", berichtet Bürgermeister Thomas Herker (SPD) vom Stand der Dinge. "Hier geht es konkret um Glasfaserausbau für unterversorgte Bereiche mit Gewerbe - die auf dem Weg liegenden privaten Haushalte können ,mitgenommen' werden." Dieses Programm betreffe insbesondere die Ortsteile, aber auch Teilbereiche der Kernstadt. Die Kosten werden auf rund 8,7 Millionen Euro geschätzt, der Stadtrat will den Auftrag noch in diesem Halbjahr vergeben. Parallel, so Herker, erfolgen auch ohne Förderung Erschließungen durch das Stadtwerk - einerseits in Neubaugebiete, aber auch im Bestand, etwa im Ostviertel.

• In Jetzendorf und Priel laufen die Planungen, die kleineren Ortsteile drumherum sind größtenteils schon ans Glasfasernetz angeschlossen. Laut Kämmerer Klaus Burgstaller stellen allerdings die Förderrichtlinien die Gemeinde teilweise vor Probleme: An Grundstücken, die bereits über Kupferleitungen mit ausreichend großen Bandbreiten versorgt sind, müsste die Gemeinde "vorbeigraben", wie Burgstaller schildert. Das sei nicht vermittelbar. Es laufen aber weiterhin Gespräche. In einzelnen Straßen, die ohnehin saniert wurden, hat die Gemeinde Leerrohre verlegen lassen. Ebenso schon angebunden seien die Gewerbegebiete, für Rathaus und Schule sind Fördermittel zugesagt.

• In Ilmmünster ist im vergangenen Jahr einiges passiert: "Inzwischen sind alle Ortsteile mit Glasfaser erschlossen", erklärt Bürgermeister Georg Ott (CSU). Im Hauptort allerdings sieht es noch anders aus. "Aktuell steht Ilmmünster selbst noch nicht auf der Agenda, weil die Leitungen eigentlich passen." Beschwerden über zu langsame Leitungen habe Ott noch nicht bekommen. Momentan laufen die Vorbereitungen, damit sich die Gemeinde an der Gigabit-Förderung des Freistaats bedienen kann.

• In Hettenshausen ist es ähnlich wie bei den Nachbarn aus Ilmmünster. "Entrischenbrunn und Winden sind seit zwei Jahren mit Glasfaser erschlossen", sagt Bürgermeister Wolfgang Hagl (UWG). "Jetzt sind auch die Einzelgehöfte dran, da wird gerade ausgebaut. Damit sind wir dann eigentlich durch." Denn auch wenn es in Hettenshausen selbst keine Glasfaserkabel gibt, werden Verbindungen um die 50 Mbit ermöglicht. "Wir haben schon relativ schnelles Internet im Hauptort", sagt Hagl. "Momentan laufen die Vorbereitungen für die Gigabit-Förderung", blickt Hagl in die Zukunft.

• Zweigleisig hat die Gemeinde Scheyern den Ausbau schneller Internetverbindungen voran getrieben. In den Außenbereichen gibt es daher nun vor allem Glasfaser, beispielsweise in Winden und Grainstetten, wie Bürgermeister Manfred Sterz (Freie Wähler) erklärt. Auch verschiedene Einöden und Weiler wie Blaumosen haben einen Glasfaseranschluss. "Aber in Triefing und Ziegelnöbach gibt es zwar schnelles Internet, aber kein Glasfaser", sagt der Scheyrer Rathauschef. Hier wurde mit sogenanntem Vectoring schnellere Übertragungen geschaffen. In Scheyern selbst ist es aktuell ein gemischtes Bild: Etwa ein Drittel ist per Glasfaser erschlossen, der Rest bisher nicht. "Wir waren immer über den 30 Mbit: Wir hätten daher nur ohne Fördergelder ausbauen können", sagt Sterz. Daher habe die Gemeinde nun einen Masterplan in der Schublade, der ein künftiges Glasfasernetz in der Gemeinde konzipiert - und immer wenn eine Straße beispielsweise im Zuge von Kanalarbeiten aufgerissen wird, werden nun Leerrohre mit eingebaut, in denen später einmal Glasfaserkabel eingeblasen werden können. Beschwerden liegen ihm über die aktuellen Verbindungen nicht vor. "Mit weiteren Fördergeldern wäre ein Ausbau auch im Hauptort möglich", sagt Sterz.

• Gleich zwei Förderprogramme nimmt Reichertshausen unter die Lupe, um "eventuell durch eine Kombination", so Geschäftsleiter Günter Fuchs, einen optimalen Ausbau zu erreichen. Dieser Aktionismus ist notwendig. "In einzelnen Bereichen sind wir leider noch nicht so weit, wie wir das gerne hätten", räumt Fuchs ein. Von insgesamt 1714 Adressen im Gemeindebereich sind zwischen 20 und 30 beim Breitband noch völlig unterversorgt. "Um die 900 Anwesen liegen zwischen 30 und 100 Megabit - auch hier wollen wir aufrüsten", so Fuchs. Zumindest im Hauptort sehe es schon gut aus. Und ob tatsächlich jeder Einödhof bei der nächsten Ausbaurunde berücksichtigt werde, stehe noch nicht fest. "Falls es irgendwo viel zu teuer wird, müssen wir vielleicht auf Sonderlösungen setzen", berichtet Fuchs.

• In Gerolsbach ist laut Bürgermeister Martins Seitz (CSU) jeder, der es wollte mit einem Glasflaseranschluss versorgt. 250 Euro habe das für einen Haushalt gekostet. Somit ist die ganze Gemeinde versorgt. Die ganze Gemeinde? Nein. Der kleine Ortsteil Klenau hatte laut Seitz kein hohes Bedürfnis danach. Denn hier ist die Internetgeschwindigkeit schon sehr hoch. "Wenn hier Straßenbaumaßnahmen erfolgen, wird zugleich das Glasfasernetz sukzessive ausgebaut", erklärt der Bürgermeister.

• In Hohenwart sind einige Ortsteile im Zuge der bisherigen Breitbandförderprogramme versorgt worden. Dazu gehören Wolfshof, Loch, Ellenbach, Steinerskirchen und Englmannszell. "Im Hauptort haben wir Glasfaser bis zu den Verteilerkästen", sagt Heinrich Lacher, im Rathaus bislang zuständig für den Breitbandausbau. Komplett versorgt ist auch das Gewerbegebiet und das Baugebiet Am Kerschberg II. Hier habe die Telekom eigenwirtschaftlich Glasfaser bis in jedes Haus gelegt. Ansonsten plant Bürgermeister Jürgen Haindl (FW) eine weitere Markterkundung. Klar ist aber schon jetzt: "Überall, wo wir die Straße aufreißen, legen wir Leerrohre rein."

• In Vohburg spielt das Glasfaserthema eine große Rolle. Zuletzt wurde mit der Deutschen Glasfaser eine Kooperation ins Auge gefasst, nun gilt es, mit einer Mindest-Abdeckung für den Anbieter die Rentabilität des Projekts zu sichern. Natürlich soll das komplette Gebiet, inklusive aller Ortsteile abgedeckt werden. Bereits im 2016 gestarteten Bayerischen Förderverfahren hat Vohburg Teilbereiche des Stadtgebiets mit Glasfaser ausgebaut. Ebenfalls schon angeschlossen sind die Grund- und Mittelschule und das Rathaus.

• Auch die Marktgemeinde Reichertshofen hat Glasfaser auf ihre Fahnen geheftet. Vor zwölf Jahren, so Bürgermeister Michael Franken, wurden erste Ortsteile mit Glasfaser versorgt, 2013 folgten der Hauptort Reichertshofen samt Gewerbegebiet sowie weitere Ortsteile - auch hier aber nur bis zu den Verteilerkästen. 2016 bekamen die letzten Ortsteile Glasfaser - nun aber bis ins Haus. Seit fünf Jahren ist dies bei der Erschließung auch in neuen Bau-/Gewerbegebieten Usus. Auf Basis eines beauftragten Glasfaser-Masterplans erfolgt der Ausbau des Netzes bis ins jeweilige Haus. Angeschlossen ist die Schule Reichertshofen, Rathaus und Schule Langenbruck folgen noch heuer.

• Laut Bürgermeister Herbert Nerb hat Manching "alle Fördermaßnahmen" der vergangenen Jahre mitgemacht. Das Ziel ist - "wie in allen Kommunen" - flächendeckend Glasfaser, im Hauptort und in allen Ortsteilen. Die zuletzt sanierte Ingolstädter Straße ist mit Leerrohren vorbereitet, alle Neubaugebiete bekommen Glasfaser bis ins Haus. Im Gemeindegebiet sind von der Telekom schon viele Straßen mit Glasfaser versorgt, von den drei Schulen ist eine angeschlossen.

Münchsmünster ist nach Aussage von Bürgermeister Andreas Meyer und von Glasfaser-Sachbearbeiter Siegfried Gellrich "die am besten ausgebaute Gemeinde des Landkreises Pfaffenhofen". Drei Ortsteile und Gewerbegebiete sind mit Glasfaser versorgt, Neubaugebiete bekommen diese Technik. Rathaus und Schule können jederzeit angeschlossen werden, Leerrohre liegen in vielen Straßen. Das Zauberwort - allerdings ohne Glasfaser - heißt Vectoring im ganzen Ortsbereich - für Meyer ein "riesiger Standortvorteil". Dennoch laufen Verhandlungen über den Glasfaser-Vollausbau.

• In Baar-Ebenhausen läuft derzeit eine Markterhebung. Laut Geschäftsleiter Ernst Schartel soll dann im Mai im Gemeinderat besprochen und entschieden werden, wo im Gemeindebereich mit dem Ausbau begonnen wird. Laut Schartel sind 800 Haushalte in Baar-Ebenhausen unterversorgt, meist in Ebenhausen-Werk. Für Rathaus und Schule soll die Gigabit-Förderung des Bundes mit Kofinanzierung des Freistaates genutzt werden.

• In Geisenfeld und Ernsgaden soll in den nächsten Jahren ein kommunales Breitbandnetz sukzessive für ultraschnelles Internet sorgen - realisiert unter Abschöpfung hoher staatlicher Zuschüsse. Federführend ist dabei eine kommunale Infrastrukturgesellschaft, zu der sich beide Kommunen im Juli 2020 zusammengetan haben. In beiden Orten sollen dabei in einer ersten Ausbauphase das Gewerbegebiet und das Schulzentrum angeschlossen werden. Wovon auch die an den Zuleitungstrassen gelegenen Haushalte profitieren können. Der nächste Schritt bei dem gemeinsamen Projekt ist die Ausschreibung für den Bau der Leitungsstränge. Mit Vodafone hat man bereits einen Betreiber für das zukünftige Breitbandnetz gefunden.

• In Wolnzach wurden gerade die Einöden und Weiler Grubwinn, Stockberg, Wilhelm, Weingarten, Egg und Buch an das Glasfasernetz angebunden - und damit ein besonders sensibler Bereich: Wegen des Fehlens der für IP-Telefonie nötigen Breitbands drohte dort gar die Rückkehr in die Telefonie-Steinzeit. Der Ausbau dort erfolgte im Beistellungsmodell, bei dem Gemeinde das passive Netz nach den Vorgaben des Anbieters ausbaut. Nach dem Bundesförderprogramm - der Bescheid liegt vor - werden außerdem all jene Gebiete behandelt, die unter der Aufgreifschwelle von 30 Mbit liegen. Große Hoffnungen setze man derzeit zudem auf den eigenwirtschaftlichen Ausbau durch einen neuen Anbieter: "Wenn die gerade laufende Bedarfsabfrage ein entsprechendes Ergebnis bringt, dann könnte es ganz schnell gehen mit dem Glasfaserausbau für alle, denn dieser Anbieter möchte im Herbst schon loslegen", sagt Bürgermeister Jens Machold.

• Die neueren Wohnbaugebiete, die meisten Ortsteile und das Gewerbegebiet Pörnbach sind laut Bürgermeister Helmut Bergwinkel (FUW) mit Glasfaserleitungen bis zu den Grundstücksgrenzen ausgerüstet. "Da sind wir gut aufgestellt", sagt er. Wo es hapert, sind Pörnbach und Puch. Hier läuft gerade die Markterkundung im Rahmen der Gigabitförderung.

• Den Höfebonus hat die gemeinde Schweitenkirchen komplett in Anspruch genommen, die Gewerbegebiete sind schon ans Glasfasernetz angeschlossen, die neueren Baugebiete auch. In Aufham hat die Telekom laut Bürgermeister Josef Heigenhauser (CSU) den Ausbau eigenwirtschaftlich übernommen. Momentan laufe zudem die Markterkundung im Gigabitverfahren, außerdem habe die Gemeinde einen "Masterplan". Der besagt, dass die Kommune auf eigene Kosten Laeitungen verlegt, und dann darauf baut, dass ein Betreiber die Infrastruktur nutzt.

• Glasfaser in jedem Haus: Das ist der Anspruch, den Rohrbach in drei bis vier Jahren umgesetzt haben will. Aktuell laufen die Vorarbeiten, um im Rahmen der Gigabitrichtlinie jeden Straßenzug, jeden Ortsteil und jeden Einzelhof optimal zu versorgen. "Bei 675 von insgesamt 2088 Adressen legen wir nach", sagt Harald Deuschl, der IT-Fachmann der Gemeinde. 3,85 Millionen kostet das Vorhaben, wobei der Eigenanteil der Gemeinde wohl nur bei zehn Prozent liegen wird. "In Buchersried, Ossenzhausen und Waal sind wir durch", sagt Deuschl. In Rohrbach selbst fallen jene Straßen aus der Förderung, in denen Kabelfernsehen möglich ist. Nächstes Jahr sollen die Bagger rollen, um dann alle Haushalte auf einen Stand zu bringen.

PK