Scheyern

Schützen wollen ein Stüberl anbauen

Scheyrer Gemeinderat fürchtet finanziellen Kraftakt für Verein - Warten auf die Rahmenplanung zum Kasernenareal

19.02.2020 | Stand 02.12.2020, 11:55 Uhr
Auf der halbrunden Grünfläche direkt neben der Kinderkrippe wollen die Scheyrer Schützen einen Anbau errichten, um ein gemütliches Stüberl einzurichten. Der Gemeinderat kann diesen Wunsch zwar verstehen, sieht aber auch Probleme. Nun wollen die Räte auf die Rahmenplanung zum Kasernengelände warten. −Foto: Lodermeyer

Scheyern - Die Schützen fürchten um die Geselligkeit in ihrem Verein und letztlich auch um ihren Mitgliederstand: Seit drei Jahren sind sie nun im Keller des Kasernengebäudes zu Hause, doch vor allem das Stüberl bereitet den Sportlern Kopfzerbrechen.

"Zu einem traditionellen, heimatverbundenen und aktiven Vereinsleben gehört ein Treffpunkt zum Besprechen und Austauschen", schreibt daher Schützenmeister Dominik Kreuzer an die Gemeinde. Der jetzige Gemeinschaftsraum erfülle das jedoch nicht, so das Fazit. Die Schützen fragen deshalb, ob ein Anbau an dem Gebäude sieben möglich ist.

Nach einer ersten Architektenskizze könnten sich die Schützen diesen Anbau am nordwestlichen Ende des jetzigen Krippengebäudes vorstellen: Dort führt eine Abfahrt in den Keller, wo ja die Schützen ihre jetzige Heimat haben - die Kurve dieses Weges wollen die Schützen gerne aufnehmen und die halbrunde Grünfläche als Basis für den Anbau nutzen. Im Kellergeschoss ist dabei ein Lager vorgesehen, im Erdgeschoss soll das neue Stüberl entstehen, dazu sind Terrassen und Außensitzplätze geplant. Laut einer ersten Überschlagsrechnung der Schützen kostet der Bau etwa 300000 Euro, die über die Vereinsförderung der Gemeinde, Vereinsvermögen, Spenden, Eigenleistung und ein Darlehen finanziert werden sollen. Auf der Agenda des Gemeinderats stand dieser Punkt eigentlich im nichtöffentlichen Teil der Sitzung. Hans-Herbert Mooser (Wählergruppe Gemeinde Scheyern) hatte den Antrag gestellt, das Thema in den öffentlichen Teil zu verlegen.

Wie Bürgermeister Manfred Sterz (FW) erklärte, seien die Schützen vor allem in der Bogenabteilung gewachsen: Diese Sportler können im Sommer die Grünfläche nutzen, im Winter findet das Bogentraining in der Turnhalle statt. Insgesamt hat der Verein aktuell 175 Mitglieder.

In der Diskussion zeigten sich die Gemeinderäte letztlich hin- und hergerissen. "Den Wunsch kann ich sehr gut nachvollziehen", sagte beispielsweise Andreas Mahl (Freie Wähler). Genauso wie sein Parteikollege Kilian Koch warnt er aber vor Insellösungen auf dem Kasernenareal: "Man zementiert so Strukturen", warnte Mahl. Auch Koch sagte: "Wenn das Vereinsheim bald das Zeitliche segnet, gibt es auch andere Vereine, für die wir eine Lösung brauchen - wir sollten eine gesamtheitliche Lösung favorisieren. " Albert Wolf (Bürgerblock) fragte zudem: "Verbauen wir uns etwas, wenn die Krippe erweitert werden müsste? "

Markus Fiederer (WGS) führte einen weiteren Punkt an: "Es ist gefährlich, wenn die Schützen da Geld investieren, wenn wir den Bestand nicht wirklich schützen können. Vielleicht müssen wir sie da vor sich selbst schützen. " Das sah auch Tilly Grubwinkler (WGS) ähnlich: "Der Schützenverein ist schon mehrmals umgezogen, jedes Mal mit viel Eigenkapital. Können die sich das leisten? "

Die Investition von geschätzt 300000 Euro lag den Gemeinderäten wegen eines möglichen Sportzentrums im Magen: ST Scheyern und Schützen sowie möglicherweise auch andere Gruppen aus dem Ort könnten in einer solchen Einrichtung unter kommen - der Wunsch wird seit Jahren geäußert, allerdings gibt es bislang kein passendes gemeindliches Grundstück. "300000 Euro sind auch für den Schützenverein eine Ausgabe. Da stellt sich die Frage, ob die dann noch bei einem Sportheim dabei sind", sagte beispielsweise Mahl. Auch Michael Wenger (FW) sah das ähnlich: "Wenn die jetzt 300000 Euro investieren, wollen die da gar nicht mehr rausgehen. "

Anders sah das Johann Hösl (CSU): "Ich brauch kein Sportzentrum mehr, wenn ich keine Leute mehr hab. " Auch Mathias Hofmann (WGS) sagte: "Die wissen, wie lang das noch dauert. " Auch Johann Schmid (FW) sagte: "So schnell kommt kein Sportzentrum. Wenn der Schützenverein dann mal weg ist, dann finden wir eine Nachnutzung für den Anbau. "

Mit Blick auf die laufende Rahmenplanung - für das komplette Kasernenareal samt Supermarkt und dem sogenannten technischen Bereich soll ein Konzept erstellt werden - wollen die Scheyrer nun mit der zuständigen Architektin sprechen. "Wenn wir das als schönen Standort für die Schützen sehen, dann sollten wir das in die Rahmenplanung aufnehmen", fasste Pater Lukas Wirth (BB) daher einen Vorschlag zusammen, den auchKatja Limpert (FW) und Alice Köstler-Hösl (BB) gebracht hatten. Dem stimmte der Gemeinderat einhellig zu, bei der Sitzung fehlten Gerhard Eisinger (WGS) und Andreas Reichhold (FW).

clm