Ingolstadt

Terror überschattet Volkstrauertag

Entsetzen und Fassungslosigkeit bei den Gedenkfeiern

15.11.2015 | Stand 02.12.2020, 20:33 Uhr

In Gedanken in Paris: Auf der Treppe vor dem Historischen Rathaus erinnern Blumen und Kerzen an die Opfer der Terroranschläge von Paris. Auch Sarah Gösch (17) und Jasmin Gitschner (16) aus Ingolstadt halten kurz inne. - Fotos: Hauser

Ingolstadt (DK) Der Volkstrauertag stand gestern ganz im Zeichen der Terroranschläge in Paris. Redner als auch Teilnehmer der Gedenkfeiern waren bestürzt, teils auch sprachlos angesichts von mindestens 129 Todesopfern.

Der Ingolstädter Oberbürgermeister Christian Lösel zeigte sich am Samstagvormittag in einer ersten Reaktion gegenüber dem DONAUKURIER erschüttert von den Ereignissen in Paris. Auswirkungen auf Ingolstadt oder Bayern gebe es derzeit keine, auch wenn ein mutmaßlicher Komplize der Attentäter bereits Anfang November bei Rosenheim verhaftet worden ist. „Es ist besonders schlimm, wenn die Zivilbevölkerung so schwer in Mitleidenschaft gezogen wird“, so Lösel. Frankreich sei in den vergangenen Wochen und Monaten in Sachen Terror immer wieder im Fokus gestanden. Die Anspannung im Land war vor allem nach den Anschlägen auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ im Januar allgegenwärtig. „Das ist eine sehr schwere Situation für die französischen Bürger“, so Lösel, der auch bei der zentralen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag im Luitpoldpark an die Toten der Terroranschläge erinnerte. Der katholische Dekan Bernhard Oswald rief dazu auf, für die Opfer zu beten. Er schloss auch all die Menschen ein, die im Nahen Osten Opfer von Gräueltaten wurden.


Auch Bürgermeister Sepp Mißlbeck gedachte bei der Gedenkfeier am Pionierdenkmal der Opfer von Paris. Er berief sich auf den französischen Innenminister Bernard Cazeneuve, der von einem „Krieg in anderer Form“ gesprochen hat, mitten unter uns und genauso gefährlich.

Viele Teilnehmer der Gedenkfeiern waren auch Tage nach den Anschlägen noch sichtlich erschüttert und sprachlos. „Da fällt einem einfach nichts mehr ein“ oder „Man weiß einfach nichts, was man sagen soll“, waren Äußerungen, die mehrfach zu hören waren. „Das kann man alles noch gar nicht richtig realisieren“, sagte eine Musikerin des Ingolstädter Blasorchesters, das die zentrale Gedenkfeier im Luitpoldpark begleitete. Auch die Erinnerungen an den 11. September und die Anschläge in New York wurden bei einigen Menschen wieder wach.

Schwierig ist die Suche nach Gründen. „Die sind dann immer ziemlich schnell mit Erklärungen bei der Hand“, sagte ein skeptischer Musiker, der von voreiligen Lösungen nichts hält. Auch der anhaltende Zustrom von Flüchtlingen wurde mehrfach angesprochen, wobei kaum jemand einen direkten Zusammenhang sah. „Aber Deutschland wird sich verändern“, so eine Prognose. Richtige Angst vor einem solchen Terroranschlag in Deutschland haben offenbar die wenigsten. „Respekt, aber keine Angst“, sagte eine junge Frau. Doch kaum einer wollte ausschließen, dass sich so etwas nicht auch in Deutschland ereignen könnte. „Man kann nur froh sein, dass am Oktoberfest nichts passiert ist“, erinnerte ein Mann an das nach wie vor ungeklärte Attentat 1982. Eine Frau bringt es auf den Punkt: „Bei aller Fassungslosigkeit: Man darf sich von der Angst nicht unterjochen lassen.“