Eichstätt

Spiegelsaalrede mit Gesundheitsminister Klaus Holetschek

Über die Lehren aus der Pandemie und Chancen für die Zukunft

03.05.2022 | Stand 07.05.2022, 3:34 Uhr
Nach der pandemiebedingten Pause hat das Kolping-Erwachsenen-Bildungswerk wieder eine Rede im Spiegelsaal organisiert. Zu Gast war Gesundheitsminister Klaus Holetschek. −Foto: Meßner

Eichstätt - Man kann dem bayerischen Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) wahrlich nicht vorwerfen, dass er die Probleme im Gesundheitssektor nicht kennt.

Ganz im Gegenteil: Bei der Spiegelsaalrede in der Residenz auf Einladung des Kolping-Erwachsenen-Bildungswerks sprach er sie dezidiert an.

Dabei könnte man aufgrund der Fülle an Schwierigkeiten leicht den Überblick verlieren. Das beginnt bei der eklatanten Finanzierungslücke der Krankenhäuser über die mangelhafte Digitalisierung im Gesundheitssystem und hört bei der Pflege, wo es an allen Ecken und Enden brennt, noch lange nicht auf. Die Bewältigung der Pandemie noch gar nicht eingerechnet.

Schenkt man den Worten der Landtagsabgeordneten Tanja Schorer-Dremel (CSU) Glauben, dann ist Holetschek der richtige Mann für diesen Job. In ihrer Einführungsrede bezeichnete sie ihn als "verlässlichen Partner in der Krise" und als jemanden, der sich "Tag und Nacht" für die Bürger einsetze. Mit den Worten "Klaus, Feuer frei! ", übergab sie ihm das Wort.

Gesundheitsminister Holetschek ging bei seiner gut halbstündigen Rede auf viele Themen ein. Er warnte davor, die Pandemie bereits abzuhaken. Sie sei noch nicht vorbei. "Tief beeindruckt" zeigte er sich vom Zusammenhalt der Menschen in dieser Zeit. Er sprach aber auch die Impfskeptiker und Corona-Leugner an. "Mit ihnen muss man ins Gespräch kommen. " Eine Impfpflicht wäre aus seiner Sicht durchaus ein Thema gewesen, gleichwohl die Situation im Bundestag dazu verfahren ist. Am Anfang sei er dagegen gewesen, aber mittlerweile habe er seine Meinung geändert. "Gute Worte und Aufklärung reichen offenbar nicht", sagte er.

Holetschek warb bei der Spiegelsaalrede dafür, sich jetzt grundsätzlich Gedanken darüber zu machen, wie es in der Gesellschaft weitergehen soll. Die Schieflage bei der Finanzierung der Krankenhäuser etwa sei ein Dilemma, das man auflösen müsse. "Diese Reform muss man jetzt auf den Weg bringen. " Man dürfe das Thema Gesundheit nicht vom Geld her denken, sondern von den Bedürfnissen der Menschen aus. Auch die Arbeitswelt für Pflegekräfte und Ärzte müsste verbessert werden. Genau jetzt sieht Holetschek die Chance dafür, diese Weichen zu stellen. Der Gesundheitsminister sprach davon, die "Spirale der Regulierung" zu durchbrechen, die "Denke zu ändern" oder "Fehlerkultur zuzulassen". Konkreter wurde er nicht.

Die Kluft zwischen ändern wollen und ändern können ist Holetschek bewusst. Es falle ihm nicht schwer, das alles anzusprechen - aber das auch umzusetzen, sei schwierig. Er sieht jetzt die Chance dafür, das System besser zu machen, es "gemeinsam besser zu machen". Andreas Birzer, Vorstandsmitglied im Kolping-Bildungswerk, moderierte im Anschluss eine Fragerunde, bei der sich auch Landrat Alexander Anetsberger (CSU) zu Wort meldete und Mängel bei der Pandemiebekämpfung ansprach, zum Beispiel bei der Digitalisierung.

Am Ende der rund 90-minütigen Veranstaltung schloss Gesundheitsminister Klaus Holetschek auf Bitten von Diözesangeschäftsführer Ewald Kommer die Spiegelsaalrede noch mit einem Appell vor allem an junge Menschen für den Pflegeberuf. "Das ist etwas Großartiges, den Menschen zu helfen. "

mms