Laibstadt

Unterwegs mit dem Naturpark-Ranger

Heimatverein Laibstadt auf Exkursion nach Rabenreuth - Staunen über die Artenvielfalt

18.09.2020 | Stand 02.12.2020, 10:32 Uhr
Norbert Herler
Naturpark-Ranger Manfred Bauer (r.) zeigt seinen Laibstädter Gästen die Vielfalt von Fauna und Flora im südlichen Landkreis. −Foto: Herler

Laibstadt/Rabenreuth - Einen kurzweiligen Nachmittag erlebten die Teilnehmer einer vom Heimatverein Laibstadt organisierten naturkundlichen Exkursion auf den Ruppertsberg mit dem Naturpark-Ranger Manfred Bauer.

"Meistens denken die Leute nur an das Altmühltal selbst, wenn vom Naturpark die Rede ist, dabei ist das Schutzgebiet insgesamt größer als das Saarland", erklärte Bauer. Gerade der südliche Landkreis Roth biete mit dem schwarzen, braunen und weißen Jura eine große Vielfalt und Variation, die sich in Flora und Fauna widerspiegeln würden.

Gleich zu Beginn der Wanderung, die in Rabenreuth begann, machte Bauer auf uralte Kopfweiden aufmerksam. "Solche Prachtexemplare habe ich im ganzen Naturpark noch nicht gesehen. " Allerdings wies er darauf hin, dass die Kopfweiden regelmäßig geschnitten werden müssten, da der Stamm innen mit den Jahrzehnten meist morsch und hohl werde, und übermäßig stark herangewachsene Äste diesen auseinander brechen können.

Weiter ging es durch den schaurig schönen Wagenschreck, eine Art Sandsteincanyon, dessen höchste Felsformationen zu beiden Seiten des Weges bis zu 15 Meter hoch senkrecht ansteigen. Hier machte der Naturpark-Ranger auf kleine Trichter im Sandboden aufmerksam. "Es sind die vom Ameisenlöwen gebauten Fallen. Kommt eine Ameise zu nahe an den Rand, rutscht sie unweigerlich in die Tiefe, wo dann schon der Ameisenlöwe auf seine Mahlzeit wartet. "

Oben auf dem Ruppertsberg angekommen konnte Ernst Rabus aus Rabenreuth zur Bewirtschaftung dieser Fläche in früheren Zeiten einiges erzählen. "Die Menschen hatten früher sehr wenig und so wurde jede noch so karge Fläche genutzt, um darauf Getreide oder andere Lebensmittel anzubauen", erklärte Rabus. Die Ernte wurde dann mit Ochsen- und Kuhgespannen den Wagenschreck hinunter nach Rabenreuth gebracht - eine nicht ungefährliche Aktion, woher der Weg auch seinen charakteristischen Namen habe. Neben den Äckern befand sich auf dem so genannten Hort, der Flurname rührt vom hochdeutschen Hardt her, womit früher eine Viehweide bezeichnet wurde, der Gemeinde-espan von Rabenreuth. "Hier wurden vor allem die Kühe und Schafe geweidet. Dafür wurden ein Hirte und ein Schäfer von der Gemeinde angestellt, die den Tag über für die Tiere verantwortlich waren. "

Das hatte auch Auswirkungen auf die Natur. "Durch diese über die Jahrhunderte beibehaltene Praxis entstand hier ein wunderbarer, bis heute erhaltener Kalkrasen, genauer gesagt eine Glatthaferwiese in verschiedenen Ausprägungen, ein Magerrasenmosaik mit zum Teil sehr gut ausgestatteten Pflanzengesellschaften", sagte Naturpark-Ranger Bauer. Solch ein schützenswertes Biotopgebiet fasziniere mit einem außergewöhnlichen Artenreichtum. Die hier heimischen Spezialisten aus dem Pflanzenreich seien sowohl naturschutzfachlich als auch kulturhistorisch bemerkenswert. Bauer konnte dabei nur einen kleinen Teil vorstellen, wie Pimpinelle, Zypressenwolfsmilch, wilder Thymian, Kratzdistel, Natternkopf, Sonnenröschen oder Augentrost. Für viele überraschend war auch das zahlreiche Vorkommen von Silberdisteln. Auch einige Wacholder hatten auf der Freifläche Fuß gefasst. Der Artenreichtum zeigte sich zudem an einer Vielzahl von Tieren, wie die verschiedensten Schmetterlinge und Wildbienen zeigten. Sogar drei Blindschleichen wurden gesichtet.

HK

Norbert Herler