Pfaffenhofen

Verborgener architektonischer Schatz

Die Deckenmalerei im Kraft-Haus war lange weitgehend unbekannt - Nun ist die Sanierung fast abgeschlossen

01.03.2019 | Stand 02.12.2020, 14:32 Uhr
Die größte Besonderheit im Balthasar-Kraft-Haus ist das Erkerzimmer mit seiner Deckenbemalung. In jeder Ecke ist eine der Kardinaltugenden abgebildet. −Foto: Wenisch

Pfaffenhofen (PK) Das Balthasar-Kraft-Haus in der Scheyerer Straße war lange Zeit ein verborgener architektonischer Schatz mitten in Pfaffenhofen. Am 1. Mai sollen die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sein. Danach soll die historische Deckenmalerei mindestens einmal jährlich für alle Bürger zugänglich sein.

Noch sieht es überall nach einer gewöhnlichen Baustelle aus. Kabel hängen von der Decke, Eimer stehen herum, Staub hängt in der Luft. Doch dann tritt man durch eine alte Holztür und kommt in einem Raum, der sich doch sehr vom restlichen Haus abhebt. Freilich, auch hier ist es staubig, der Boden ist abgedeckt und ein Schreiner ist gerade am Werk. Aber statt im sonstigen Baustellen-Weiß-und-Grau dominieren hier Grün-Töne.
 

Das sogenannte Studiolo - ein architektonischer Schatz mitten in Pfaffenhofen, der lange Zeit verborgen geblieben war - hat im 19. Jahrhundert der Künstler Balthasar Kraft als Präsentationsraum genutzt und es selbst gestaltet. Vor allem die Deckenmalerei im Stil der Neurennaissance mit den vier Tugenden Gerechtigkeit, Weisheit, Frömmigkeit und Eintracht in den vier Ecken sei für Denkmalschützer eine Besonderheit, sagt die Vorsitzende des Heimat- und Kulturkreises Pfaffenhofen, Ursula Beyer. Das Zimmer mit eingebautem Erker liegt im Gebäude an der Scheyerer Straße 10 - dem Balthasar-Kraft-Haus. Derzeit wird es vom neuen Besitzer, dem Bauingenieur Wolfgang Eichenseher, saniert. Am 1. Mai sollen die Arbeiten fertiggestellt sein und die Mieter einziehen.
 

Ihm sei wichtig gewesen, dass das Haus eine halböffentliche Nutzung erhalte und der ein oder andere Pfaffenhofener es so auch von innen zu sehen bekomme, sagt Eichenseher. Ins Erdgeschoss wird es daher künftig Co-Working-Plätze geben, in die beiden oberen Stockwerke zieht ein Planungsbüro ein. Das Studiolo soll dort zum Besprechungszimmer werden, sodass Besucher die historische Deckenbemalung bewundern können. Zudem sei mit den künftigen Mietern vereinbart, dass das Zimmer am Tag des offenen Denkmals im September für alle Interessenten zugänglich gemacht werden soll, denn es handle sich um einen Schatz, der den Pfaffenhofenern nicht vorenthalten werden solle. "Das ist ein Wunder, dass das so erhalten ist", sagt Eichenseher. Dass die Vorbesitzer wenig gemacht hätten, sei in diesem Fall ein Segen.
 

Aber trotz der prachtvollen Gestaltung des Raums geriet dieser lange Zeit in Vergessenheit. Nur die Fassadenfiguren des Gebäudes seien noch unter Denkmalschutz gestanden, bis die Behörden auf das Zimmer aufmerksam wurden, berichtet Ursula Beyer. Seit 2016 ist das gesamte Gebäude geschützt. Eichenseher sieht das inzwischen positiv. Anfangs habe er Interesse am Gebäude gehabt, obwohl es ein Denkmal ist. Gekauft habe er es letztlich aber, weil es ein Denkmal ist.
 

Gebaut wurde das Haus, das direkt am Kreisel in der Scheyerer Straße liegt, um 1820. Im Jahr 1857 kaufte es laut Beyer Balthasar Kraft, der sich vor allem als Erschaffer von Altarbildern, Heiligen Gräber und mechanischen Kulissengräbern einen Namen gemacht hatte. Bis 1907 blieb das Gebäude in Familienbesitz, es folgten mehrere Verkäufe unter anderem an einen Kaufmann sowie an einen Bäcker.

Der Raum im ersten Stock aber sei stets beinahe unverändert geblieben, sagt Eichenseher. So seien neben dem Deckengemälde, das so gut erhalten war, dass es nur gesäubert und die Farben aufgefrischt werden musste, unter anderem auch historische Türen, Türstöcke oder das alte Parket noch vorhanden. Im übrigen Gebäude seien im Zuge einer Sanierung in den 60er oder 70er Jahren dagegen einige historische Gegebenheiten verschwunden. Eichensehers Ziel aber ist es, das Gebäude möglichst originalgetreu zur Zeit Krafts zu rekonstruieren. So wurden im Obergeschoss etwa kleine Rundfenster wieder eingebaut, die zuletzt zugemauert waren. Auch Simse oder alte Fensterformate wurden wieder hergestellt. "Wir haben viel Detektivarbeit geleistet", sagt der Bauingenieur. "Hier steckt schon viel Herzblut drin."

Zusätzlich gab es aber auch einige Modernisierungen. Ein neues Lüftungssystem wurde installiert, die IT-Technik erneuert und das Dach energetisch saniert. Neben dem historischen Gebäude hat Eichenseher zudem noch einen modernen Anbau angeschlossen, der ganz bewusst mit dem Stil des Haupthauses bricht. "Was neu ist, soll als solches auch zu erkennen sein", sagt er. Dass der Einzugstermin am 1. Mai gehalten werden kann, davon ist Eichenseher überzeugt: "Es sieht ja immer bis zum letzten Moment nach Baustelle aus."
 

Daniel Wenisch