Neuburg

So muss Volksmusik sein

Auftakt der Kleinen Konzerte mit dem Gempfinger Viergesang in der Schlosskapelle nähert sich der Perfektion

05.05.2014 | Stand 02.12.2020, 22:44 Uhr

Volksmusik vom Allerfeinsten: Der Gempfinger Viergesang eröffnete am Sonntag die diesjährige Reihe der Kleinen Konzerte in der Schlosskapelle. - Foto: Heumann

Neuburg (DK) Gottseidank: In der ersten Strophe von Jakob Arcadelts „Ave Maria“ ging es ganz kurz mal auseinander. Diese absolut sonst nicht erwähnenswerte Begebenheit wird nur deshalb wichtig, weil man partienweise schon zweifeln konnte, dass bei diesen himmlisch reinen Klängen Menschen alleine zu Werke sind.

Der Auftritt des Gempfinger Viergesangs in der Schlosskapelle war ansonsten einfach perfekt.

So muss Volksmusik sein. So schön kann Volksmusik sein, wenn Wollen und Können in wohliger Harmonie sich treffen, Begeisterung gerade in der Schlichtheit ihrer Vervollkommnung entgegenstrebt. Viele Mosaiksteinchen in einem ausgesprochen facettenreichen Programm fügen sich zu einem harmonischen und Stück für Stück fein ausgeloteten Ganzen.

Auch wo (auf dem Programm) Gempfinger Viergesang draufsteht, ist weit mehr drin, ganz abgesehen davon, dass es nicht vier, sondern deren sechs Akteure sind. Und der „Gesang“ ist ebenso prächtig: eine zudem noch in unterschiedlichsten Formationen agierende Stubnmusi, vom Blockflötentrio bis zur Sechser-Tanzlmusi mit Ziach und oftmals sogar zwei Klarinetten, begleitet von Hackbrett, Harfe und Bass. Die Sorge, die Klarinetten etwa könnten zu dominant in den Vordergrund sich drängen, erweist sich vom allerersten Marsch an als unbegründet. Feiner als etwa in dieser „Mühlviertler Arie“ ohne Worte können Stimmungsnuancen schwerlich aufeinander abgestimmt sein.

Und dann, man muss einfach schwärmen, welch ein glockenreiner Natursopran der Gertraud Schwoshuber – so was findet man auf hundert Kilometer kaum zweimal. Keineswegs unterwürfig ordnen sich Angela und Erich Hofgärtner als zweite und dritte Stimme bei, fürs Bass-Fundament ist Franz Klement zuständig. Jahreszeitlich stimmig und ideal zum Raum sich fügend, stehen Lieder der Marienverehrung in dem ganzen Spektrum von der Magd bis zur Königin und vom Schwäbischen bis ins Steirer Land im Mittelpunkt. Und gute Tradition, weil ein reines Herz auch feiern darf, treten selbstbewusst Landler und Walzer instrumental hinzu. Der Originalklang erlaubt sich kleine Freiheiten, da muss das Akkordeon auch bei einem Stückerl aus dem 18. Jahrhundert nicht schweigen, ohne dass bei so viel maßvollem Arrangement ein Stilbruch daraus würde.

Einen stimmigeren schöneren Auftakt hätten die diesjährigen Kleinen Konzerte in der Schlosskapelle schwerlich nehmen können. Eine alte Wahlwerbung sei zitiert: Die Richtung stimmt. Und gerechter Lohn für so viel Wohlklang: Die Plätze in der Schlosskapelle reichten kaum aus.