Neuburg

Tigerstreif am Horizont

Neuburger Militärverband ist seit gut fünf Jahren Mitglied in der Association der Nato

07.02.2022 | Stand 11.02.2022, 3:35 Uhr
Florian Szczepanek
Der erste Tiger des Geschwaders: Schon 2011 hat der Neuburger Militärverband einen ersten Eurofighter mit Tigerflosse ausgestattet. −Foto: Szczepanek

Neuburg - Im Frühsommer 2021 haben die Soldatinnen und Soldaten des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 in Neuburg das 60-jährige Bestehen des Verbands, der 1961 mit dem ersten Appell begann, gefeiert.

Neben diesem Jubiläum fand aber noch ein zweites statt - seit mittlerweile fünf Jahren ist das Geschwader Vollmitglied in der Tigers-Association der Nato. Dieser Jahrestag spielt für das Geschwader und seinen Auftrag eine zunehmend wichtige Rolle.

Idee besteht seit mehr als 60 Jahren

Die Nato-Tigers sind eine Idee, die es exakt so lange gibt wie den Verband, nämlich seit 1961. Hintergrund war die Überlegung mehrerer Geschwader-Kommandeure aus Frankreich, Großbritannien und den USA, das Training zu verbessern, um für den Ernstfall gerüstet zu sein. Daher entstand die Idee, zusammen zu trainieren und dadurch den aktiven Austausch der Piloten und der Wartungsmannschaften untereinander, die Kooperation und den Zusammenhalt zu stärken. Durch einen Zufall nahmen an diesem ersten Treffen drei Staffeln aus den USA, Großbritannien und Frankreich teil, die alle eine große Raubkatze als Wappen führten, womit der Name Tiger Meet geboren war.

Aus dieser Idee entstand über die Jahre eine der größten Hochwertübungen der Nato, die im jährlichen Turnus von einem der Mitglieder ausgerichtet wird und sich durch komplexe realistische Szenarien und vor allem den Tiger-Spirit auszeichnet. "Einmal im Jahr findet eine größere Übung statt, bei der man miteinander und gegeneinander fliegt und sich im Rahmen der Übung austauscht", erklärt der Neuburger Kommodore Gordon Schnitger. Alle Teilnehmer identifizieren sich laut dem Oberst mit dem Tiger-Spirit des gemeinsamen Übens und Austauschens.

Um teilnehmen zu können, muss das jeweilige Geschwader oder eine Staffel Mitglied bei den Nato-Tigers sein. An dieser Stelle kommt der bayerische Aspekt ins Spiel. Bei der Bundeswehrreform 2011 erfolgte auf politischer Ebene die Entscheidung, das benachbarte Jagdbombergeschwader 32 in Lechfeld mit seinen Staffeln, den 321 Lechfeld Tigers und den 322 Flying Monsters aufzulösen. Da die erste Staffel seit 1994 Mitglied bei den Tigers war, erkannten der damalige Neuburger Staffelkapitän Marc Grüne und Jan Gloystein, damals Kommandeur der Fliegenden Gruppe, eine Möglichkeit die Tiger-Tradition nach Neuburg zu holen. Mit der Übernahme wäre immerhin die jährliche Teilnahme am Tiger-Meet möglich.

Nach Zustimmung höherer Stellen erfolgte im März 2013 der Appell, bei dem das Geschwader den Beinamen Bavarian Tigers annahm. Gleichzeitig erfolgte der formelle Antrag bei den Nato-Tigers um Aufnahme. Um diesen bisher rein administrativen Akt zu unterstreichen, wurde nur wenige Wochen später ein Eurofighter erstmals mit einem Tigerheck verziert und eine Delegation bestehend aus insgesamt drei Maschinen sowie Piloten und Mannschaft unter Leitung von Rafael Klaschka reiste über das mittlere Wochenende des Tiger-Meets zum Ausrichtungsort nach Orland in Norwegen. Nie zuvor hatte ein Verband als Anwärter eine Maschine im Tigerdesign gestaltet. Der im Folgejahr 2014 vollständig lackierte Jet für das Tiger-Meet in Jagel wurde dort als schönste Maschine prämiert - ein weiterer Ausdruck des Interesses des Verbands, aber auch eine Bestätigung für das Geschwader.

Der formell wichtige Meilenstein folgte im Mai 2016: Das Neuburger Geschwader wurde offizielles Vollmitglied bei den Nato-Tigers. Im Unterschied zu den meisten anderen Verbänden ist das komplette Geschwader Mitglied, womit auch die Traditionen der beiden Staffeln, 741 Falken und 742 Zapata, erhalten bleiben. Gleichzeitig erhielt das Geschwader den Namen Bavarian Tigers - und eine Idee.

"Wir versuchen den Tiger-Spirit, den wir aus Lechfeld übernommen haben, auszuleben. Dadurch entsteht Identifikation, ein Zusammenhalt - ausgedrückt durch die Maschine, mit dem besonderen Zusammenhang des Tiger-Spirits." Die zu jedem Tiger-Meet neu gestaltete Maschine hat dabei eine besondere Bedeutung. Schnitger verweist auf die "symbolische Wertschätzung, die das Geschwader dadurch hat". Die Maschinen sind daher sowohl nach außen und gegenüber den anderen Tigerstaffeln als auch nach innen zur Integration im Geschwader von Bedeutung.

Teilnahme an Übung in Griechenland geplant

Auf den ersten Tiger und den bereits erwähnten Bronze-Tiger folgten unter anderem der Cyber-Tiger, der Atlantic-Tiger sowie der Ghost-Tiger, wobei alle Maschinen das Tiger-Thema in immer neuen Variationen darstellten. Die für 2021 gestaltete Maschine, der Bavarian-Tiger, wurde aber im Hinblick auf beide Jubiläen gestaltet.

Trotz Vorarbeiten und erfolgter Planung konnten die Bavarian Tigers im Jubiläumsjahr nicht am Tiger-Meet teilnehmen, da die Lage die Verlegung nach Beja in Portugal nicht zuließ. Für die Übung heuer in Griechenland ist die Teilnahme mit einer neuen Tiger-Maschine fest eingeplant.

DK

Florian Szczepanek