Ingolstadt

Tanz in den Mai

Mitreißendes Frühjahrskonzert des Ingolstädter Kammerorchesters

29.04.2018 | Stand 02.12.2020, 16:29 Uhr
Oboist George Kobulashvili trat mit dem Ingolstädter Kammerorchester im Festsaal auf. −Foto: Foto: Weinretter

Ingolstadt (DK) In seinem Frühjahrskonzert stellte das Ingolstädter Kammerorchester am Samstagabend im Festsaal eindrucksvoll unter Beweis, dass auch ohne die ganz großen Komponistennamen, dafür mit einer kunstvoll zusammengefügten Vortragsfolge ein glanzvoller Konzertabend gelingen kann.

Mit dem Konzert für Oboe und Orchester in a-Moll von Hugo Schuncke, einem thüringischen Komponisten des 19. Jahrhunderts, kam eine wahre Perle zur Aufführung. Das dreisätzige Werk ist dem klassisch-romantischen Schema verpflichtet: ein Allegro-Kopfsatz, ein pastorales, idyllisches Andante und ein rhythmisch packender Bolero in Rondoform. Der Solist George Kobulashivili meisterte technisch anspruchsvolle Stellen mit Bravour, glasklarer Artikulation und höchstem Gestaltungswillen, mal fein schwelgend, mal virtuos prägnant. Begleitet wurde er von einem bestens agierenden und fulminant wirkenden Orchester. Das Publikum belohnte diesen "Tanz" auf der Oboe mit frenetischem Applaus.

Eingestimmt hatte das Orchester in den Konzertabend, der vorwiegend der Romantik gewidmet war, mit Jean Sibelius' "Andante festivo". Die Festkantate präsentierte das Orchester im Wechsel zwischen feinen und kraftvollen Streicherklängen. Unter der stringenten Leitung von Dirigentin Kathrin Schiele-Kiehn kulminierte das Orchester zu einem souverän gesetzten Schlussakkord.

Rhythmisch präzise boten die Streicher nach der Pause den ersten Satz "Boisterous Bourrée" von Benjamin Brittens "Simple Symphony". Schwungvoll akzentuierte das Orchester mit perlenden, pochenden Klängen den zweiten Satz "Playful Pizzicato", der ganz wie vom Komponisten gewünscht für Erheiterung im Publikum sorgte. Mit seiner zart fühlenden, geradezu elegischen "Sentimental Saraband" setzte Britten einen Stimmungswechsel, der dem Orchester ebenso mühelos gelang wie der letzte Satz "Frolicsome Finale".

Unter einem engagierten Dirigat präsentierte das Orchester atmosphärisch dicht die tänzerische Leidenschaft in Gabriel Faurés "Masques et Bergamasques", einer Bühnenmusik aus der Commedia dell'arte. Voller Empathie nutzte das Orchester die ganze Klangfülle von Faurés Pavane opus 50, gestaltete die mitreißende, romantische Melodie mit Ohrwurmcharakter mit Leidenschaft und setzte damit einen gelungen Schlusspunkt, der mit lang anhaltendem Applaus gewürdigt wurde.