Hilpoltstein

Überzeugung und unbändige Kraft

Die Hilpoltsteinerin Fanny Seitz wird heute in Ansbach mit dem mittelfränkischen Sportpreis geehrt

13.11.2019 | Stand 02.12.2020, 12:37 Uhr
Rainer Messingschlager
  −Foto: privat (3), Messingschlager

Hilpoltstein (HK) Wer in den jüngsten sechs Jahrzehnten in Hilpoltstein irgendetwas mit Turnen und dem TV zu tun hatte, dem ist Fanny Seitz zweifelsohne ein Begriff.

Aber auch darüber hinaus, im gesamten Turngau Mittelfranken und auch auf Bayernebene hat sie ihre Spuren hinterlassen. Am heutigen Donnerstag erhält die Hilpoltsteinerin in Ansbach den Sportpreis Mittelfranken.

Es ist freilich nicht der erste Preis, den die 73-Jährige in ihrer langen Schaffensphase erhalten hat. Da sind Ehrennadeln mit Brillanten, Ehrenmedaillen in Gold, das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten, die Ehrenmedaille des Kultusministeriums für Verdienste im Sport und nicht zuletzt die Ehrenmitgliedschaft im Hilpoltsteiner Turnverein.

Mit dem TV hat es vor fast 60 Jahren auch begonnen. Alfons Böll hielt damals die Mädchenturnstunde. Fanny war 14, Vorturnerin und half bereits beim Halten der Stunde mit. "An Wettkämpfen habe ich natürlich auch mitgemacht", sagt sie. Unerlässlich für alle im Bereich des Sportes Tätigen. "Wenn man das intensiv macht, dann muss man Wettkämpfer sein, das gilt auch für Übungsleiter. "

Verantwortung im Sport übernehmen, andere anleiten, sie unterstützen, das hat sie also schon sehr früh gemacht - und es auch schnell professionalisiert. Mit 17 nahm sie an der Sportschule in Grünwald an einem Lehrgang teil - und traf dort zwei weitere Hilpoltsteiner, von denen einer ein Studium zum Sportlehrer machte. "Das war auch mein Wunsch. " Aber sie war die Älteste von vier Kindern einer alleinerziehenden Mutter. "Ich musste arbeiten. " Sie habe dem jungen Sportlehrer von ihrem Ansinnen erzählt und der habe einfach gesagt: "Dann mach es halt. "

Und sie tat es. "Ich arbeitete weiter, sparte mir von meinen 120 Mark jeden Monat 100", erzählt Fanny Seitz. So hatte sie genug zum Studieren - und in den Semesterferien wurde weitergearbeitet. Als fertige Lehrerin und Übungsleiterin trainierte sie die Mädchen - aber es dauerte nicht lange und die erste neue Gruppe beim TV Hilpoltstein war geboren.

"Ich wollte, dass eine Frau jeden Tag eine Stunde Sport treiben kann", sagt Seitz. Dass dies schnell Realität wurde, lag laut Seitz auch an einer Besonderheit des TV. "Da konnten Frauen schon immer mitreden. " Sie habe hier auch nie gehört, dass jemanden sagte, "ihr Frauen mit eurem Gehupfe". "Bei uns mussten auch die Fußballer erst einmal in die Turnstunde. "

Die Fußballer - ihr Mann Manfred war damals Trainer der Ersten - spielten im Übrigen auch einmal gegen die Frauen. Überhaupt sei beim TV sehr viel gesellschaftlich gelaufen, sagt Fanny Seitz. Man denke nur an die vielen großartigen Faschingsbälle oder die mannigfaltigen Beteiligungen am Burgfest. Wer heute die Fahnenschwinger sieht, die hatten ihre Vorgänger in Frauen mit Bändern. Auch der Renaissancetanz hat seinen Ursprung bei Fanny Seitz und dem TV. Bis dato wurde beim Burgfest im Dirndl getanzt.

Im Lauf der Jahre kamen weitere Gruppen und Kurse dazu: Mutter-Kind-Turnen, Jazztanz (als erster Verein im Gau), Step Aerobic, Seniorentraining, Stuhlgymnastik, Krafttraining als Sturzprophylaxe (Fit und standfest) und, und, und. "Das war und ist eigentlich typisch für den TV Hilpoltstein", sagt Fanny Seitz. "Wir bieten uns immer wieder als Lehrgangsort für Neuheiten an und richten auch Meisterschaften aus. " Man könne größere Veranstaltungen nur dann machen, wenn der Verein eine bestimmte Größe und genügend Helfer habe. "Der TV war immer offen für Gau, Bezirk und Land, so waren wir stets auf dem neuesten Stand. "

Nun war und ist Fanny Seitz nicht nur jemand, der anpackt und vorantreibt, sie schweigt auch nicht, wenn etwas ihrer Meinung nach verbesserungswürdig ist. "Man kann sich nicht wegducken, wenn es darauf ankommt, das geht nicht", sagt sie. Zudem ist wohl schon sehr früh aufgefallen, dass die junge Sportlehrerin "etwas Ahnung" hat, "dann ist man schnell dabei". 1968 war sie schon stellvertretende Gaujugendwartin, später fiel dann das stellvertretend weg.

Das Gleiche folgte ab 1986 mit dem Gauvorsitz, erst stellvertretend, dann an der Spitze - es kamen mehr als 20 Jahre zusammen, in denen sie das Ruder in der Hand hielt. Auf Landesebene war sie stellvertretende Vizepräsidentin und Landesfachwirtin für Seniorenturnen. "Diese lange Liste zeigt, wie viel sie für das Turnen, für den Verband und den Verein getan hat. Sie hat alle diese Aufgaben mit absoluter Hingabe, mit Überzeugung und mit unbändiger Kraft und schier nicht endendem Engagement ausgeführt", heißt es in einer Laudatio von Jens Habermann, dem Nachfolger von Fanny Seitz im Turngau.

Seit März ist nun Schluss mit den Ämtern, auch den Stellvertreterposten. Was allerdings nicht Stillstand bedeutet. Denn da gibt es ja noch die Wanderabteilung, die Sitzgymnastik, Gymnastik für die Hochaltrigen und Seniorentischtennis. Nicht zu vergessen die vielen Enkel, von denen einer erst die Tage Furore machte: Simon Weber holte sich den U11-Bezirkstitel im Tischtennis. Das Sportgen hat Fanny Seitz also nicht nur an ihre Kinder, sondern auch an die Enkel vererbt.

Rainer Messingschlager