Eichstätt

Von Klinikneubau bis zum Bürgerentscheid

Linke diskutiert online über die Gesundheitsversorgung im Landkreis Eichstätt

14.05.2021 | Stand 19.05.2021, 3:33 Uhr
Eva Bulling-Schröter von den Linken. −Foto: Luff

Eichstätt - Fast zwei Stunden diskutierten Gesundheitsexperten ganz unterschiedlicher Couleur auf Einladung der Linken am Mittwochabend im Zoom-Meeting über die drohenden Vorschläge zu einer möglichen Umstrukturierung der Kliniken Eichstätt und Kösching, die unlängst für Furore gesorgt hatten. Der im Kreistag präsentierte "Zukunftsplan" der Managementberatung Oberender AG hatte mit der darin enthaltenen Option der Schließung der beiden Kliniken und deren Ersetzung durch einen Neubau nahe der Ingolstädter Stadtgrenze bekanntlich eingeschlagen wie eine Bombe.

Umso notwendiger erschien es den Organisatoren, dieses Gutachten und die Gesundheitsversorgung im Landkreis mit Experten zu diskutieren. Neben einem Bundestagsabgeordneten nahmen daran auch Kreis-, Bezirks- und Stadträte sowie Ärzte und eine Krankenpflegerin teil. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dominik Eigner, der den Kreis Eichstätt im Kreisverband der Linkspartei vertritt.

Die Skepsis der Linken gegenüber dem Wirtschaftsgutachten betonten dabei mehrere Experten in ihren Statements. Kreisrat Markus Pflüger, ehemaliger Leiter einer Ingolstädter Behinderteneinrichtung, referierte noch einmal die Eckpunkte des Gutachtens, das neben der oben genannten Option eines Neubaus auch die Fortführung des bisherigen Status Quo sowie eine optimierte Zwei-Standort-Lösung mit einem Ausbau beider Häuser zu Ambulanzzentren nennt.

Dass sich allerdings in der Gesundheitsversorgung im Kreis etwas ändern muss, stand für Pflüger fest, denn die sinkende Bettenauslastung in kommunalen Kliniken sorgt deutschlandweit für rote Zahlen. Die Spezialisierung und Ambulantisierung des Klinikbetriebs gehen damit ebenso zulasten der kommunalen Häuser wie der Fachkräftemangel, der auch und gerade die Ärzteschaft betrifft. Pflüger warnte: "Wir laufen sehenden Auges in ein dramatisches Ärztedefizit hinein."

Ähnliche Tendenzen wusste der Nürnberger Bundestagsabgeordnete Harald Weinsberg, zugleich Obmann der Linken-Fraktion im Gesundheitsausschuss des Bundestags, aus dem Gesundheitswesen seines Wahlkreises zu berichten. Die im Gutachten genannte stärkere Beteiligung der Kliniken an der ambulanten Versorgung der Bevölkerung erachtete Weinsberg als notwendig und sinnvoll. Auch sei notfalls der Neubau einer Klinik besser zu bewerkstelligen als eine aufwändige Bestandssanierung, die sich - wie im Beispiel des Klinikums Ansbach zu sehen - oft über ein Jahrzehnt hinzieht und den Klinikbetrieb stört. Für die Situation im Landkreis mahnte der Abgeordnete auf jeden Fall die Erhebung eines Alternativgutachtens an.

Aus Sicht der Landeshauptstadt konnte der Münchner Stadtrat und Fraktionsvorsitzende Stefan Jagel die Situation beleuchten. Trotz des deutlich höheren kommunalen Aufwands sei die Situation durchaus vergleichbar, denn auch in München schreiben die Kliniken rote Zahlen, obwohl sie zu 80 Prozent die Lasten der derzeitigen Pandemie tragen müssten. Ein Finanzausgleich auf Landes- und Bundesebene sei also für die Kommunen dringend geboten. Für die Eichstätter Situation hielt er zudem den Tipp bereit, in einen konstruktiven Dialog mit den Bürgern einzutreten und gegebenenfalls einen Bürgerentscheid auf den Weg zu bringen, an den dann auch der Kreistag gebunden wäre.

Einen interessanten Einblick in die Situation aus der Perspektive einer am Klinikum Kösching beschäftigten Krankenpflegerin bot schließlich die Sicht von Bezirksrätin Stefanie Kirchner, die nach einer überstandenen Corona-Infektion noch nicht wieder vollständig arbeitsfähig ist. Kirchner beklagte das allerorten fehlende Personal und sprach sich für einen Erhalt beider Standorte aus: "Wir würden gerne beide Kliniken halten, brauchen aber mehr Anreize für das Personal."

In der abschließenden Diskussion meldeten sich auch der Eichstätter ÖDP-Stadtrat Willi Reinbold, Grünen-Kreisrat Manfred Muthig und die frühere Bundestagsabgeordnete der Linken Eva Bulling-Schröter zu Wort. Wenn auch die Situation im Landkreis durchaus unterschiedlich beurteilt wurde, so waren sich die Diskussionsteilnehmer doch darin einig, dass trotz der nötigen Reformen eine flächendeckende Gesundheitsversorgung im Landkreis Eichstätt höchste Priorität habe und ein rein ökonomischer Blick nicht dazu geeignet sei, die Probleme zu lösen.

EK

Robert Luff