Grösdorf

Vier Engerl und eine Gans

Kirchenführung durch Sankt Martin und Sankt Salvator in Grösdorf

09.12.2020 | Stand 13.12.2020, 3:33 Uhr
Das Deckengemälde in der Filialkirche Grösdorf stammt von Franz Hartmann aus Partenkirchen. −Foto: Ettle

Grösdorf - Ein Engerl blättert in einem Buch, drei andere halten einen Bischofsstab und eine Stola.

Sie schauen aufmerksam in die Runde, ebenso wie eine Gans im Vordergrund des Deckengemäldes. Es ist schon erstaunlich, welch ansprechende Kunstwerke für so manche kleine Dorfkirche geschaffen wurden, wie in diesem Fall für die Filialkirche Sankt Martin in Grösdorf.

Wertvoll ist, dass für diese Filialkirche, die zur Pfarrei Kipfenberg gehört, ein Kirchenführer geschrieben wurde, in dem auch die danebenstehende Kapelle Sankt Salvator aufgenommen wurde. Verfasser ist der Kipfenberger Historiker Elmar Ettle, der für seine Arbeit zahlreiche Archivalien sichtete und so eine fundierte geschichtliche Abhandlung schuf.

Allein die Deckengemälde sind einen Besuch in dem Gotteshaus wert. Sie wurden laut Rechnung aus dem Jahr 1911 vom Kunstmaler Franz Hartmann aus Partenkirchen geschaffen.

"Grösdorf gehört zu den ältesten Orten der Großgemeinde Kipfenberg", ist zu lesen. Im Oktober 910 bestätigte König Ludwig das Kind verschiedene Kauf- und Tauschgeschäfte mit dem Eichstätter Bischof. Welch seltsame Wege geht doch oft die Geschichte: Im Jahr 1458 war Grösdorf eine Pfarrei, hatte aber keinen Ortspfarrer und wurde seelsorgerisch von der Pfarrei Ilbling betreut.

Die Statuen Sebastian, Martin und Wolfgang am Hochaltar "sind einfache ländliche Figuren mit reichlich goldener Fassung" schreibt Elmar Ettle. Auf Nebenaltären findet sich die Statue von Willibald und auf dem Marienaltar eine Muttergottes im Strahlenkranz. Bildnisse mit kostbarem Rahmen stellen die Muttergottes, den heiligen Josef und die heilige Gertrud dar.

Eine "Kriminalgeschichte" rankt sich um die beiden Glocken von Sankt Martin. Wie Ettle schildert, sollten sie im Zweiten Weltkrieg zu Kanonen gegossen werden und man brachte sie zur Sammelstelle am Kipfenberger Bahnhof. Ein mutiger Mann schaffte sie beiseite und rettete sie so für die Grösdorfer. Der Name des "Diebes", der das äußerst gefährliche Unternehmen wagte, ist der Kirchenverwaltung bekannt.

Am Kriegsende im Mai 1945 gab er die Glocken dem überraschten Pfarrer zurück. Durch viele Details und Hintergrundgeschichten ist der Kirchenführer informativ und kurzweilig zu lesen. Das Büchlein hat zahlreiche Archivfotos; die aktuellen Bilder sind von Elmar und Josef Ettle.

Elmar Ettle: "Filialkirche Grösdorf", 56 Seiten. Erhältlich bei Kirchenpfleger Valentin Braun unter Telefon (08465) 1560. Es kostet vier Euro.

EK