Meihern

Wer hämmert denn da?

Hans Schmidbauer hat für den Forstbetrieb Kelheim die heimischen Specht- und Eulenarten kartiert

28.12.2017 | Stand 02.12.2020, 17:01 Uhr

Zwei Jahre lang hat Hans Schmidbauer gesucht, bis er in den Wäldern rund um Kelheim das erste Mal den Sperlingskauz (links) entdeckt hat. Zu den erfassten Arten zählen auch der Rauhfußkauz (rechts oben) und der Schwarzspecht. - Fotos: Egon Knott

Meihern (DK) Im Auftrag des Forstbetriebs Kelheim hat Hans Schmidbauer aus Schönhofen in diesem Jahr die Specht- und Eulenarten im Paintner und im Frauenforst kartiert. Das aufschlussreiche Ergebnis stellte er nun bei einer Betriebsversammlung in Meihern vor.

"Ich bin kein Biologe", schickt Hans Schmidbauer (Foto) vorweg. Doch seine Erfahrung spricht für sich. Seit 30 Jahren erhebt er Daten im Paintner und im Frauenforst. In seiner Freizeit macht er sich auf den Weg, um den hiesigen Eulen- und Spechtarten auf die Spur zu kommen. Mittlerweile habe er einen guten Einblick in die Entwicklung der Arten, betont er. Grund genug für Forstbetriebsleiterin Sabine Bichlmeier, Hans Schmidbauer mit der Kartierung der Arten zu betrauen. "Das Ergebnis wird in unser Naturschutzkonzept mit einfließen", verspricht sie. Und wartet gespannt, was der Experte gleich präsentieren wird.

Zunächst umreißt Schmidbauer das Untersuchungsgebiet. "Wir befinden uns am südlichen Ausläufer der Fränkischen Alb, nördlich von Kelheim. Es handelt sich um ein rund 67 Quadratkilometer großes, ziemlich geschlossenes Waldgebiet", erklärt er. Bei der letzten Waldinventur 2011 wurde festgestellt, so Schmidbauer weiter, dass der Nadelholzbestand seit den Anfängen seiner Datenerhebung eindeutig abgenommen, dafür der Bestand an Buchen stark zugenommen hat. "Gerade in der Abteilung Brand gibt es viel Laubholz. Das ist vor allem für Spechte sehr interessant."

Hans Schmidbauer konnte zwischen 1992 und 2017 das Vorkommen von Buntspecht, Mittelspecht, Kleinspecht, Schwarzspecht, Grünspecht und Grauspecht nachweisen. "Wenn die Spechte anfangen zu hämmern, beginnt meine Arbeit", sagt er. Das ist etwa Anfang Februar. Nach Sonnenaufgang machen die Spechte ordentlich Krach, dann muss der Schönhofener im Wald sein. Die Eulen sind in der Morgen- und Abenddämmerung unterwegs und starten mit der Fortpflanzung schon früher als die Spechte. Hier geht es schon im Januar los. "Das dauert dann bis Ende März, dann wird es ruhiger", erklärt der Experte. Im Untersuchungsgebiet hat er zwischen 1988 und 2017 den Sperlingskauz, den Rauhfußkauz, den Waldkauz, den Uhu und die Waldohreule erfassen können.

Den Sperlingskauz bezeichnet Hans Schmidbauer als seinen besonderen Freund. Dass diese Art in der Region überhaupt vorkommt, sei eine große Überraschung, betont der Experte. "Mitte der 1980er-Jahre habe ich mich auf die Suche nach ihm gemacht. Eigentlich ist der Sperlingskauz eher im Bayerischen Wald und im Fichtelgebirge daheim. Es hat fast zwei Jahre gedauert, bis ich ihn bei uns gefunden habe", erinnert er sich. Und nicht nur das: Die kleinste einheimische Eulenart ist sogar sehr gut vertreten. "Heuer habe ich 24 Reviere gefunden." Bruten dagegen gab es nur drei. Das liegt einerseits daran, dass es inzwischen sehr schwierig sei, die Höhlenbäume, in denen sich der Sperlingskauz um seinen Nachwuchs kümmert, ausfindig zu machen. Ein Hinweis ist laut Schmidbauer der typische Auswurf unterhalb der Höhle am Fuße des Baums. "Vor 30 Jahren war der Waldboden weitgehend frei von Bewuchs. Jetzt gibt es viele Buchenjungtriebe und so weiter", erklärt er.

Anspruch auf Vollständigkeit erhebt Hans Schmidbauer aber ohnehin nicht. Er könne nur dort etwas kartieren, wo er Spuren findet, wo er Rufe hört. Er schätzt, dass er den Bestand von Sperlings- und den Rauhfußkauz zu etwa 90 Prozent erfasst hat. "Bei den Spechten sind es zwischen 60 und 70 Prozent", erklärt er mit Blick auf die "stolze Bilanz": "Die Bestände sind relativ gut. Ich hoffe, der Forstbetrieb kann dieses Niveau halten. Höhlenbaumschutz allein wird dabei aber nicht reichen", appelliert er und regte an, in manchen Gebieten auf den Einsatz von Harvestern zu verzichten und diese allein für die Natur zu reservieren. "Einige Aspekte aus Ihrem Vortrag sind uns neu. Zum Beispiel, dass die Aspe auch ein Brutbaum ist. Wir werden das berücksichtigen", sagt Bichlmeier. Sie bedankt sich bei Hans Schmidbauer für sein großes Engagement - und bei Egon Knott, der spektakuläre Fotos der Eulen und Spechte zu der Präsentation beigesteuert hat. ‹ŒFoto: Schmied