(ada)

Stadtgeflüster vom 3. August 2013

02.08.2013 | Stand 02.12.2020, 23:49 Uhr

(ada) Alle wollten sein wie er. Sein Stil und seine Prachtentfaltung überstrahlten alles bisher Gekannte. Ludwig der XIV., König von Frankreich, war prägend für seine Zeit und lange darüber hinaus. Spätestens seit der Regentschaft des Sonnenkönig genannten Monarchen (1638 bis 1715), galt es in den Fürstenhäusern in ganz Europa als schick, ihm und seinem angeblichen Ausspruch „Le État c’est moi – Der Staat bin ich“ nachzueifern.

Dass er mit der Eroberung Straßburgs und der Verschiebung der französischen Grenze an den Rhein im Jahr 1681 den Grundstein für eine jahrhundertelange Feindschaft zwischen Deutschen und Franzosen legte, tat der Bewunderung keinen Abbruch.

Dies galt vor allem für das in zahllose Herrschaften zersplitterte Deutschland, wo man auch schon damals gern neidvoll nach Westen schielte und sich an französischer Lebensart und Stil berauschte. Französisch wurde die Sprache der Gebildeten, der Oberschicht. Und selbst noch der kleinste Marktgraf oder Fürstbischof versuchte beim Bau seines Schlosses ein wenig vom Glanz von Versailles in die deutsche Provinz zu tragen.

So baute sich der preußische König Friedrich II. in Potsdam eine schmucke Sommerresidenz mit Namen Sanssouci, was ohne Zweifel weit eleganter klingt als die deutsche Übersetzung Ohne Sorge, umgab sich mit französischen Dichtern wie Voltaire und sprach fürderhin nur noch französisch. Sogar für seine ungeliebte Frau Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern, die er ins Schloss Schönhausen auf der anderen Seite Berlins verbannt hatte, hatte er bei den wenigen Treffen nur einige französische Sätze übrig. „Madame sont devenus épais“, soll er sie einmal begrüßt haben. „Frau, du bist dick geworden“, hätte weit unfreundlicher geklungen!

Leben wie Gott in Frankreich dürfen noch bis Sonntag auch die 40 Mitglieder der Delegation aus Ingolstadt, die sich derzeit zur Feier des 50-jährigen Bestehens der Partnerschaft mit dem südfranzösischen Grasse dort aufhalten. Bieten die Gastgeber doch alles auf, was offizielle Anlässe so angenehm macht. Vom abendlichen Barbecue im Freien über Besichtigungstouren mit speziellerer Dégustation (vulgo Verköstigung) bis zum Galadiner ist alles dabei. Ein Höhepunkt war zweifelsohne das festliche Abendessen im Palais de Congrès (Kongresszentrum) mit anschließendem Feu d’artifice (Feuerwerk) am Freitagabend.

Auch die Liste der Teilnehmer klingt entsprechend elitär. Angeführt von Maire (Bürgermeister) Monsieur Dr. Alfred Lehmann mit Madame Christina Lehmann und Deuxième Maire Albert Wittmann (ohne Madame) reiht sich da eine stattliche Zahl von Madames und Messieurs Conseillers Municipaux (Stadträten). So firmiert dort beispielsweise Hauptamtsleiter Hans Maier unter der edlen Bezeichnung Cabinet du Maire und Harald Kneitz vom Kulturamt mit dem Zusatz Relations Internationales (Internationale Beziehungen). Etwas befremdlich mutet allerdings an, dass Monsieur Gabriel Engert nur als Adjoint (Assistent) au Maire bezeichnet wird. Wir hätten schon erwartet, dass unser umtriebiger Kulturreferent mindestens mit der Bezeichnung Président de la Culture régional auf der Liste auftaucht. Auch für unsere wackere Stadtbaurätin Madame Renate Preßlein-Lehle wäre sicher mehr als ein Adjoint au Maire gut gewesen. Etwas in der Richtung Grande Dame d’ Architecture de la Bavière vielleicht? Und der allzeit bereite Pressesprecher Monsieuer Dr. Dr. Gerd Treffer, der mit Frau und Sohn in Grasse weilt, taucht in der Liste gar ganz ohne Bezeichnung auf. Hier, finden wir, wäre doch mindestens etwas Klangvolles wie Chef de la Propagande communale angemessen. Aber manche Menschen sind einfach so bekannt, dass sich das erübrigt.