Gaimersheim
Von null auf drei Instrumente

Jubiläumskonzert: Seit zehn Jahren bildet die Gaimersheimer Jugendblaskapelle ihre eigenen Musiker aus

15.05.2019 | Stand 23.09.2023, 7:00 Uhr
In einem eigenen Raum am Kraiberg treffen sich die Gaimersheimer Musiker an jedem Freitagabend zur wöchentlichen Probe. −Foto: Stephan

Gaimersheim (DK) Die Jugendblaskapelle Gaimersheim feiert an diesem Wochenende ihr zehnjähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert. Dass die Musiker durch harte Arbeit in ihrem Spiel mittlerweile erwachsen geworden sind, beweist ein Besuch bei einer der wöchentlichen Proben im Keller der Kinderwelt am Kraiberg.

Entlang der Wand im Gang liegen jede Menge Instrumentenkoffer. Am Tonwirrwarr aus dem Probenraum ist zu hören, dass die Musiker ihre Flöten, Tuben und Saxophone fleißig einspielen, um gleich beginnen zu können. Sie sitzen - barfuß oder strumpfsockig - in langen Stuhlreihen vor den Notenständern und werfen gut gelaunte Sprüche durch den Raum. Dann gibt Elke Hirtreiter die erste Anweisung. "Wir spielen ein bisschen, dass wir warm werden", kündigt die Dirigentin an und fordert die Bläser zu einer Tonleiter auf.

36 Mitglieder hat die Jugendblaskapelle heute - wobei sie ganz so jugendlich eigentlich gar nicht mehr ist. Einst starteten rund ein Dutzend Kinder und nur zwei Erwachsene unter diesem Namen. "Wir wollten uns vor allem der Jugend und Neuankömmlingen ohne Vorkenntnisse widmen", berichtet Hirtreiter aus der Gründungszeit, als sich Ende 2008 einige Musikanten auf Initiative von Robert König und des Ehepaars Raml zusammengefunden hatten - und zwar ohne Notenmaterial oder Uniform. "Wir hatten keine ausgereifte Besetzung, viele Klarinetten, aber kaum tiefes Blech", erinnert sich die Dirigentin. Kindergärten, Rathaus und Backhaus mussten als Probenräume herhalten. Am 31. Oktober 2009 fand das erste Konzert der Jugendblaskapelle statt. "Das war mutig, nicht nur für die Musikanten", schmunzelt Silvia Halsner, Tubistin und Vorsitzende des 2011 gegründeten Vereins. "Das Publikum wusste ja, dass es uns noch nicht lange gibt."

Ihren Nachwuchs zieht die Kapelle in einer Bläserklasse (12 Mitglieder) und dem Vororchester, den sogenannten Notendratzern (16), heran. Für einen Wechsel zwischen den Gruppen müssen die Musiker Leistungsabzeichen erwerben. "Das Besondere ist, dass alle bei Null anfangen", betont Halsner. "Und zwar nicht nur die Kinder, sondern auch ihre Eltern." Deshalb ist die Jugendblaskapelle laut Hirtreiter nun bunt gemischt. "Sie besteht heute eben aus Jungen und Junggebliebenen." Die älteren Mitglieder seien auf der Bühne deutlich nervöser als die Kinder, verrät die Dirigentin. "Die Erwachsenen machen das aber durch Fleiß wett, manche können mittlerweile sogar zwei oder drei Instrumente spielen."

 

Es herrscht konzentrierte Aufmerksamkeit. Ed Huckebys "Antigua Bay" steht auf dem Programm - bis Hirtreiter die Musiker bei Takt 35 stoppt. "Hier aufpassen, dass wir besser zusammenspielen", bittet sie, ehe sie zum Neustart einzählt. Mit ihrem Stab leitet Hirtreiter die Bläser an, gibt ihnen Schnelligkeit und Lautstärke vor. Die wissen genau, was ihre Dirigentin meint, wenn sie ein "Crescendo" (lauter werdend) oder ein "mezzopiano" (halbleise) verlangt. Während des "Grease"-Medleys legt die Kapelle immer wieder eine Pause ein, um sich abzusprechen. Hirtreiter notiert das Ergebnis auf ihren Notenblättern und hat dann noch eine Ansage parat: "Das tiefe Blech ist heute etwas schleppend", meint sie. "Mehr als mit meinem Steckerl rumfuchteln kann ich auch nicht." Der augenzwinkernde Tadel wirkt: Beim nächsten Versuch ist die Dirigentin zufrieden.


An diesem Wochenende muss schließlich jeder Ton sitzen, wenn die Bläser ihr Jubiläumskonzert spielen. Hirtreiter und Halsner sind jetzt schon stolz auf ihre Kapelle. "Ich weiß genau, welche Kämpfe wir am Anfang gekämpft haben", sagt die Dirigentin. "Umso beeindruckender, wie weit wir in dieser kurzen Zeit gekommen sind."

Das hat auch schon die Bürgermeisterin festgestellt. Mit der Gemeinde unterstützt Andrea Mickel die Kapelle seit Beginn. Wie 2013 mit der Einrichtung der Heimat der Bläser im Keller der Kinderwelt, wo sie nicht nur ihre Ausrüstung lagern und proben können, sondern sich der Gemeinschaft wegen auch mal am Kicker austoben oder Spieleabende organisieren können. Mickel und andere Gemeindevertreter besuchen regelmäßig die Auftritte der Jugendblaskapelle. Und im Zuge eines der großen Herbstkonzerte, auf die sich die Bläser jährlich mit einem Probenwochenende vorbereiten, soll Mickel laut Halsner in Erinnerung an den "schrägen" Premierenauftritt festgestellt haben: "Das ist schon sehr viel besser als beim ersten Mal."

 

Das Jubiläumskonzert der Jugendblaskapelle Gaimersheim mit ihrer Bläserklasse Notendratza zum zehnjährigen Bestehen findet am Sonntag, 19.Mai, ab 17 Uhr in der Aula der Mittelschule statt. Der Eintritt ist frei. Unter dem Motto "Feiern mit Freunden" werden einige Blaskapellen mitwirken, mit denen die Gaimersheimer Musiker im Laufe der Zeit eine enge Verbindung aufgebaut haben. "Es herrscht ein reger Austausch mit umliegenden Kapellen", sagt Vorsitzende Silvia Halsner. So bereichern die Kapellen ihre Feste nicht nur gegenseitig mit Gastauftritten, sondern helfen auch aus, wenn Noten fehlen oder ein Instrumentalist ausfällt. "Bei diesem Jubiläum wollen wir diesen Austausch deshalb feiern", begründet Dirigentin Elke Hirtreiter.

Beim Konzert am 19. Mai werden also die Kolpingia Gerolfing, der Musikförderverein Mailing-Feldkirchen und die Jugendblasmusik Zuchering zu hören sein. Als Höhepunkt ist ein gemeinsames Stück der vier Kapellen vorgesehen.
 

 

FEIERN MIT FREUNDEN

Das Jubiläumskonzert der  Jugendblaskapelle Gaimersheim mit ihrer Bläserklasse  Notendratza zum zehnjährigen Bestehen findet am  Sonntag, 19. Mai, ab 17 Uhr in der Aula der Mittelschule statt. Der Eintritt ist frei.
Unter dem Motto „Feiern mit Freunden“ werden einige  Blaskapellen mitwirken, mit denen die Gaimersheimer Musiker im Laufe der Zeit eine enge Verbindung aufgebaut haben. „Es herrscht ein reger Austausch mit umliegenden Kapellen“, sagt Vorsitzende Silvia Halsner. So bereichern die Kapellen ihre Feste nicht nur gegenseitig mit Gastauftritten, sondern helfen auch  aus, wenn  Noten fehlen oder ein Instrumentalist ausfällt. „Bei diesem Jubiläum wollen wir diesen Austausch deshalb feiern“, begründet Dirigentin Elke Hirtreiter.
Beim Konzert am 19. Mai werden also die Kolpingia Gerolfing, der Musikförderverein Mailing-Feldkirchen und die Jugendblasmusik Zuchering zu hören sein. Als Höhepunkt ist ein gemeinsames Stück der vier Kapellen vorgesehen.

Tanja Stephan