Eichstätt

Songs über die große Reise

Die Eichstätterin Laura Heller veröffentlicht bald ihr erstes Album "travelling further"

06.02.2018 | Stand 02.12.2020, 16:51 Uhr

Foto: DK

Eichstätt (EK) Sie ist 22 Jahre alt, Eichstätterin, Weltenbummlerin und schreibt Songs für Gitarre und Gesang: Laura Heller bringt bald ihr erstes Album heraus. Eine lange Reise durch Australien, Neuseeland und Südostasien hat ihr die Inspiration dafür geliefert.

Musikalisch ist vor allem eins anders geworden: Laura Heller hat vor ihrem langen Auslandsaufenthalt noch nie ein Konzert nur mit eigenen Songs gegeben. Aufgetreten ist sie schon öfter in der Region, aber mit vielen Cover-Versionen im Programm. Am Freitagabend hat sie sich zum ersten Mal nur mit eigenen Werken - entstanden während der Reise - auf die improvisierte Bühne im Café Chocolatique in Eichstätt gewagt.

Eines der ersten Stücke des Konzertabends heißt "Dreamer". Ein Traum war auch der Ausgangspunkt für Laura Hellers Reise. 2015 hat sie in Eichstätt ihr Abitur gemacht, dann gearbeitet und gespart für ihr Ziel: Sie wollte die Welt sehen. Eine selbst zusammengesparte Reise nach Indonesien verstärkte ihr Fernweh noch. Laura Heller wollte weiterreisen, allein und möglichst lange. Und zwar nach Australien, das Land hatte sie schon lange fasziniert. Natürlich gab es in ihrem Umfeld viele Bedenken - eine junge Frau ganz allein unterwegs? Und wo soll das Geld dafür herkommen? Doch die Anfang-Zwanzig-Jährige hat es einfach gemacht.

Viele Monate war sie unterwegs, zu ihrem Herumreisen in Australien kamen noch Abstecher nach Neuseeland, Thailand, Indonesien und Vietnam. Doch eine reine Spaß-Reise war es nicht - denn das Geld für ihre Freiheit musste sich Laura Heller unterwegs verdienen. "Ich habe die verrücktesten Sachen gemacht", erzählt sie. Äpfel pflücken auf einer Plantage, einem Ehepaar beim Renovieren helfen, im Marketing und in der Gastronomie arbeiten. "Es war ein hartes Pflaster", sagt sie rückblickend. Die Erfahrung wolle sie aber nicht missen. Sie habe andere junge Leute getroffen, die das Geld für die Reise beispielsweise von den Eltern bekommen hätten. Weil sie sich jeden einzelnen Tag ihrer Tour selbst finanzieren musste, habe sie all das noch viel mehr zu schätzen gewusst, meint die Eichstätterin.

Sich beschränken zu müssen, hat sie durchaus als Bereicherung empfunden: "Was im Leben wirklich wichtig ist, vergisst man, wenn man von Überfluss umgeben ist", sagt sie. Sie habe einige ihrer ohnehin wenigen Dinge auf der Reise sogar zurückgelassen. Sie erzählt, wie eine Begegnung mit einer indonesischen Familie sie nachdenklich gemacht hat. Die Fremden, die kein Englisch sprachen, nahmen sie freundlich auf. Die Familie lebte aus westlicher Perspektive in Armut. Und Laura Heller fühlte sich plötzlich schlecht mit ihrem ganzen Gepäck und der teuren Kamera. Da sei ihr klar geworden: "Obwohl ich schon ziemlich einfach gelebt habe und nur mit dem Rucksack unterwegs war, hatte ich viel." Begegnungen mit Menschen, die ihr weitergeholfen, sie aufgenommen oder sie auf ihrer Tour begleitet haben, hatte die junge Frau noch viele. "Man ist nie ganz allein", sagt sie.

Auch ihren größten Reichtum hat Laura Heller auf der Reise entdeckt: Zeit. Davon handelt ein weiteres Stück während ihres Konzertabends: "Time". In ihm wird aus einem langen Tag am Strand, an dem die Zeit stillzustehen schien, ein ruhiger und nachdenklicher Song. Er klingt aber auch leichtfüßig dank der minimalistischen Besetzung. Unterstützung kommt von Laura Hellers Vater Walter, der neben der zweiten Gitarre und seiner Stimme auch ein Banjo, eine Mundharmonika und ein Akkordeon zur Begleitung einsetzt. Auch bei den Aufnahmen für das Album "travelling further" halten es Vater und Tochter, die schon seit Jahren zusammen musizieren, so. Seit die 22-Jährige im Dezember zurückgekehrt ist von ihrer Tour, werden die Eindrücke als luftiger Folk-Sound im Heimstudio in Eichstätt festgehalten. Die neuen Songs will Laura Heller über ihre Facebook- und Soundcloud-Seiten veröffentlichen. Auch eine Homepage soll kommen.

Ab Oktober will die 22-Jährige dann ihr Studium in Angriff nehmen - Lehramt Englisch soll es werden, vielleicht mit Zweitfach Musik. Auf ihrer Reise hat sie mitbekommen, dass viele Kinder in Südostasien kein Englisch sprechen. Vielleicht kann sie ja in Zukunft dort unterrichten, das hat die Eichstätterin im Hinterkopf. Mit Musik den Lebensunterhalt zu verdienen, kommt für Laura Heller auf Dauer nicht infrage. In Australien hat sie das manchmal getan: Wenn das Geld mal wieder knapp war, brachte Straßenmusik ein paar Dollar für das Abendessen.

Was bleibt von einer solchen Reise außer den Songs? Viele Erkenntnisse, meint die 22-Jährige. Zum Beispiel, dass es eine typisch deutsche Denkweise ist, alles vorausplanen und absichern zu wollen. Das habe sie abgelegt. "Go with the flow", sagen die Australier. Sich Sorgen zu machen, sei auch oft unnötig: "Es gibt keine falschen oder richtigen Entscheidungen, es gibt nur Entscheidungen und diesen Weg geht man dann", sagt Laura Heller. Gewachsen sei sie auch an der Erfahrung, weite Strecken mit dem Auto an der West Coast entlangzufahren - rund herum nur rote Erde und Busch, 20 Liter Wasser und Essen für fünf Tage im Gepäck, falls sie irgendwo stecken bleiben sollte. Das sei am Anfang beängstigend, bald aber sehr befreiend gewesen. Und noch etwas hat Laura Heller mitgebracht: Ein Reisepartner hat ihr unterwegs seine Ukulele geschenkt. Jetzt, zurück in Eichstätt, kommt sie in einigen neuen Songs zum Einsatz.