Zum

Untertunnelung bringt nichts

06.10.2016 | Stand 02.12.2020, 19:13 Uhr

Zum Ingolstädter Verkehrsentwicklungsplan:

Laut dem Verkehrsentwicklungsplan wird der Ansatz verfolgt, die Münchener Straße an der Kreuzung mit der Ringstraße zu untertunneln. Das würde positive Auswirkungen auf den motorisierten Individualverkehr (MIV) und den öffentlichen haben - bescheinigt die Beratungsfirma Inovaplan. Richtig! Aber, sollten die Planungen zu dieser Untertunnelung weiterverfolgt werden, wird eine der am besten gelösten Knotenpunkte rund um den Radverkehr hier in Ingolstadt zu einer der größten Barrieren degradiert werden.

Von Innovation keine Spur. Wer als Radfahrer vom MIV abgekoppelt dieses Drehkreuz benutzt, um die Münchener Straße von Ost oder West oder die Ringstraße aus Süd oder Nord kommend zu queren, wird sich in Zukunft eine andere Variante suchen müssen. Wer glaubt, dass man an dieser Stelle den Radverkehr mittels Brücken oder Tunneln leiten kann, soll sich ein Blatt Papier und einen Bleistift nehmen und wird schnell feststellen, dass einzig und allein der MIV noch schneller fließen wird.

Für Fußgänger und Radfahrer wird dieser Ort unüberwindbar werden. Die letzten Mutigen, die sich überhaupt noch auf ein Fahrrad setzen, wird dieser Verkehrsknotenpunkt letztendlich auch zurück ins Auto drängen. Diese Untertunnelung wird nichts anderes bewirken als eine weitere punktuelle Beschleunigung des Verkehrs. Gleichzeitig wird sie noch mehr Geisterradler produzieren.

Da wird der vom Autoverkehr gehasste Radfahrer auf den Donauradweg ausweichen müssen. Und wer das schon mal an der Schlosslände ausprobiert hat, wird in Gedanken sanft verzweifeln. Da nimmt man dann eben die Route vorbei am zukünftigen Müllhaus vom Kongresshotel, da wo zwischen Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger die kleinste Geige der Welt regiert. Ja, wie hat es ein Stadtrat vor Kurzem so treffend beschrieben: "Des wird nix Gscheits!"

Gut, dann machen wir weiter so, die "Baukultur" wurde schon abgeschafft, Städtebau hingegen findet erst gar nicht statt. Vor 20 oder 30 Jahren haben uns Straßen noch verbunden, heute trennen sie uns. Die Autoindustrie predigt das vollpilotierte Fahren als neues Mantra, während man sich nur einmal an eine Kreuzung hinstellen muss und einen tiefen Zug nehmen sollte. Aber lassen wir das, die Deutschen wissen mal wieder von nichts. Jedenfalls ist jetzt im Wohnungsbau die neue Losung: "Bauen, Bauen, Bauen", am besten nach oben. Das ist urplötzlich möglich, da man all die Jahre bis in das Jahr 2015 hinein alle Warnungen aus den Fachkreisen des Städtebaus erfolgreich ignoriert hatte. Hoffentlich sind die Kugelschreiber bei der nächsten Wahl an einer längeren Kette befestigt.

Christian Paulus, Ingolstadt