Hettenshausen

Unermüdlicher Einsatz

Augenarzt Winfried Grasbon reist zum 45. Mal nach Afrika, um Patienten zu helfen

02.11.2017 | Stand 02.12.2020, 17:16 Uhr

Winfried Grasbon mit dem sechsjährigen Francis, der erfolgreich an beiden Augen operiert wurde.

Hettenshausen (PK) Vor gut einem Monat ist Winfried Grasbon wieder nach Afrika gereist: Der Augenarzt brach damit zu seiner 45. Operationsreise auf. Unterstützt wird die Aktion von der Afrika-Blindenhilfe Hettenshausen.

Ziel des Einsatzes war erneut - wie schon im Februar und März - das Krankenhaus in Mpanda im Nordwesten Tansanias. Die Katavi-Region rund um diese Hauptstadt zählt zu den ärmsten Gegenden des Landes. Hier gibt es für etwa 1,2 Millionen Menschen keinen Augenarzt, der operieren kann - die Zahl der Patienten mit Grauem Star ist entsprechend hoch.

Vier Tage dauerte die Anreise. Grasbon hatte dieses Mal Unterstützung aus Hettenshausen dabei: Gemeinderat Richard Stampfl reiste mit nach Tansania. Bereits im Vorfeld war Dr. Msangama, der als Augenarzt im Regional-Hospital von Mpanda arbeitet, jedoch nicht operativ tätig ist, in der Region unterwegs. Er konnte eine grobe Vorauswahl treffen, sodass bereits viele Patienten auf den "Bavarian Eyedoctor" warteten. Auch durch Aufrufe in den Kirchen und im Radio sowie durch die Teammitglieder vor Ort sind die Leute informiert worden. Dabei gab es erfahrungsgemäß nicht nur Patienten mit Grauem Star, sondern auch mit Dornen oder Holzsplitter im Auge sowie andere Notfälle.

Bei dieser Einsatzreise machte Grasbon am 25. September seine 5000. Augenoperation in Afrika. Ein besonders rührender Fall war ein sechsjähriger Junge, der auf beiden Augen erblindet war. Als er zur Operation aufgerufen wurde, war er nicht zu finden. Seine Mutter war mit ihm heimgefahren, da sie kein Geld für die Unterkunft und Verpflegung hatte. Doch glücklicherweise hatte Stampfl den Jungen bei der Voruntersuchung fotografiert und konnte nach dem Jungen, von dem nur der Vorname und die Wohngegend bekannt waren, gesucht werden. Und tatsächlich: In einem Dorf erkannte jemand die Mutter des Jungen auf dem Foto und zeigte ihnen den Weg. Schließlich konnten Stampfl und sein Team die beiden zurück nach Mpanda ins Hospital bringen, wo er am nächsten Tag von Grasbon erfolgreich an beiden Augen operiert wurde. Nun kann der Junge in seiner Dorfgemeinschaft ein normales Leben führen und die Schule besuchen.

Insgesamt konnte Grasbon mit Unterstützung des erfahrenen afrikanischen Teams bei diesem Einsatz 85 Augenoperationen und mehr als 200 ambulante Behandlungen durchführen.

Die Rückfahrt von Mpanda nach Sumbawanga wurde durch einen Unfall überschattet. Ein offenbar betrunkener Einheimischer kam ihnen auf der Fahrspur entgegen. Ein Frontalzusammenstoß konnte zwar verhindert werden, doch das Auto wurde dabei so sehr beschädigt, dass eine Weiterfahrt nicht möglich war. Verletzt wurde niemand. Der örtliche Bischof und die Benediktiner aus Uwemba halfen mit einem Auto aus. Sprichwörtlich im letzten Moment erreichten die beiden Ärzte ihren Heimflug nach Deutschland.

Nun bereitet sich Grasbon auf seinen 46. Blindenhilfeeinsatz seit 1991 in Afrika vor. Er führt ihn wieder in den Westen Tansanias. Mit diesem Einsatz stieg die Gesamtzahl der von ihm in Afrika durchgeführten Augenoperationen auf 5049 an. Hinzu kommen insgesamt über 12 100 ambulante Behandlungen.

Der Einsatz für die Blinden in Tansania ist dank der vielen Spender und Gönner der "Afrika-Blindenhilfe Hettenshausen e. V." möglich. Wer die Hilfe unterstützen möchte, kann einen Spendenbetrag auf das Konto der Sparkasse Pfaffenhofen, IBAN DE28 7215 1650 0000 0119 08, überweisen. Dabei sollten Namen und Adresse angegeben werden. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.afrika-blindenhilfe.de.