Georgensgmünd
"Schwere Geburt"

Gerd Berghofer hat gewichtiges Werk geschrieben - Buch und Ausstellung in Synagoge stoßen auf großes Interesse

09.10.2017 | Stand 02.12.2020, 17:23 Uhr |
Riesig ist das Interesse an Gerd Berghofers (hinten, Mitte) neuem Buch und an der Ausstellung in der Georgensgmünder Synagoge. −Foto: Unterburger

Georgensgmünd (HK) Absolut überfüllt war die Georgensgmünder Synagoge, als Bürgermeister Ben Schwarz und Gerd Berghofer die opulente Ausstellung zu Berghofers Buch "Die Anderen 2 - Wie alles begann - vom Mittelalter bis zum Ersten Weltkrieg" eröffneten.

Die Ausstellung spannt einen Bogen der jüdischen Geschichte Gmünds ab 1542, als der Jude Jacob das Friedhofsgrundstück erwarb, bis hin in die Zeit des Holocaust. Bürgermeister Ben Schwarz freute sich über das enorme Interesse. "Was hier entstanden ist, ist absolut sehenswert und lesenswert", sagte er. "Ich habe großen Respekt vor dem Buch und der Ausstellung." Gerd Berghofer sei es gelungen, ein großes wissenschaftliches Standardwerk zu schaffen, das gut lesbar sei. Jeder, der sich für die jüdische Kultur interessiere, bekomme eine Fülle von Informationen. Die Ausstellung sei eine Mischung der Ausstellung von 2013, ergänzt durch Aspekte aus dem Band 2 "Die Anderen". Auch für Schulklassen sei diese Ausstellung mit Führungen hervorragend geeignet.

Gerd Berghofer stellte das neue Buch und die Ausstellung vor. "Das Buch war eine schwere Geburt", sagte er, "vier Jahre Arbeit, fast 500 Seiten, 725 Gramm schwer." Für den zweiten Band sei es darum gegangen, Urkunden zu finden, doch die Quellenlage werde immer dünner.

Den Beginn des jüdischen Lebens mit Jacob im Jahre 1542 nannte Gerd Berghofer "nur eine Momentaufnahme". Der Anfang der jüdischen Geschichte Gmünds falle in die Schlussphase der ersten Grundherren, der Familie von Hausen. Die Vorgeschichte Gmünds gehe zurück auf das Jahr 1250, als die ersten Hausener erwähnt werden. Als der letzte derer von Hausen stirbt, habe das jüdische Leben in Gmünd begonnen.

Bis zum 30-Jährigen Krieg sei die jüdische Gemeinde zur Blüte gekommen. Berghofer wies darauf hin, dass er den Standort der erste Synagoge lokalisieren konnte. "Sie war dort, wo heute die Diakoniestation steht", erklärte er. Ganz wichtig für die zweite Synagoge sei der polnische Wandermaler Elieser Sussmann geworden, der die Synagoge ausmalte.

Bedeutend sei die Entwicklung des Landjudentums geworden. "Juden stiegen auf bis zu Leitern von Weltkonzernen", sagte Berghofer, "jedoch wurden über zwei Generationen hinweg die Juden gegängelt, ihre Zahl wurde begrenzt und etliche Juden wanderten aus." Georgensgmünd sei geprägt vom Hopfenhandel und sei ein Ort der Hopfenjuden geworden, berichtete er weiter, "allein dies wäre ein Thema für eine Bachelorarbeit."

Georg Berghofer dankte dem Heimatverein Georgensgmünd, dem Kulturamt und dem Bauhof der Gemeinde, Verleger Bruno Schnell, Landrat Herbert Eckstein, Fritz Volkert und anderen Heimatforschern sowie Axel Schwaiger für ihre Mithilfe.

"Die Ausstellung ist hervorragend gemacht", lobte Landrat Herbert Eckstein. Man könne aus der Geschichte lernen. Er dankte Gerd Berghofer für die Initiative und den vielen Helfern, die zum Gelingen dieser Ausstellung beigetragen hätten.

Umfangreich wie das neue Buch Berghofers ist die begleitende Ausstellung in der Synagoge. So erzählen im Hauptraum 18 Tafeln die Geschichte der Juden in Georgensgmünd von der ersten urkundlichen Erwähnung bis zum Ersten Weltkrieg. Die erste Tafel beschäftigt sich mit den frühen Grundherren, den Herren von Hausen. Diese Tafeln sind chronologisch im Uhrzeigersinn angelegt.

Im Schulraum werden die früher in Georgensgmünd lebenden Familien vorgestellt. Der Besucher findet Informationen zu den Familien Apfel, Gern, Gerstle und Großmeyer. Eine Vitrine zeigt diverse Gegenstände und Dokumente. Vor der Mikwe, dem rituellen Tauchbad, informiert eine Tafel über den Schabbes (Sabbat). In der Mikwe zeigt eine Doppeltafel die jüdischen Speisegesetze und die Rolle der Frau im Judentum auf.

Auf der Hauptempore schildern drei Tafeln die Zweige der Familie Heidecker. Die Vitrinen zeigen diverse Ausstellungsgegenstände, unter anderem originale Genisa-Fundstücke. Auf der Nebenempore stellen die restlichen sechs Tafeln die jüdischen Familien Mehler, Neumark, Schloss, Lewy, Sohn, Tachauer, Wild und Welsch vor. An der Stirnseite erinnert eine Gedenktafel an diese Familien. Auf der Sitzbank ausgelegt kann sich der Besucher über die schrittweise Entrechtung der Juden informieren.

Im einstigen Lehrerwohnraum kann man einen Film über die jüdischen Schätze Georgensgmünds sehen. Zusätzlich findet man dort Informationsmaterial und man kann auch testen, wie viele jiddische Worte einem geläufig sind.