Hilpoltstein

Schwankungen in ungeahntem Ausmaß

Landwirtschaftsbilanz 2012 zeigt außergewöhnlich große Unterschiede bei den Ernteerträgen

03.01.2013 | Stand 03.12.2020, 0:39 Uhr

Mais, Kartoffeln und Hopfen machen es den Bauern im Landkreis Roth nicht leicht im Jahr 2012. An vielen Orten verdorrt der Mais, der deshalb frühzeitig gehäckselt wird. Die Trockenheit verringert auch die Kartoffelernte. Gute Qualität, schlechte Erträge, heißt es schließlich beim grünen Gold - Fotos: Leykamm, dpa (2)

Hilpoltstein (HK) Regen im Über-fluss zu Jahresbeginn, doch üppiger Nachschlag erst ab November. Die Landwirte, deren Felder in der Zwischenzeit die willkürlich niedergehenden Schauer abbekamen, konnten sich glücklich schätzen. Entsprechend unterschiedlich sehen die Erntebilanzen des Jahres 2012 aus.

Es war ein absolut ungewöhnliches Agrarjahr, das auch einen erfahrenen Experten der Flur ins Staunen brachte: Werner Wolf, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Roth mit Außenstelle in Hersbruck. „Schwankungen in diesem Ausmaß waren mir bislang nicht bekannt“, gibt er im Pressegespräch zu.

Während das Getreide in den meisten Orten unserer Region unter der Trockenheit stöhnte, konnte es sich an einigen Stellen köstlicher Duschen erfreuen. Diese Unterschiede in der Witterung traten denn auch zu Tage, als die Mähdrescher ihre Arbeit aufnahmen. Beispiel Wintergerste: Pro Hektar wurden hier zwischen 20 und weit über 70 Doppelzentner eingefahren. Bei dem einen Bauern reckten sich so die schwer beladenen Halme stolz empor, während nur ein paar Felder weiter das Getreide „regelrecht vertrocknet war“, berichtet Wolf.

Denn auch die Temperaturen waren über fast alle Monate hinweg überdurchschnittlich hoch. Eine Ausnahme bildete der Februar, der manchen Orten minus 20 Grad Celsius bescherte. Glück hatten hier die Landwirte mit schneebedeckten Feldern. Denen konnte der Frost wenig anhaben, denn der Schnee wirkte hier wie eine Isolierschicht und die Frostgare sorgte überdies für eine gute Bodenstruktur im Frühjahr.

Neben den Witterungsfaktoren spielte die Beschaffenheit der Äcker eine große Rolle für das Ernteergebnis. Gewonnen haben heuer die schweren Juraböden bei Hersbruck oder im südlichen Landkreis Roth. Sie sorgten in der Regel für gute Erträge. Das Nachsehen hatten die Bauern im Raum Roth oder in den Gebieten bei Altdorf und Lauf. Die dortigen sandigen Böden kamen mit der Witterung schlechter zurecht. Wohl dem, der dank alter Wasserrechte noch auf die Bewässerungsgräben an Aurach, Rednitz oder Rezat zählen konnte.

Unterm Strich etwas dezimiert erweist sich wegen der Trockenheit die Kartoffelernte in diesem Jahr. Vielfach verdorrte auch der Mais auf den Feldern und landete so frühzeitig im Häcksler. Fiel rechtzeitig Regen, entfaltete die Pflanze aber nochmals ihre Kräfte. Auf dem Grünland gab es weniger Arbeit, dafür auch weniger Ertrag: Meist konnte nur zwei Mal statt der erhofften vier Mal geschnitten werden. Probleme mit der Futterversorgung blieben bei dieser Lage nicht aus, viele Bauern mussten und müssen teuer zukaufen.

Wenig Grund zur Freude hatten auch die Hopfenpflanzer mit dem Jahr 2012. „Nass und kalt ist gut für Spalt“, sagt ein Sprichwort – entsprechend schlecht fiel die Ernte unter den diesjährigen Bedingungen aus. 6437 Dezitonnen gab es 2011 noch im gesamten Spalter Anbaugebiet einzubringen, heuer waren es nur noch 4812. Gute Qualität, schlechte Erträge – so lautet das Resümee. Auch der Preis lässt zu wünschen übrig, aber es gäbe derzeit „einen Hoffnungsschimmer“, so Wolf.

Auch die Milchbauern sehen wieder Licht am Ende des Tunnels: Die Erzeugerpreise sanken zwar im Lauf des Jahres, zeigten aber zu dessen Ende wieder nach oben. Der Behördenleiter ist erleichtert, denn „die Milchviehhaltung ist das Rückgrat der Landwirtschaft in den Landkreisen Nürnberger Land und Roth.“ Letzterer war sogar landesweit Vorreiter in Sachen Melkroboter, von denen er derzeit etwa 30 beheimatet.

Beide Gebietskörperschaften haben ein gemeinsames Problem, das zugleich ein weltweites ist, nämlich der Schwund an Agrarnutzflächen. 150 Hektar von ihnen verschwinden jährlich in den Landkreisen Nürnberger Land und Roth. Dabei ist Vorsicht im Umgang mit den Flächen geboten, „wir brauchen sie unbedingt“, so Wolf. Denn es müssen nicht nur Lebensmittel produziert sondern es soll auch Energie erzeugt werden. Mit elf Biogasanlagen im Landkreis Roth und vier im Nürnberger Land ist das Potenzial noch lange nicht erschöpft.

Derweil schreitet der Strukturwandel weiter fort und der Druck auf die verbliebenen Familienbetriebe erhöht sich. „Sie verdienen unsere Wertschätzung und Anerkennung“, betont der Amtschef. Auch der Fortbildungswille sei ungebrochen. So hat sich die Zahl der Landwirtschaftsabsolventen im Vergleich zum Vorjahr in beiden Landkreisen verdoppelt. Auch ein neuer „Bildungsprogramm Landwirt“-Kurs mit 70 Quereinsteigern hat sich heuer neu formiert. Trotz immer neuer Rückschläge. Wie etwa den Wegfall des Branntweinmonopols, was vielen Landwirten im kommenden Jahr ein betriebliches Standbein wegschlägt. Sie werden künftig keinen Alkohol mehr aus Kartoffeln brennen dürfen – ganz egal, wie dann die Erntebilanz 2013 ausfällt.