Unter Wasser und in luftiger Höhe

Audi fördert das ungewöhnliche Münchner Festival Out of the box

09.01.2020 | Stand 02.12.2020, 12:14 Uhr
Eine Luftnummer? Alain Roche musiziert in der Vertikalen. −Foto: Sion

München - Das Spektakuläre ist beim Festival Out of the box im Münchner Werksviertel zum Prinzip erhoben.

Selbstbewusst erzählt die Künstlerische Leiterin Martina Taubenberger von Unikaten, Erstaufführungen, noch nie dagewesenen Events. Etwa dem Projekt "Piano vertical" des Pianisten, Designers und Komponisten Alain Roche. Der Künstler wird in einer Art atemberaubendem Stunt zusammen mit seinem Konzertflügel an einem Kran hängend hoch in der Luft schweben und dabei ein Konzert geben. Das ungewöhnliche an dem Konzept: Das Konzert wird genau dort stattfinden, wo München auf dem Pfanni-Gelände sein neues, bereits heiß diskutiertes Konzerthaus für die BR-Symphoniker errichten wird. "Wir sind stolz darauf, das erste Konzert im neuen Konzertsaal zu veranstalten, den es noch gar nicht gibt", freut sich Taubenberger.


Die drei geplanten Konzerte werden vor Sonnenaufgang stattfinden (am 24., 25., 26. Januar), die Komposition soll den Geist urbanen Lebens atmen und den Baulärm, die für das Werksvierte typische Klangkulisse, verarbeiten. Vor allem aber soll damit das "Konzerterlebnis auf den Kopf gestellt werden", sagt die Festivalleiterin.

Begeisterung für das Festival herrscht auch bei Audi. Der Konzern wird das Festival, das heuer in die zweite Runde geht, finanziell fördern. Für Brigitte Urban, verantwortlich für das Audi-Kulturengagement, passt das interdisziplinäre Format perfekt zu dem Automobilbauer. Denn es gehe um urbanes Leben der Zukunft, im Werksviertel und natürlich auch bei Out of the box. Deshalb engagiere sich Audi dort auch bereits mit dem Mobilitätsdienst "Audi on Demand" und einem Pop-up-Store zur Elektromobilität. Eröffnet wird das Festival bereits ziemlich winterlich heute, weitere Termine gibt es am Wochenende. Der norwegische Perkussionist Terje Isungset wird auf dem Dach des Werk3 zusammen mit anderen Musikern auf Instrumenten musizieren, die ausschließlich aus Eis gefertigt wurden: Schlagzeug, Horn, Tuba, Bass. Dazu wurden Eisblöcke vom Weißensee in Österreich herantransportiert. Mit industriell gefertigtem Eis lassen sich keine schön klingenden Instrumente anfertigen, erzählt der Künstler, warum, wisse er auch nicht. Aber auch das Eis aus dem See ist nicht verlässlich und klingt immer wieder unterschiedlich.

Wie bei fast allen Veranstaltungen des Festivals geht es auch hier um einige der größten Herausforderungen unserer Zeit, um Klimawandel und Nachhaltigkeit, Ökologie und Digitalisierung. So arbeitet der Musiker Terje Isungset seit Jahren bereits mit Gletscher- und Klimawissenschaftlern zusammen. Allerdings sollen diese Themen in einem kulturellen Zusammenhang sinnlich erfahrbar werden. Es gehe darum, das "Unmittelbare, Archaische und Emotionale herauszuarbeiten".

So ist ein weiteres Highlight des Veranstaltungsreigens die Produktion "Aquasonic" des dänischen Ensembles Between Music. Die Musiker spielen ihre Konzerte in einzelnen, isolierten Boxen, vollständig umgeben von Wasser (am 31. Januar und 1. Februar). Ungewöhnlich ist auch die Installation "Shrink" des belgischen Choreografen Lawrence Malstaf am 25. und 26. Januar in der WhiteBox. Ein Performer tanzt dabei zwischen Plastikfolien, während allmählich die Luft abgesaugt wird - ein klaustrophobisches Ereignis. Bei dem allerdings niemand ersticken wird, wie Taubenberger glücklicherweise zu verstehen gibt.

Weiterhin ist eine Podiumsdiskussion zum Klimawandel geplant, Workshops und ein experimentelles Kinder- und Jugendprogramm soll ebenfalls angeboten werden. Stets geht es dabei nicht nur um Kultur, sondern vor allem auch um gesellschaftliche Relevanz.

Karten gibt des bei muenchenticket. de. Weitere Informationen unter outofthebox. art.

Jesko Schulze-Reimpell