Nürnberg

VGN bremst Gehbehinderte aus

Verkehrsverbund Großraum Nürnberg verbietet E-Scooter für Behinderte in Bussen und Straßenbahnen

08.01.2016 | Stand 02.12.2020, 20:21 Uhr

Nürnberg (HK) In öffentlichen Bussen und Straßenbahnen dürfen sogenannte „E-Scooter“ in Franken neuerdings nicht mehr mitgenommen werden. Der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) verteidigt die Änderung seiner Beförderungsrichtlinien mit dem Hinweis auf Sicherheitsrisiken.

Kritik äußern inzwischen nicht nur Betroffene.

Aus Sicherheitsgründen hat der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) die bei gehbehinderten Menschen beliebten E-Scooter ab dem 1. Januar aus Bussen und Trambahnen im gesamten Verbundgebiet verbannt. Elektrische Rollstühle und Rollatoren seien weiterhin zulässig, verteidigt Manfred Rupp, der Sprecher des Verkehrsverbundes, die Entscheidung. Die Beförderungsbestimmungen seien geändert worden, um Unfälle mit den markanten Elektromobilen in Bussen und Trambahnen zu vermeiden.

Viele Betroffene können die Entscheidung des Verkehrsverbundes offensichtlich trotzdem nicht nachvollziehen und wehren sich dagegen. Ein 67-jähriger Nürnberger alarmierte die SPD-Stadtratsfraktion, als er von der neuen Beförderungsrichtlinie hörte. Durch das Mitnahmeverbot befürchtet der Betroffene eine erhebliche Einschränkung seiner Bewegungsfreiheit. Bislang sei der behinderte Mann mit seinem Elektrogefährt immer mit Bus und Bahn in die Nürnberger Innenstadt gefahren, berichtet SPD-Fraktionschef Thorsten Brehm. „Uns verblüfft die Entscheidung der Verkehrsverbundes“, sagt Brehm. Schließlich passe das Verbot nicht zum bayernweiten Einsatz für eine erhöhte Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr.

Die Verkehrsbetriebe verweisen darauf, dass die „E-Scooter“ nicht komplett ausgeschlossen würden. Die Mitnahme von Elektromobilen in U- und S-Bahnen sei weiterhin erlaubt. Im Schienenverkehr sei die Gefahr von Vollbremsungen wesentlich geringer als auf der Straße, erklärt VGN-Sprecher Manfred Rupp. Die Elektrogefährte hätten aufgrund ihrer Konstruktion einen relativ hohen Schwerpunkt. Im Vergleich zu Rollstühlen beispielsweise könnten diese Mobilitätshilfen für Behinderte relativ schnell umkippen.

Das letzte Wort scheint in der Frage derweil noch nicht gesprochen. Die SPD will das Thema demnächst im Verkehrsausschuss des Nürnberger Stadtrates diskutieren. Sogar der Verkehrsverbund setzt auf ein neues Gutachten zum Thema. Dann wolle man erneut mit den über 100 angeschlossenen Verkehrsunternehmen im VGN das Thema diskutieren, kündigte Rupp an.

Bis dahin ist die Mitnahme von E-Scootern in Bussen und Straßenbahnen von Lichtenfels im Norden bis Treuchtlingen im Süden nicht mehr gestattet. Die Zahl der E-Scooter im VGN-Gebiet ist nicht bekannt.