Von den schönen Donauweibchen

13.08.2019 | Stand 02.12.2020, 13:17 Uhr
Sie liebt die Donau und ihre Wassergeister: Ulrike Mommendey aus Unterstall bei Neuburg hat viele Geschichten entdeckt und erzählt sie weiter. −Foto: Eberl

Mythen, Märchen und Legenden - unsere Region ist voll davon. Ulrike Mommendey kennt viele Geschichten über Wasserwesen. Um sie geht es in dieser Folge unserer Sommerserie "sagenhaft".

Kaum eine weiß so viel von den Sagen und Mythen über Wasserwesen wie sie: über die betörend schönen Donauweibchen oder den mächtigen Donaufürsten, der am Grunde des Flusses in seinem Palast lebt. Märchenerzählerin Ulrike Mommendey kennt auch den Grund, warum die Donaufluten nicht mehr blau erscheinen, sondern grün und trüb. Mit ihren Geschichten aus jenen Zeiten, als die Menschen noch an Naturgeister glaubten, schlägt sie Zuhörer immer wieder in ihren Bann. Die Donaumärchen spiegeln dabei das ambivalente Verhältnis der Anrainer zum Fluss wider. "Das Wasser war ein lebensspendendes, wohltuendes Element", so Mommendey. "Die Menschen zollten der Donau jedoch auch großen Respekt und fürchteten sich vor Hochwasser."

Ihre Spurensuche nach Sagen, Mythen und Geschichten über die Donaugeister war mühsam: "Zwei Jahre habe ich geforscht, und die Quellen waren rar", erzählt Ulrike Mommendey. Ihr ist immer wichtig, dass es einen lokalen Bezug gibt. "Und dass ich die Geschichten lebendig und blumig erzählen kann. Das ist bei Sagen oft schwierig, denn sie sind meist sehr rudimentär."

Die Wasserwesen, so verrät die Märchenerzählerin, stammten aus einer anderen, fremden Welt. "Aber sie sehnen sich danach, zu den Menschen zu kommen - vor allem dann, wenn Musik erklingt und getanzt wird. Es gelingt ihnen jedoch nicht, dauerhaft Fuß zu fassen, und so bleiben sie in ihrer Welt zurück." Das Wasser empfindet sie als weiches, sanftes, spielerisches Element, das jedoch auch unheimlich und zerstörerisch wirken kann.

Besonders angetan haben es Mommendey die weiblichen Wesen - die Donauweibchen. Für sie sind es Nymphen von zauberhafter Schönheit, deren wallendes Haar bis hinab zu den Fersen reicht. "Man erkennt sie daran, dass ihr Rocksaum immer nass ist." Das Auffälligste jedoch sind ihre strahlend-blauen Augen - sie verliehen der Donau einst ihre blaue Farbe.

Die Schönheit der Donauweibchen weckte oft den Neid der Menschen, aber es kam auch vor, dass sich ein junger Bursche in eine von ihnen verliebte - nennen wir sie Rosalie. Er hatte mit ihr getanzt, doch dann verschwand sie, und er ging zum Fluss, um sie zu suchen. "Dort hörte er ein silber-perlendes Plätschern", so die Märchenerzählerin. Er folgte dem Geräusch und entdeckte die Nymphen, die an Weidenästen schaukelten. Dabei streiften ihre Füße das Wasser und erzeugten jenes Plätschern. Der Bursche trat näher, unter seinen Fuß knackte ein Ast und schreckte die Nymphen auf. Sie tauchten ab. Der Bursche musste bestraft werden und wurde dem Donaufürsten vorgeführt. Er versprach, Rosalie zu heiraten und nicht zu verraten, wo die Wassergeister leben. Doch sein Tod war beschlossen, und die Donaugeister flohen ins Schwarze Meer. "Darum ist die Donau nicht mehr blau", erzählt Mommendey.

Dass der Fluss Menschen verschlungen hat, kam immer wieder vor. Die Donau war in früheren Zeiten ja kein gezähmter, in Beton und Stein gezwängter Strom wie heute, sondern hatte viele Nebenarme, und ihre Strömungen und Wirbel waren tückisch. Fischer und Schiffer ertranken - und daher ranken sich viele Sagen und Mythen um die Donaugeister. So wie jene Geschichte, der zufolge sich der Donaufürst einst in ein Mädchen verliebte und sie hinab in sein nasses Reich holte. Sie trug kein Kreuz, das sie schützte. Der Vater schlug in seiner Verzweiflung mit dem Ruder nach dem bösen Wassermann und erwischte ihn an seiner Krone, die in viele Teile zersprang. Ohne seine Krone hatte er keine Macht mehr. Daher suchte der Donaufürst bei Nacht am Ufer nach seinen funkelnden Edelsteinen, und wenn er einen Menschen traf, dann stieß er ihn ins Wasser.

Gerne erzählt Ulrike Mommendey auch von der Teufelsmauer. Der Teufel war erbost über die Frömmigkeit der Menschen in Ingolstadt und wollte die Stadt mit ihren Kirchen überschwemmen. Dazu fasste er den Plan, die Donau zu stauen. Aber er brauchte Hilfe dabei und suchte sich einen einfältigen Bauern. Das war der Högl-Bauer. Der sollte alle Hähne kaufen und töten. Denn wenn der Teufel nachts an der gewaltigen Staumauer baute, so war seine ganze Arbeit dahin, wenn am Morgen die Hähne krähten.

In diesen Tagen herrschten im Land eine Dürre und Mäuseplage. Der Teufel erklärte dem Högl-Bauern, dass die Überschwemmung auch die Mäuse aus ihren Löchern vertreiben und die Felder wieder fruchtbar machen würde. Gesagt, getan: Mit einem Säckchen voller Golddukaten vom Teufel zog der Bauer los, kaufte alle Hähne und drehte ihnen die Hälse um.

Daheim berichtete er stolz seiner Frau von seinen Taten und von dem Gold, das ihm übrig geblieben war. Und von der Teufelsmauer. Die Bäuerin war aber viel schlauer als ihr Mann und durchschaute die bösen Absichten des Teufels. "Sie hatte noch selber einen Hahn und eilte sofort zur Donau, wo sie schon das gewaltige Rauschen und Donnern hörte", erzählt Mommendey. "Schnell ließ sie den Hahn krähen - und in dem Moment fiel die Mauer in sich zusammen. Vor Wut schleuderte der Teufel die Trümmer umher - man kann die Donausteine heute noch bei flachem Wasser erkennen."

Wer jetzt neugierig auf mehr Geschichten von Donaugeistern ist, der kann am Samstag, 24. August, nach Ingolstadt kommen: Am Pflanzen-Labyrinth im Klenzepark (gleich beim Fußgängersteg) erzählt Ulrike Mommendy, singt und spielt dazu auf der Gitarre. Beginn ist um 19 Uhr.

Suzanne Schattenhofer