Kösching
Runde Kunst

Der Köschinger Hobbymaler Franz Bauer gestaltet seit etwa 15 Jahren Schützenscheiben

27.06.2019 | Stand 23.09.2023, 7:33 Uhr |
Für den Eigenbedarf hat Franz Bauer diese Scheibe mit einer Landschaftsszene bemalt - im Hintergrund ist der Canisiushof bei Kasing zu sehen. "Motive aus der Region mag ich am liebsten", sagt der 79-Jährige. −Foto: Stephan

Kösching (DK) Nach der offiziellen Eröffnung des Köschinger Bürgerfests durch Rathauschefin Andrea Ernhofer (SPD) werden am Freitagabend auf der Marktplatz-Bühne auch die Siegerschützen der diesjährigen Marktmeisterschaft ausgezeichnet. Wer am treffsichersten war, das wissen bisher insbesondere die königlich privilegierte Feuerschützengesellschaft (FSG) als Ausrichter - und Franz Bauer, der seit rund 15 Jahren die Schützenscheiben bemalt und beschriftet.

Franz Bauer gehört zu einer "aussterbenden Art", wie er selbst sagt: Schützenscheibenmaler gibt es immer seltener. Dabei ist der 79-Jährige selbst gar kein Schütze. Viele dürften ihn eher als talentierten Hobbykünstler kennen, der seine Werke über lange Zeit in Ausstellungen von Kösching bis Beilngries präsentiert hat. "Ich bin Autodidakt, Malerei interessiert mich seit meiner Jugend", sagt Bauer. Im vergangenen Jahr war im Rathaus seine Porträtgalerie mit sechs bayerischen Königen zu bestaunen - ebenfalls auf Holzscheiben.

Diese finden sich jetzt im Keller seines Wohnhauses wieder neben einer Sammlung seiner Schöpfungen, die eine große Bandbreite von Aktmalerei bis hin zu Kopien der Ballettmädchen von Edgar Degas aufweist. An die Wand des Partykellers seines Sohnes hat er außerdem die beeindruckende Szene bei den Säulen der Könige aus dem Film "Der Herr der Ringe" gezaubert. Kein Wunder also, dass Bauer meint: "Eigentlich komme ich aus der Ölmalerei, die Schützenscheiben sind für mich nur Nebensache."

Trotzdem hat er gerne zugesagt, als die FSG vor rund 15 Jahren einen neuen Scheibenmaler brauchte. "Ich dachte mir, das probieren wir mal", erinnert sich Bauer. "Mit Ölfarben auf eine Holzscheibe zu malen ist ja auch nicht anders als auf einer Leinwand." Der 79-Jährige zeigt Fotos seiner ersten Versuche mit einem Schützen auf dem Köschinger Marktplatz. "Neuland war für mich nur die Beschriftung", erzählt Bauer, der sich dafür eigens ein Buch mit Vorlagen der für Schützenscheiben typischen bayerischen Fraktur, eine gebrochene Schriftart, zugelegt hat. Mit Bleistift zeichnet er "mühsam" den gewonnenen Titel, das Jahr und den Namen des Ausgezeichneten auf die Scheibe vor, ehe er die Buchstaben und Zahlen - als einziges Element mit schwarzer Acrylfarbe - ausfüllt. "Das ist also mehr Malerei als Schreiben", sagt der Künstler.

Für die Motive im Inneren der Scheiben, die Bauer gestellt werden, bringen die Auftraggeber meistens Vorlagen oder konkrete Wünsche mit. Diese reichen von ganz einfachen (eine einzelne Figur wie der Südtiroler Volksheld Andreas Hofer) bis hin zu detailreichen (bayerisches Wappen mit Löwen und Königsmantel) Motiven. "Ich habe auch schon Eigengestaltungen kreiert", berichtet Bauer und kramt ein Foto einer weiteren Scheibe hervor - mit einem Porträt von König Ludwig II., der im Wasser des Starnberger Sees zu versinken scheint, im Hintergrund Schloss Neuschwanstein. "Ich wollte ihn mal anders malen. Nicht in seiner Robe, sondern an seinen letzten Tagen", erklärt Bauer. Seine Favoriten sind neben Landschaftsszenen aus der Region aber Werke seines "Lieblingsmalers" Franz Defregger. "Seine Figuren tragen die bunte Tracht der Tiroler, das ist der Stil, den ich mag", bekundet er. "Die Jugend heute hat keinen Sinn mehr dafür, aber für Schützenscheiben ist das geeignet."

Sechs, sieben Stück davon bemalt der 79-Jährige jedes Jahr, zum Beispiel für das vereinsinterne Weihnachtsschießen der FSG oder für Marktkönig sowie Marktschützenkönig. Einige der Werke, unter anderem ausgefallene mit Lucky Luke oder dem Baron von Münchhausen auf der Kanonenkugel, werden im Schützenheim auf dem Weidhausberg aufbewahrt - laut FSG neben Scheiben anderer Maler, die teils über 100 Jahre alt sind.

Je nach Motiv benötigt Bauer 10 bis 20 Stunden pro Exemplar. Früher hatte der Künstler ein großes Atelier für sein kreatives Schaffen, heute reicht ihm ein neigbarer Tisch in einem Allzweckraum. "Weiße Grundierung, Vorzeichnen mit Bleistift, Bemalen mit Ölfarbe, Firnis, Schrift und Lackierung", schildert er seine Arbeitsschritte vor der Trocknungszeit von rund vier Wochen. Die Schützenscheiben, die am Freitagabend den Marktmeistern übergeben werden, hat die FSG mit den entsprechenden aufgemalten Namen inzwischen natürlich bereits abgeholt.

Ob er seine Kunst auch bei der nächsten Meisterschaft zur Verfügung stellen kann, weiß Bauer noch nicht. "Ich bin ein Auslaufmodell", meint er schmunzelnd. Im Februar wird er 80, und das Malen wird immer anstrengender. "Da braucht es sehr viel Konzentration", begründet Bauer. Vor allem für das Beschriften der Schützenscheiben. "Da kann man nicht radieren, also darf man sich keinen Ausrutscher erlauben." Einigen Anfragen, die ihn über das Jahr erreichen, erteilt er deshalb mittlerweile eine Absage. "Aber für die Köschinger mach ich's bis zum Gehtnichtmehr", verspricht Bauer. "Das gehört sich so als Ureinwohner."

Tanja Stephan