Lampertshofen

Vortrag bei den Heimatforschern

Hiag und Paraxol im Hagenauer Forst: Chemie und Technik im Rückblick nach 75 Jahren

03.01.2018 | Stand 02.12.2020, 17:00 Uhr

Der Stempel "Staatsgeheimnis!" ist ausnahmslos auf allen Bauplänen der Anlagen zu finden, der Stempel eben dieses Bildes stammt von einem Grundriss der Pumpstation Hörzhausen. - Foto: Haas

Lampertshofen (SZ) Beim bevorstehenden Stammtisch der Familien- und Heimatforscher aus dem Schrobenhausener Land hält Wolfgang Haas aus Langenmosen an diesem Freitag, 5. Januar, seinen Vortrag mit dem Titel "Wie funktionierten Hiag und Paraxol im Hagenauer Forst - Eine Recherche zu Chemie und Technik nach 75 Jahren".

Nach 40 Jahren Tätigkeit bei den Standortnachfolgern der Paraxol GmbH, heute MBDA Deutschland GmbH, wollte Wolfgang Haas - seines Zeichens freier Heimatforscher und Hobbyelektroniker - schon damals mehr über die Historie seiner Arbeitsstätte wissen. Schließlich begegnete er doch tagtäglich vielen Relikten, zu denen jedoch niemand nähere Auskunft geben konnte. Nachdem auch kein altes Firmenarchiv ausfindig zu machen war, wuchs bei Haas nach und nach die Neugier. Letztlich gab erst der Ruhestand genügend Zeit und Energie, den Einzelheiten der Standortgeschichte nachzugehen und über halb Europa verstreute Informationen zusammenzutragen und deren Verflechtungen zu ergründen.

Noch heute finden sich im Hagenauer Forst viele Überbleibsel der Rüstungsbetriebe Hiag und Paraxol aus der Zeit des Nationalsozialismus. Vom Beginn der Baumaßnahmen 1938 bis zum Kriegsende 1945 drangen nur spärlich seriöse Informationen an die Öffentlichkeit, schon während der Bauarbeiten überwachte die Gestapo auch das private Umfeld der 800 Bauarbeiter. Aus diesem Grund halten sich auch nach 75 Jahren noch einige Gerüchte im Umfeld des heutigen MBDA-Standorts Schrobenhausen, der bei den Anwohnern noch heute mit dem Synonym "Hiag" belegt ist.

Das gut einstündige Referat vermittelt erstmals einen umfassenden Einblick in die Zusammenhänge der deutschlandweit verteilten Anlagen und die technisch-chemischen Details, so dass auch chemietechnische Laien die Einzelheiten erfassen und verstehen können. Auch die Umweltbilanz, die Tarnung zu Kriegszeiten und die logistische Versorgung des Werks werden Stück für Stück erklärt und unterhaltsam aufbereitet dargestellt. Somit kommt bei diesem Vortrag nicht nur ein historisch interessiertes, sondern auch ein technik- und chemieaffines Publikum voll auf seine Kosten.

Der Vortrag über dieses lokalhistorisch bedeutende Themengebiet beginnt am Freitag, 5. Januar, um 20 Uhr im Gasthaus Felbermaier in Lampertshofen, jeder Interessierte ist herzlich eingeladen. Das Forschertreffen selbst beginnt bereits um 18 Uhr, wie bislang besteht die Möglichkeit, mitgebrachte Sterbebilder einscannen zu lassen.