Eichstätt

Unitas: Religionen und Satire

Unitas Frankonia beschäftigte sich mit dem Thema "Wie gehen Religionen mit Satire um"

25.06.2015 | Stand 02.12.2020, 21:09 Uhr

Eichstätt (lis) Zur Feier des 55. Stiftungsfests hatte der Wissenschaftlich-Katholische Studentenverein Unitas Frankonia zu Eichstätt Aktivitas und Altherrnschaft eingeladen. Der Verein beschäftigte sich mit Satire im Spannungsverhältnis zu Religionen.

Nach der Sitzung des Altherrnvereins begann die Festveranstaltung mit einem Gottesdienst, den Pfarrer Michael Krüger im Willibaldschor des Doms zelebrierte. Die Festkneipe im Wirtshaus Zum Gutmann schlug Senior Mathias Stüeken. Sebastian Weißgerber begrüßte als Festredner über das Thema „Wie gehen Religionen mit Satire um“ den Religionswissenschaftler Martin Rötting.

Dieser ist Mitbegründer des Instituts Occurso für interreligiöse und interkulturelle Begegnung, in dessen Rahmen der Dialog mit dem Buddhismus, aber auch mit dem Islam gesucht wird. Er erklärte, dass Satire als eine Art Transportmittel der Verständigung im interreligiösen Lernen dienen könne. Er begrenze seine Ausführungen auf die Karikatur. Unter Bezug auf den Anschlag auf die französische Satirezeitschrift „Charly Hebdo“ wegen Mohammed-Karikaturen stelle sich die Frage, wo Grenzen überschritten würden. Rötting führte auf einen Streifzug über Religion und Humor, der eindrucksvoll von Bildern unterlegt war und aufzeigte, wie Karikatur im Sinne der Grenzüberwindung zwischen Religionen fungieren könne.

Im Christentum habe es in vergangenen Jahrhunderten die Tradition des „Osterlachens“ gegeben. Dieser Brauch am Ostersonntag in den Kirchen herzlich zu lachen, sei Ausdruck der Freude über die Auferstehung Jesu. Im Islam gelte das Verbot des lauten Lachens. Das Bilderverbot lasse keine Witze über Religion zu. Allerdings existierten heute durchaus antijüdische Karikaturen.

In Bezug auf das Judentum verwies Rötting auf die Badchonim-Sprüche und für den Buddhismus auf den Schuhe vertauschenden Zen-Meister Sung-Sahn. Letzterer habe seine Mitbrüder im Kloster zum Lachen bringen wollen, da dieses den ersten Schritt zur Erleuchtung darstelle. Im Islam werde Humor in der Gestalt des Hoca Nasreddin, einer Art islamischen Eulenspiegels, verkörpert.

Wie weit darf Meinungsfreiheit gehen und wann kommt es zu Grenzverletzungen durch Satire? Kann Karikatur auch etwas Positives zum interreligiösen Dialog beitragen? Diesen Fragen ging Rötting anhand eindrucksvoller Illustrationen nach, beispielsweise von Comics Kopftuch tragender Frauen. Die Berliner Muslima Soufeina Hamed kreiere Webcomics, um gegen Vorurteile anzukämpfen. Fazit Röttings: Humor sei in der Spiritualität der Religionen ein wichtiger Faktor, der in der Form der Karikatur als subtiler Kritik an Missständen erlaubt sein müsse.