Haimpfarrich

Wenn der Moderator probeklatschen lässt

In Haimpfarrich sichern sich viele Zuschauer schon Stunden vorher einen Platz ganz nah an der Laufstrecke

17.07.2016 | Stand 02.12.2020, 19:32 Uhr

Yvonne van Vlerken hetzt nicht an den Helfern vorbei. Sie nutzt die Chance, nach den Strapazen am Kanal durchzuatmen. - Foto: Bader

Haimpfarrich (HK) Organisation ist alles: Die Helfer haben die Verpflegungsstation in Haimpfarrich noch gar nicht aufgebaut, da kommen schon die ersten Zuschauer. Im Fahrradanhänger bringen sie eine Kiste Bier, mehrere Decken und einen Sonnenschirm mit und sichern sich gleich mal den besten Platz an der Haimpfarricher Laufstrecke.

Doch auch viele andere wollen den ersten Triathleten in Haimpfarrich durchlaufen sehen und sind mehr als eine Stunde vorher da. Fahrräder stapeln sich über Fahrräder. Roller steht neben Roller. Das einzige Auto ist ein weißer Jeep, der sich direkt am Kanal einen Platz gesichert hat.

"Können wir jetzt schon mal probeklatschen", fragt der Moderator. Und auch wenn ein paar unwillig den Kopf schütteln, machen sie dann doch mit. Auch bei der La Ola, die er gleich im Anschluss zweimal üben lässt. Lilli Wagenbüchler, eine der Helferinnen, lässt sich davon nicht beirren, schiebt die Becher mit Wasser, Gemüsebrühe, Iso-Getränken und Cola auf den Biertischen zusammen, damit sie sie gleich bei der Hand hat, wenn der erste Läufer kommt. Und sie ist extra aus Nürnberg gekommen, um in Haimpfarrich helfen zu dürfen. "Ich muss einfach hier sein, da siehst du die Triathleten hautnah, da kriegst du Gänsehaut."

Der erste Kampfrichter kommt auf dem Fahrrad an, brüllt erst mal die Leute an der Verpflegungsstation zusammen. "Los jetzt, Colabecher in die Hand, immer zwei, Wasserflaschen aufdrehen und Schwämme, wir brauchen Schwämme." Er hätte sich die Brüllerei sparen können, die 25 Helfer der Verpflegungsstation stehen schon seit einer halben Stunde mit den Händen an den Bechern in den Startlöchern.

Dann endlich kommt am Kanal Jubel auf. Noch ist von Frodeno zwar nichts zu sehen, doch ein weiterer Kampfrichter auf dem Motorrad und ein Filmteam rollen an. "Klatscht, macht mal ein bisschen Lärm, ihr müsst die Athleten ins Ziel bringen", schreit der Moderator dazwischen. Dann endlich biegt Frodeno von der Strecke am Kanal ein, die Helfer stehen zu beiden Seiten und strecken ihm die Becher entgegen. Die ersten lässt er stehen, greift erst ganz am Schluss zu - und wird keinen Deut langsamer. Seine Verfolger nutzen allesamt die Chance, sich mit Wasser abzukühlen, einige, wie Yvonne van Vlerken, bleiben sogar stehen. Da bleiben viele Zuschauer an ihren Kameras auf Dauerklicken und andere filmen mit dem Handy komplett mit.

Nach dem zehnten Triathleten fällt dem Moderator schon nichts mehr Neues ein, es kommt immer nur noch "Macht mal ein bisschen Lärm" und der denkwürdige Satz: "Wir müssen für alle gleichmäßig klatschen."

Während die meisten Fans jedem einzelnen Athleten frenetisch zujubeln, hat sich ein Mittvierziger schon lange auf die Decke gelegt und hebt den Kopf nur noch, wenn der Jubel besonders groß wird. Und Lilli Wagenbüchler, die inzwischen den x-ten Becher an die vorbeihetzenden Athleten verteilt hat, stellt verwundert fest. "Da sagen einige sogar noch Danke. Ich möchte wissen, wo die die Luft noch hernehmen."