Neuburg

Sonnenstrom trotz dunkler Wolken aus Berlin

Firma Anumar will Photovoltaik-Park am Ochsengründlweg für Industriebetriebe interessant machen

20.05.2015 | Stand 02.12.2020, 21:16 Uhr

Über 4000 Module sind auf die Sonne gerichtet: In einem Jahr produzieren diese über ein Gigawatt Strom. - Foto: Anumar

Neuburg (DK) Energie da erzeugen, wo sie gebraucht wird: Mit dieser Idee will die Firma Anumar nun die Neuburger Industriebetriebe für ihren Sonnenstrom gewinnen, der mit über 4000 Modulen im Ochsengründlweg erzeugt wird. Die Technische Hochschule Ingolstadt erarbeitet eine Studie.

Die Rahmenbedingungen sind schlechter geworden. Nicht dass die Sonne weniger scheinen würde, als noch vor Jahren – aber die politische Strahlkraft, aus der die kleinen, regenerativen Stromproduzenten ihre Kraft zogen, ist doch von einigen dunklen Wolken verhängt. „Die größte Frechheit ist, dass ich für den eigenen Strom 40 Prozent EEG-Umlage zahlen muss, wenn ich ihn nutze“, schimpfte Anumar-Geschäftsführer Andreas Klier bei einem Ortstermin am Dienstagabend. Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) müssen Eigenerzeuger – mit Ausnahme kleiner Anlagenbesitzer – eine auf 30 Prozent der aktuellen Höhe reduzierte EEG-Umlage entrichten. Ab 2016 steigt dieser Anteil dann auf 35 Prozent und ab 2017 auf 40 Prozent. „Das ist wie wenn ich einen Apfel aus dem eigenen Garten esse und dafür Umsatzsteuer zahlen muss“, kritisierte Klier vor den wenigen Besuchern – wegen des schlechten Wetters war der angekündigte „After-Work-Sundowner“ abgesagt worden, ein paar Interessierte kamen aber doch. Darunter Oberhausens Bürgermeister Fridolin Gößl, der seinen Ruf als High-Tech-Gemeindechef beharrlich pflegt. Gößl waren noch die Worte des SPD-Bundestagsabgeordneten Uwe Beckmeyer im Ohr, als Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium für Energiefragen zuständig, der vor wenigen Wochen bei einer Veranstaltung in Sining erklärte: „Damit die Energiewende geordnet ablaufen kann, muss man den Prozess einbremsen.“ Für Klier ist das bloß ein Einknicken gegenüber der Strom-Lobbyisten, wegen der Befürchtung, die kleinen Solarinvestoren würden sonst den großen Erzeugern den Rang ablaufen.

Trotzdem zeigte er sich zusammen mit dem zweiten Geschäftsführer Markus Brosch entschlossen, sich von den Bremsmechanismen aus Berlin nicht unterkriegen zu lassen. Der Solarstrom sei dennoch rentabel. Ihr neuestes Projekt: Die benachbarten Industriebetriebe mit ins Boot holen. Die Technische Universität Ingolstadt erarbeitet dazu eine Studie: Wittmann Beton, Glasrecycling Neuburg und Wipag, drei Firmen aus drei Branchen, kooperieren dabei. „Es geht darum zu sehen, wie der Stromverbrauch der Firmen zu unserer Produktion passt“, erklärt Klier. Theoretisch könnte über das Netz der Stadtwerke Neuburg dann jede Firma im Industriegebiet den Solarstrom vom Ochsengründlweg beziehen. Die Vorteile für die Unternehmen: ein grünes Image zulegen und Geld sparen. Einsparmöglichkeiten gibt es bei der EEG-Umlage (60 Prozent), Stromsteuer, Netzentgelt und Konzessionsabgabe. Im Juni wird die TU-Studie veröffentlicht.

Die Anlage selbst ist bereits voll in Betrieb. Über 4000 Module taiwanesischer Produktion – Importe aus China unterliegen Strafzöllen – erzeugen über 45 Wechselrichter deutscher Produktion über eine Gigawattstunde pro Jahr. 990 Kilowatt peak beträgt die Maximalleistung – im Nieselregen am Dienstagabend zeigt der Stromzähler nur 61 Kilowatt an, kaum ist die dunkelste Wolke verzogen, steigt die Produktion sekündlich. Die Spannung: 400 Volt. Auf 25 Jahre ist die Gesamtanlage ausgelegt, bei jährlicher Wartung und regelmäßiger Grünpflege – am Ochsengründlweg denkt man über tierische Mitarbeiter nach: Schafe.

Die Besichtigung wird bei schönem Wetter neu angesetzt. Klier und Brosch kommen gerade aus Südafrika zurück, nun steht Chile im Fokus. Dort entsteht eine Anlage, 20-mal so groß wie die Neuburger. „Dort hat man die Chancen besser erkannt, als in Deutschland“, sagt Klier.