München
Sicherheit für PFC-Betroffene

Treffen im Umweltministerium bringt Annäherung - Polderfrage bleibt offen

14.03.2019 | Stand 23.09.2023, 6:14 Uhr |
In der Katzau ist ein Flutpolder geplant, um den Hochwasserscheitel der Donau zu verringern. −Foto: Messner/DK-Archiv

München/Pfaffenhofen (DK) Ein Treffen von kommunalen Vertretern mit Umweltminister Thorsten Glauber (FW) hat eine Annäherung im Streit um die PFC-Belastung für Flugplatzanwohner in Manching gebracht. In Sachen Polder gab es dagegen keine Neuigkeiten.

Als "gutes Gespräch" bezeichnete Manchings Bürgermeister Herbert Nerb (FW) das Treffen mit Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (FW) in Sachen PFC. Eine Richtlinie des Ministeriums soll den Landratsämtern mehr Klarheit beim Aushub kontaminierten Bodens verschaffen. Nerb hofft auf eine Bagatellregelung wie bei der Wasserhaltung.

Zustande gekommen war der Termin am Mittwochnachmittag im Umweltministerium in München, an dem Experten, Vertreter einer Bürgerinitiative sowie Landrat Martin Wolf (CSU) und Bürgermeister betroffener Gemeinden teilnahmen, auf Initiative des Pfaffenhofener Landtagsabgeordneten Karl Straub (CSU). Der zeigte sich nach dem Gespräch zufrieden. Glauber wollte sich im direkten Gespräch ein Bild von der Situation machen und habe klar gemacht, dass er an der Seite der Bürger stehe und für das Landratsamt in der PFC-Frage Rechtssicherheit wolle.

Wie mehrfach berichtet, wurde am Flugplatz Manching wie auf anderen Flughäfen auch bis zum Verbot 2011 PFC-haltiger Löschschaum verwendet, der in den Boden und ins Grundwasser gelangte und sich in dessen Fließrichtung nach Westenhausen und Lindach ausbreitete. Die Folgen sind gravierend - nicht nur für die Landwirte, sondern auch für Grundstückseigentümer und Hausbesitzer, denen hohe Wertverluste drohen. Zwei Bürgerinitiativen haben sich gegründet, eine allgemeine und eine der Landwirte. Es gab diverse Untersuchungen von Wasser und Böden, von Erntegut und Hausgärten, und der Markt verhängte in Lindach und Westenhausen ein Gießverbot bei der Gartenbewässerung bis 2032. Nach dem Vorbild des IN-Campus - dem ehemaligen Bayern-oil-Gelände in Ingolstadt - fordern Markt und Bürgerinitiative unter anderem eine sofortige Abstromsicherung an den drei am meisten kontaminierten Stellen am Flugplatz sowie eine Aussetzung der Verjährungsfrist. Der Markt Manching hat deswegen sogar Klage gegen die Bundesrepublik erhoben.

Im August vergangenen Jahres hatte das bayerische Umweltministerium eine Bagatellregelung für Bauwasser erlassen. Das heißt, Grundwasser auf Baustellen in den betroffenen Gebieten kann auf Antrag abgepumpt und wieder ins Grundwasser eingeleitet werden. Nerb hofft jetzt, dass das Ministerium auch beim Erdaushub eine ähnliche Regelung erlässt, was seit Langem gefordert wird. "Wir brauchen eine Entscheidung", betonte er, damit die Bürger dort bauen können - die Reinigung des Erdreichs wäre sehr aufwendig und teuer. Landrat Wolf sagte: "Da muss das Ministerium Verantwortung übernehmen." Er forderte konkrete Grenzwerte für die PFC-Belastung, bis zu denen sein Amt das Verbauen des Erdreichs genehmigen darf.

Das Umweltministerium selbst äußerte sich gestern nicht zu dem Treffen. Aber Nerb sagte, er habe den Eindruck gewonnen, dass das Umweltministerium an einer entsprechenden Richtlinie arbeite, die den Landratsämtern ihre Arbeit erleichtere. Auch Straub betonte, dass das Ministerium Informationen zu dem Thema bündeln und an das Landratsamt weitergeben wolle. So solle für Bürger und das Amt Rechtssicherheit beim Aushub und der Verarbeitung von belastetem Material hergestellt werden. Zudem habe Glauber versichert, weiter Druck auf den Bund zu machen, um auf dem Flugplatz selbst eine Lösung herbeizuführen. Auch Ernsgadens Bürgermeister Karl Huber (CSU) sagte, der Umweltminister habe klar gemacht, dass die Bundesregierung und die Bundeswehr handeln müssten. Vohburgs Bürgermeister Martin Schmid (SPD) betonte, das Thema PFC berühre Vohburg nicht direkt, "die Irschinger Ach liegt unter den Grenzwerten". Dennoch wundere er sich, dass nach wie vor nicht nach dem Verursacherprinzip vorgegangen werde. "Wenn jemand etwas kaputt macht, muss er es ersetzen. Der Bund ist als Verursacher ausgemacht, aber er tut nichts." Wolf sagte, er hoffe auf ein Ende der Sanierungsarbeiten bis 2024. Einen entsprechenden Plan habe das Landratsamt den anderen Behörden vorgelegt, diese müssten nun dazu Stellung nehmen.

Auf der Agenda standen bei der Gesprächsrunde auch die Explosion bei Bayernoil und die Streitfrage des Polderbaus im Landkreisnorden. Straub pochte dabei nach eigenen Angaben auf eine Gleichbehandlung mit anderen Regionen. Es dürfe keine Polder geben, wenn Schäden für Einheimische die Folge seien, sagte er. Nerb erklärte, man sei sich einig, die Anlieger der Donau, vor allem donauabwärts, vor Überschwemmungen zu schützen. Doch müssten die Flutpolder im Hinblick auf PFC in Boden und Grundwasser neu bewertet werden. "Wenn schon ein Polder sein muss, dann die kleinste der drei Varianten", betonte er. Denn die Entfernung zwischen dem Manchinger Ortsteil Westenhausen und dem Polder Katzau sei dann doppelt so groß. Martin Schmid legte ebenfalls Wert darauf, dass vor allem das Problem mit dem Grundwasser geklärt werden müsse - auch wenn Glaubers Fazit lautete, in den nächsten zwei bis drei Jahren werde keine endgültige Regelung getroffen. "Die Untersuchungen laufen ja weiter", sagte Schmid. Landrat Wolf erklärte, dass ein Polder den Gemeinden letztlich sogar Vorteile bringen könnte. Durch die dann zu bohrenden Brunnen könnten jetzt schon existierende Grundwasserprobleme unter Umständen besser reguliert werden.

Bernhard Pehl, Daniel Wenisch