Ingolstadt

Wenn es unerträglich laut wird

Stadt plant Lärmaktionsplan und will dazu die Bürger befragen

19.06.2019 | Stand 02.12.2020, 13:42 Uhr
Lärmschutzwände, wie hier an der B16a, sollen den Verkehrslärm für Anwohner erträglich machen. −Foto: Eberl

Ingolstadt (peh) Die Stadt Ingolstadt plant einen Lärmaktionsplan, mit dem die inzwischen bereitstehenden Daten in konkrete Maßnahmen überführen.

Die Umsetzung erfolgt in zwei Schritten, so Umweltreferent Rupert Ebner vor der Presse. Eine Bürgerbefragung (geplant von Mitte Juli bis Ende September) soll Hinweise auf besonders störend empfundene Schallquellen und Ideen für entsprechende Gegenmaßnahmen erbringen. Die Stadtverwaltung werde die Vorschläge aufgreifen und entsprechende Aktionen einleiten. In einer zweiten Öffentlichkeitsbeteiligung wird die Planung den Bürgern vorgestellt, die dann nochmals aufgefordert werden, Stellung zu nehmen und die Planung zu kommentieren.

Mit Beginn der Bürgerbeteiligungen soll auf der Internetseite der Stadt ein Link freigeschaltet werden. Die Abfrage erfolgt über einen vom Bayerischen Umweltministerium gestalteten Fragebogen. Der Teilnehmer kann besonders störende Schallquellen und für wirksam erachtete Maßnahmen per Kreuzchen markieren. Das Umweltreferat lege darüber hinaus besonderen Wert darauf, dass auch individuelle und vom starren Schema des Fragebogens abweichende Ideen in die Betrachtung eingestellt werden können. Bürgerinnen und Bürgern, die keinen PC haben, werden die Bögen auf Anfrage zugesandt.

Ein Rechtsanspruch auf die Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen besteht allerdings nicht. Die Stadt will die Vorschläge dennoch so weit wie möglich aufgreifen und sich bei zukünftigen Vorhaben daran orientieren. Ebner dämpfte bereits im Vorfeld allzu große Erwartungen: "Die Ergebnisse der Befragung werden nicht eins zu eins umgesetzt werden. " Hintergrund des Projekts ist die Tatsache, dass sich viele Bürger hilflos Lärm ausgesetzt fühlen. Daher hat die damalige Europäische Gemeinschaft 2002 die EG-Umgebungslärmrichtlinie erlassen, die 2006 in deutsches Recht übergeführt wurde, so Ebner. Der Gesetzgeber hatte unter anderem festgelegt, dass Ballungsräume mit mehr als 100000 Einwohnern bis Mitte 2012 eine Lärmkartierung zu erstellen haben. Als kartierungswürdig werden danach Hauptverkehrsstraßen mit einer durchschnittlichen täglichen Verkehrsstärke (DTV) von 8250 Fahrzeugen und Haupteisenbahnstrecken mit 82 Zügen am Tag gesehen. Ein Lärmbrennpunkt liege dann vor, wenn mindestens fünfzig Personen einem über 24 Stunden gemittelten Schallpegel von 67 dB(A) und einem über die Nachtzeit gemittelten Pegel von 57 dB(A) ausgesetzt sind.

"Der Straßenverkehrslärm ist fristgerecht kartiert worden. Auch ein erstes in fünfjährigem Turnus zu erstellendes Update liegt vor", so Ebner. Als Service für ihre Bürger hat die Stadt Ende vergangenen Jahres unter http://ingolstadt. laermkarten. de/ interaktive Lärmkarten ins Netz gestellt, die nicht nur Hauptverkehrsstraßen, sondern das gesamte Straßennetz bis hinunter zur kleinsten Sackgasse, Bahnlärm, sowie auch Gewerbelärm und Sportanlagenlärm umfassen. Wie Ebner einräumt, handle es sich dabei aber nicht um gemessene, sondern um errechnete Werte.