Schrobenhausen
"Schluchtenflitzer" feiern

In Schrobenhausen steigt das größte Mopedtreffen Deutschlands

30.08.2016 | Stand 02.12.2020, 19:22 Uhr |

Schrobenhausen (DK) Das ist eine Geschichte über Jugendliebe. Eine ganz besondere Jugendliebe. Rund ein Dutzend Herren um die 50 veranstalten seit zehn Jahren in Schrobenhausen ein Mopedtreffen. Es ist inzwischen das größte Deutschlands. Sie alle hatten als Jugendliche Mopeds. Als der Autoführerschein bestanden war, gaben sie sie ab für ein paar Mark. 20 Jahre später dachten sie sich: schade eigentlich.

Also gingen sie auf die Suche, Peter und Werner "Wiff" Eisenberger, Helmut Sauer, Alfred Lohner, Ulrich "Url" Baumgärtel und wie sie alle hießen. Sie entdeckten ihre Liebe zum Moped neu. Nicht nur Modelle, die sie als Jugendliche selber hatten, suchten sie, sondern auch Gefährte, die sie sich damals womöglich nicht leisten konnten. Heiße 80-Kubik-Gefährte oder so.

Irgendwann wurde der Kreis größer, und es entstand die Idee, ein Mopedtreffen für Fahrzeuge mit 50 bis 80 Kubikzentimeter Hubraum zu organisieren. An diesem Wochenende findet es nun zum zehnten Mal in der Högenau am Nordrand von Schrobenhausen statt. Über 500 Mopeds aus ganz Deutschland werden dazu erwartet.

Benannt haben sich die Schrobenhausener Mopedfans nach einem Film aus den späten 70er-Jahren, "Die Schluchtenflitzer". Es dauerte nicht lange, da wurde der Regisseur des Streifens, der 71-jährige Rüdiger Nüchtern (Foto), auf das aufmerksam, was da in Schrobenhausen passierte. Er wird auch heuer dabei sein. Zum Auftakt des "Schluchtenflitzer"-Treffens wird sein Film am Freitagabend gegen 21 Uhr auf dem Festgelände beim Sportheim des SSV Schrobenhausen gezeigt.

Am Samstag beginnt das Treffen zur Mittagszeit mit einer Ausfahrt und einem Gruppenfoto gegen 13.30 Uhr vor dem Schrobenhausener Rathaus. Am Nachmittag stehen auf dem Festgelände Spiele an, wie ein Mofa-Roulette. Dafür haben die "Schluchtenflitzer" ein Drehgestell gebaut, in das das Mofa eingespannt wird. Es wird gestartet, fährt los, dann wird der Benzinhahn zugedreht. Die Teilnehmer dürfen draufsitzen, wenn das Mofa stehenbleibt. Bei einer Verlosung kann man ein wahres Schmuckstück gewinnen: eine Kreidler Florett 80 L, die die Schluchtenflitzer selbst restauriert und bis zum TÜV-Termin gebracht haben. Denn das Schrauben, Sammeln und Drüberreden gehört für die Mopedfans ganz einfach dazu. Und am Abend gibt es Cover-Rock von einer Liveband.

Peter Eisenberger hat sechs Kreidlers daheim. Sein Kumpel Helmut Sauer hat die Sammlerleidenschaft auf die Spitze getrieben und in den vergangenen zehn Jahren vier fabrikneue Kreidlers ausfindig gemacht und gekauft, die noch keinen einzigen Kilometer gelaufen und noch nie mit Sprit befüllt worden sind. Das ist vor allem deshalb so außergewöhnlich, weil es den Hersteller seit 1982 nicht mehr gibt. Was man nicht alles tut, wenn es um eine Jugendliebe geht. ‹ŒFoto: privat