Ingolstadt

Schaut auf diese Stadt

Sie nennen sich "Bürgergemeinschaft Ingolstadt" und fordern einen Wandel in der Kommunalpolitik

05.11.2012 | Stand 03.12.2020, 0:52 Uhr

 

Ingolstadt (DK) Für die Aktivisten ist es nichts weniger als der „Beginn einer neuen Ära kommunalpolitischen Engagements in Ingolstadt“. Unter dem Motto „Trau Dich, es ist Deine Stadt!“ lädt die Bürgergemeinschaft Ingolstadt, eine Plattform mehrerer Gruppen und Initiativen, zu einer Diskussion am Sonntag.


Jetzt hat er die Rechnung auf dem Tisch. Alois Finkenzeller, glühender Lokalpatriot und Innenstadtaktivist, muss der Stadt fast 800 Euro zahlen, weil er im September mutmaßliche Stolperfallen im Pflaster der Fußgängerzone mit einem gelben A markiert hat. Für „Achtung!“. So protestieren Finkenzeller und Gleichgesinnte von der Aktion Innenstadt dagegen, dass fast 40 Jahre nach der Erstpflasterung immer noch keine Sanierung in Sicht ist. Wie so vieles, das nach Meinung der Mutbürger, wie sie auch heißen, in der Stadt mehr Herzlichkeit verdient habe.


Die Stadt hat die mutbürgerlichen Sprühkreidewerke von einem Reinigungsduo löschen lassen und verbindet die Zahlungsaufforderung laut Verursacher mit dem Hinweis, dass sowieso keine einzige Lücke im Pflaster eine Gefahr darstellen könnte. Aber Finkenzeller würde seine Kritiker überraschen, wenn ihm nicht auch da ein effektvoller Konter einfiele: „Ich ruf’ zu einer Spendenaktion auf, und wenn was übrig bleibt, bekommt’s der Bruder Martin.“

Aber die Mutbürger sind auch sachteren Arten der Auseinandersetzung aufgeschlossen. Sie beteiligen sich an der Seite vieler weiterer Schanzer, die den Reiz ihrer Heimatstadt erhalten und nähren wollen, an der „Bürgergemeinschaft Ingolstadt“, die sich am Sonntag vorstellt.

Finkenzeller entkräftet sofort die vermutlich schlimmste Befürchtung in den Parteien. „Das soll um Gottes Willen keine Liste für die Kommunalwahl werden!“ Vielmehr verstehe sich die Gemeinschaft als eine Art Dach aller Gruppen und Bürger, die sich an der „längst überfälligen Neuorientierung in der Kommunalpolitik beteiligen wollen“. Der Leitspruch der ersten, mit namhaften Referenten unterschiedlicher Provenienz besetzten Veranstaltung am kommenden Sonntag lautet: „Trau Dich! Es ist Deine Stadt!“

Ganz unpolitisch ist der Vorstoß also nicht. „Wir wünschen uns, dass die Gruppen merken, einen gemeinsamen Nenner zu haben“, sagt Finkenzeller. „Unter anderem den, von der Stadt nicht anerkannt zu werden.“ Christian Lange, ein Mitstreiter, sieht die Bürgergemeinschaft als „Kommunikationsplattform für alle, die sagen: Wir müssen jetzt endlich etwas ändern!“

Der 47-jährige Rechtsanwalt und Businesstrainer repräsentiert die nicht unbeträchtliche Gruppe der Neubürger, denen die Stadt derart ans Herz gewachsen ist, dass es ihnen nicht egal ist, wie sie sich entwickelt. Lange, seit 1995 hier und mit einer Schanzerin verheiratet, war 15 Jahre lang in der Handelsbranche tätig und ist viel rumgekommen in der Welt. Er sagt: „Ingolstadt ist eine der schönsten Städte, die ich kenne. Sie ist aber auch eine der wenigen, die es nicht verstehen, im Zentrum mehr Attraktivität zu schaffen.“ Das sehe man gut an 1a-Lagen, die aber keine 1a-Läden mehr anlocken, oder am ausgeprägten „Hang zum Zupflastern“.

Langes Wunsch: „Man darf die Menschen nicht vergessen! Denn diese Stadt entwickelt sich nur dann vernünftig, wenn man sich mit ihr identifiziert.“