Ingolstadt

Suche nach letzten Schnäppchen

29.12.2009 | Stand 03.12.2020, 4:22 Uhr

Ausverkauf: Woolworth schließt am Donnerstag. Der Schussverkauf ist für das Personal noch nicht das endgültige Aus, seine Anstellung in der Transfergesellschaft wurde um einen Monat verlängert. - Foto: Stadik

Ingolstadt (DK) Die Kundschaft auf Schnäppchenjagd steht zufrieden Schlange an den Kassen. Langjährige Verkäuferinnen hingegen haben Tränen in den Augen: Beim endgültigen Schlussverkauf in der Ingolstädter Woolworth-Filiale ist die Bandbreite der Emotionen groß.

Meterweise sind die Regale im Erdgeschoss des Traditionshauses ausgeräumt. Zwischen den nackten Kleiderständern suchen die Kundinnen und Kunden nach den letzten Waren, die in der 1975 eröffneten Filiale des insolventen Vollsortimenters Woolworth angeboten werden. Bei Hochzeits- und Abschiedskarten etwa gibt es noch eine Auswahl an Motiven. Die Trauerkarten jedoch sind bereits ausverkauft. "Wie geht es Dir", fragt denn auch eine junge Kundin. "Ach ja, nicht so gut", antwortet eine Verkäuferin und schluckt den Kloß im Hals hinunter.

Die letzten Tage in dem zentralen Kaufhaus in der Ingolstädter Fußgängerzone sind zum Jahreswechsel 2010 angebrochen. Die Rabattschlacht nach Weinachten ist beinahe beispiellos: 98 Prozent Abschlag gibt es etwa auf Plastiksonnenbrillen aus dem Wühltisch. Eine Haarspange kostet vier Cent – und selbst das reicht manchen noch nicht: "Kann ich die Spange nicht für einen Cent haben", fragt die Kundin an der Kasse. Einige nehmen Bons in Empfang, die fast einen Meter lang sind, da jeder einzelne der Rabatte auf Rabatte einzeln ausgewiesen wird. Und so geht ein Bestseller-Taschenbuch, das vormals 6,95 Euro gekostet hat, nun für 2,08 Euro über den Tresen.

Des einen Freud’, des anderen Leid: Bis zur Schließung am Donnerstag arbeiten die Verkäuferinnen und Kassiererinnen freundlich und zügig weiter, obwohl ihre berufliche Zukunft zum Teil sehr ungewiss ist. Bis Ende Januar sind die verbliebenen 49 Beschäftigten in einer Transfergesellschaft angestellt, die beim Eintritt in das Insolvenzverfahren am 1. Juli gegründet wurde. Auf diese einmonatige Verlängerung haben sich der Woolworth-Insolvenzverwalter Ottmar Hermann und der Gesamtbetriebsrat des Unternehmens kurz vor Weihnachten geeinigt. Manche Mitarbeiter erhalten so noch einmal im neuen Jahr bis zu 80 Prozent des bisherigen Nettogehalts. Doch dann droht die Arbeitslosigkeit.

"Bei Stellenangeboten im Handel können wir nicht aus dem Vollen schöpfen", bedauert Astrid Kutz, Vize-Chefin der Arbeitsagentur Ingolstadt. "Aber es kommen durchaus Angebote herein", betont die stellvertretende Agenturleiterin und verspricht: "Wir unternehmen alles, um den Betroffenen auch in der Region passende Angebote zu machen." Ungewiss ist schließlich auch die Zukunft des Gebäudes in der Ludwigstraße. Bekannt ist, dass der New Yorker Finanzinvestor Cerberus Capital Management als Eigentümer einen Berliner Projektentwickler engagiert hat, um die 1a-Lage in Ingolstadt zu vermarkten. Erste Gespräche mit der Stadtverwaltung haben bereits stattgefunden.